Brasilien wählt im ersten Durchgang zwischen Lula und Flávio Bolsonaro
Der 80-jährige Amtsinhaber sucht eine vierte Amtszeit, der 45-jährige Senator die Rückkehr der Rechten seines Vaters. Erreicht niemand mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen, treffen die beiden Erstplatzierten am 25. Oktober in einer Stichwahl aufeinander.
Am 4. Oktober 2026 wählen die Stimmberechtigten in Brasilien im ersten Durchgang den Präsidenten. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva, 80 Jahre alt, tritt nach Reuters für eine vierte Amtszeit an; Senator Flávio Bolsonaro, 45, will die rechte Bewegung seines Vaters Jair Bolsonaro an die Macht zurückbringen.
Erreicht niemand mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen, treffen die beiden Erstplatzierten nach Reuters und der BBC am 25. Oktober in einer Stichwahl aufeinander. Reuters schreibt, Umfragen sähen Lula und Flávio Bolsonaro in einer wahrscheinlichen Stichwahl ungefähr gleichauf.
Das Tribunal Superior Eleitoral zählte am Wahltag 158.745.463 stimmberechtigte Personen; die Wahllokale sind von 8 bis 17 Uhr Brasília-Zeit geöffnet. Die Tagesschau spricht von 158 Millionen Wahlberechtigten, BBC und Al Jazeera von rund 160 Millionen.
Jair Bolsonaro steht nicht auf dem Stimmzettel. BBC und Al Jazeera nennen ihn 71 Jahre alt. Die Tagesschau schreibt, er sei zu 27 Jahren Haft wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilt. Die BBC nennt 27 Jahre, weil er nach der Niederlage von 2022 einen Staatsstreich geplant habe; Al Jazeera schreibt, er verbüße 27 Jahre, weil er versucht habe, seine Niederlage von 2022 umzustoßen. Reuters spricht von mehr als 27 Jahren. Tagesschau und BBC berichten, er sitze im Hausarrest; die BBC nennt gesundheitliche Gründe und ein Verbot, sich öffentlich oder in sozialen Netzen zu äußern. Lula hatte ihn 2022 nach der BBC um 1,8 Prozentpunkte geschlagen.
Lula beendete den Wahlkampf nach Al Jazeera am Samstag mit einem Zug durch São Paulo und sagte den Anhängern, man gewinne am Sonntag im ersten Durchgang; die Abstimmung sei eine Wahl zwischen „democracy and barbarism“. Reuters gibt Lula mit der Formel „democracy and denialism“ wieder. Flávio Bolsonaro führte nach Al Jazeera eine Motorradkolonne durch Orte im Bundesstaat São Paulo und trat später in Rio de Janeiro auf; er sei überzeugt, alles stehe für den Sieg im ersten Durchgang.
Die BBC schreibt, der Umfrageüberblick von BBC Brasil sehe beide Kandidaten um die 40 Prozent, Lula knapp vorn; die übrigen elf Bewerber lägen bei 4 Prozent oder weniger. Ende September seien 9 Prozent unentschieden gewesen oder wollten ungültig, leer oder gar nicht wählen. Die Tagesschau berichtet, je nach Umfrage lehnten 40 bis 50 Prozent Lula und Flávio Bolsonaro ab. Al Jazeera schrieb am Wahltag, Umfragen vom Samstag sähen Lula noch vorn, seinen Vorsprung aber schmaler; eine Entscheidung im ersten Durchgang sei für keinen der beiden wahrscheinlich.
US-Präsident Donald Trump hat nach Reuters niemanden förmlich unterstützt, den Senator aber im Weißen Haus empfangen. Al Jazeera schreibt, Trump habe Bolsonaro nicht förmlich unterstützt. Reuters schreibt, Trump habe das Verfahren gegen Jair Bolsonaro als „witch hunt“ bezeichnet und 2025 einen Zoll von 50 Prozent auf brasilianische Waren gelegt, ausdrücklich verbunden mit dem Prozess. Lula sagte vor der UN-Generalversammlung laut Tagesschau: „Brasilien passt in niemandes Hinterhof.“
Flávio Bolsonaro hat nach Reuters angekündigt, für den Vater Amnestie zu suchen; Al Jazeera schreibt, er wolle ihn aus der Haft holen. Die BBC nennt ihn seit 2019 Senator; er tritt nach der BBC für die rechtsgerichtete Liberal Party an. Er begrüßte nach Reuters, dass Washington große brasilianische Banden als Terrorgruppen einstufte; Lula lehnte das ab. Die Tagesschau gibt ihn mit dem Satz wieder, er werde den „Narcoterroristen den Krieg erklären“.
Über den Wahlkampf lag nach Reuters der Fall der aufgelösten Banco Master. Deren Chef Daniel Vorcaro ist festgenommen und einer Betrugsserie in Milliardenhöhe beschuldigt. Die Bundespolizei ermittelt nach Reuters gegen Flávio Bolsonaro wegen Geldwäsche in diesem Komplex; der Senator bestreitet Fehlverhalten, bestätigte aber, bei Vorcaro Millionen für einen Film über den Vater eingesammelt zu haben. Die BBC beziffert die erbetene Summe auf 134 Millionen Reais, Al Jazeera nennt den Film Dark Horse.
Die Ermittlungen reichen nach Reuters bis zum Richter am Obersten Gericht Alexandre de Moraes, den viele als Verbündeten Lulas sehen; Moraes hat nach Reuters gesagt, der Vorgang sei politisch und auf seine Verurteilung des älteren Bolsonaro gemünzt. Flávio Bolsonaro sagte nach der BBC auf einer Kundgebung: „Voting for Lula means voting for Moraes.“
Nach dem Tribunal werden in Brasilien zugleich Gouverneure, Senatoren sowie Abgeordnete auf Bundes- und Landesebene gewählt, im Ausland nur Präsident und Vizepräsident. Reuters beziffert die Abgeordnetenkammer auf alle 513 Sitze und den Senat auf zwei Drittel der Mandate.