Bund untersagt Cosco die Übernahme der Hamburger Logistikfirma Zippel
Nach der Kabinettssitzung am 7. Oktober begründet das Wirtschaftsministerium die Entscheidung mit der Gefahr für Lieferketten. Den förmlichen Bescheid will es erst noch erlassen.
Die Bundesregierung hat am 7. Oktober 2026 nach der Kabinettssitzung den Kauf von 80 Prozent der Anteile der Hamburger Konrad Zippel Spediteur GmbH durch die chinesische Staatsreederei Cosco aus Sicherheitsgründen untersagt. Getroffen sind die Spedition, die Container von Hamburg und Bremerhaven ins Hinterland bringt, und der chinesische Staatskonzern, der bereits am Terminal Tollerort beteiligt ist.
Ein Sprecher des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sagte nach der Sitzung laut Tagesschau, der Erwerb hätte „Abhängigkeiten vertieft und die Resilienz von Lieferketten Deutschlands und der EU gefährdet“. Das Ministerium werde im Anschluss den Untersagungsbescheid erlassen.
Deutschland heiße als größte Volkswirtschaft Europas ausländische Investitionen willkommen. „Gleichzeitig kann es Investitionen geben, die die Sicherheit des Landes gefährden“, sagte der Sprecher. Die Regierung könne den Erwerb eines deutschen Zielunternehmens durch einen ausländischen Investor auf Grundlage des Außenwirtschaftsgesetzes und der Außenwirtschaftsverordnung im Einzelfall prüfen. Maßstab sei, ob der Erwerb voraussichtlich die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährde.
Die Ergebnisliste der 61. Kabinettssitzung verzeichnet unter dem Wirtschaftsministerium eine „Untersagung in einem Investitionsprüffall“, ohne Zippel oder Cosco zu nennen. Eine Pressemitteilung oder den Bescheid selbst hat das Ministerium auf seinen Seiten nicht veröffentlicht.
Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb am 20. Februar 2026 aus Wettbewerbssicht freigegeben. Cosco Shipping Holdings Co., Ltd. mit Sitz in Peking transportiert Container auf See, Zippel organisiert den Weitertransport von den Häfen ins Binnenland, häufig per Bahn. Präsident Andreas Mundt sagte, die Unternehmen stünden nicht in unmittelbarem Wettbewerb. Sicherheitspolitische Aspekte „sind nicht Gegenstand der kartellrechtlichen Fusionskontrolle.“ Nach der Mitteilung des Amtes unterliegen sie der außenwirtschaftsrechtlichen Prüfung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
An den Häfen Hamburg und Bremerhaven wurden 2024 nach Angaben des Kartellamts über 12 Millionen Container umgeschlagen. Zippel bewegte im Hinterlandverkehr nur einen Bruchteil, überwiegend per Bahn.
Die Tagesschau schreibt, Ende April sei bekannt geworden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Bedenken gegen die Übernahme hat. Die Einwände der Behörde sind öffentlich nicht dargelegt.
Zippel transportiert nach der Welt Container und Stückgut von Hamburg und Bremerhaven zu Industrie- und Handelszentren in Ostdeutschland und ins europäische Ausland. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben 350 Mitarbeiter. Der NDR schreibt, auf dem eigenen Schienennetz liefen im Jahr mehr als 3000 Züge mit Seecontainern von den Terminals ins Hinterland.
Die Hamburger Wirtschaftsbehörde habe in der vergangenen Woche erklärt, sie wäre mit einem Verkauf einverstanden gewesen, so der NDR.
Cosco gehört nach der Transportmenge zu den größten Reedereien der Welt. Der NDR setzt sie gemessen am Volumen weltweit auf Rang vier, vor Hapag-Lloyd. Das Unternehmen ist nach Kartellamt und Tagesschau bereits mit 24,99 Prozent an der HHLA Container Terminal Tollerort GmbH im Hamburger Hafen beteiligt. 2022 stritt die damalige Bundesregierung über diesen Einstieg; das Kabinett ließ einen Anteil unter 25 Prozent zu.
Geschäftsführer Axel Plaß wollte nach eigener Aussage 20 Prozent behalten und die Firma weiter führen. Gegenüber der VerkehrsRundschau sagte er: „Die Bundesregierung hat entschieden, und wir nehmen den Beschluss zur Kenntnis.“ Und: „Wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht und halten unsere unternehmerische Entscheidung nach wie vor für richtig.“ Das Tagesgeschäft laufe unverändert. Über den weiteren Umgang mit der Entscheidung befinde Cosco als Antragstellerin. Von der Reederei lag nach der Welt zunächst keine Stellungnahme vor.
Die Bundesregierung prüft den Angaben von NDR und Welt zufolge jährlich im Durchschnitt etwa 300 Erwerbsfälle. In acht Fällen sei bislang ein Kauf untersagt worden.