Sonntag, 4. Oktober 2026


Geopolitik

G7 gibt 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl frei

Die Abgabe über die Internationale Energieagentur soll vier Monate dauern, Diesel kommt in den ersten 20 Tagen vorgezogen. Trump hatte mit einem US-Exportstopp gedroht und sagte hinterher, der sei nie wirklich auf dem Tisch gewesen.

Die G7 haben am 2. Oktober 2026 in einer Videoschalte vereinbart, 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus den nationalen Reserven auf den Markt zu bringen. Die Freigabe läuft über die Internationale Energieagentur und soll die Kraftstoffpreise dämpfen; sie trifft den Güterverkehr, die Landwirtschaft und die Haushalte, die den Dieselpreis zahlen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron leitete die Schalte, Bundeskanzler Friedrich Merz nahm teil. Nach der Erklärung der G7-Chefs, die das Élysée und der Europäische Rat am selben Tag veröffentlicht haben, beginnt die Abgabe unverzüglich und erstreckt sich über vier Monate; in den ersten 20 Tagen soll eine vorgezogene, erhebliche Dieselfreigabe durch die G7-Mitglieder und ihre Partner erfolgen. Welches Land wie viele Barrel beisteuert, ist nach der Tagesschau nicht bekannt. Die Erklärung nennt auch keine Aufteilung zwischen Diesel und Rohöl.

n-tv schreibt, Macron habe nach der Schalte von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl gesprochen; eingebunden seien weitere Partner und die IEA. Die Erklärung selbst setzt die Menge auf 100 Millionen Barrel fest. In den kommenden Tagen wollen die G7 im Rahmen der IEA über weitere Dieselfreigaben sprechen, falls nötig.

Die Erklärung bekräftigt, untereinander auf Exportbeschränkungen für Energie und Energieprodukte zu verzichten, und fordert alle Produzenten auf, keine Verbote zu verhängen, die die Märkte weiter anspannen. Die BBC schreibt, Trump habe gedroht, Dieselausfuhren aus den USA zu verbieten, falls die Europäer nicht mehr eigene Bestände auf den Markt brächten. Tagesschau und n-tv berichten denselben Druck als möglichen Exportstopp.

Kurz vor der Ankündigung schrieb Trump auf Truth Social laut n-tv: „Europa hat soeben zugestimmt, eine gewaltige Menge seiner umfangreichen Dieselöl-Reserven freizugeben.“ Dies werde „umgehend beginnen.“ Die BBC zitiert ihn später im Weißen Haus mit den Worten, ein Exportverbot für Diesel sei „never really on the table“ gewesen. Was Europa getan habe, sei „a great thing“. Man werde das Exportverbot nicht machen.

US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Vortag auf X geschrieben, so die Tagesschau: „Amerikanische Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen sollten nicht allein die Last einer weltweiten Diesel-Knappheit tragen müssen.“ Und: „Wir erwarten von unseren Verbündeten, dass sie ihren Zusagen Taten folgen lassen.“ Trump hatte in der Nacht auf Freitag mit Macron telefoniert. Macron sagte laut BBC, die koordinierte Aktion solle die Preise für Erdölprodukte senken, besonders für Diesel; Präsident Trump sei in der Frage der Exportverbote „very clear on this point“ gewesen.

Die Erklärung knüpft die 100 Millionen Barrel an die IEA-Zusagen vom März und berücksichtigt, was davon schon erfüllt ist. Der IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol nahm an der Schalte teil. In der Mitteilung der IEA vom 2. Oktober heißt es, von der am 11. März angekündigten kollektiven Aktion seien rund 325 Millionen Barrel bereits abgegeben, mehr als 80 Prozent der ursprünglich zugesagten 400 Millionen Barrel. Ob die jetzt genannten 100 Millionen Barrel den noch offenen Rest einschließen oder darüber hinausgehen, sagt die G7-Erklärung nicht. Die Tagesschau setzt 100 Millionen Barrel in etwa mit der Rohölnachfrage gleich, von der die IEA weltweit pro Tag ausgeht. Die März-Aktion war nach der Tagesschau die größte koordinierte Freigabe in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Agentur.

Nach der IEA nahmen neben Macron unter anderem Trump, Merz, der kanadische Premierminister Mark Carney, die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teil; Großbritannien vertrat Außenminister Ed Miliband, Japan der Vizeminister im Außenministerium Kazuya Endo. Birol sagte laut der Mitteilung, die Rohölexporte aus dem Nahen Osten hätten sich deutlich erholt, die Ströme raffinierter Produkte blieben jedoch stark eingeschränkt; ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien verschärften die Lage beim Diesel.

Die G7 wollen die Wartungspläne ihrer Raffinerien abstimmen, die Auslastung vorübergehend erhöhen, wo das möglich ist, und Länder mit Raffineriekapazität zu mehr Produktion raffinierter Produkte anhalten, besonders Diesel. Die Sanktionen gegen Russland bleiben. Die IEA soll die Wirkung beobachten und vor Ablauf von 20 Tagen einen Folgebericht vorlegen, einschließlich Empfehlungen zur Wiederauffüllung der Bestände.

Nach der BBC fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent vorübergehend unter 100 Dollar und lag am Freitagabend wieder bei rund 102 Dollar; vor dem Einmarsch der USA und Israels in den Iran habe er bei etwa 73 Dollar gelegen. Die Tagesschau schreibt, der US-Ölpreis sei zeitweise um bis zu fünf Prozent gefallen, Brent zeitweise wieder unter 100 Dollar.

Die Bundesregierung sieht nach der Tagesschau, die sich auf AFP und Regierungskreise stützt, in der Einigung ein „wichtiges Zeichen für die Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der G7“. Die Maßnahme sei ein „substantieller Impuls, um die Versorgungslage und das Marktgeschehen zu stabilisieren“. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte laut der Tagesschau zu den Reaktionen, durch die Freigabe entstehe für Deutschland kein Risiko für die Energieversorgung; es bleibe jederzeit ausreichend Reserve im System. Von der Leyen erklärte laut Tagesschau: „Unsere Bürgerinnen und Bürger brauchen und verdienen bezahlbare Energie.“

Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner sagte der AFP, so dieselbe Tagesschau: „Die Freigabe ist ein Fehler, schlimmer noch: eine politische Dummheit.“ Die Reserven seien für echte Notfälle da „und nicht für einen amerikanischen Präsidenten, dem im Wahlkampf die Felle davonschwimmen.“ Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft nannte die Freigabe gegenüber der dpa ein Pflaster, das kurzfristig lindern könne; die grundlegende Problematik bleibe.

Die G7-Erklärung verlangt die sofortige und vollständige Wiederherstellung der Durchfahrtsrechte in der Straße von Hormus. Teheran koppelt die Öffnung der Meerenge an sieben Bedingungen.