Samstag, 10. Oktober 2026


Außenlage

Sicherheitspolitik

Emirate werfen Flydubai-Kopilot geplanten Suizidanschlag auf den Flughafen Tel Aviv vor

Der Generalstaatsanwalt stützt sich auf ein Geständnis und datiert erste Anzeichen einer Hinwendung zum Extremismus auf 2017. Ungeklärt sind mögliche Mittäter und die Frage, wie der Mann die Sicherheitsprüfungen von Fluggesellschaft und Israel passieren konnte.

Der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate, Hamad Saif Al Shamsi, wirft dem omanischen Kopiloten des Flydubai-Flugs FZ1073 vor, am 30. September 2026 einen vorsätzlichen Terroranschlag begonnen zu haben. Der Mann habe die Maschine auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in seine Gewalt bringen und in das Passagierterminal des Flughafens Ben Gurion lenken wollen, um möglichst viele Menschen zu töten. So steht es in einer Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM vom 9. Oktober, die der Emirates 24|7 wiedergibt. Der 29-Jährige hat danach in Anwesenheit seines Anwalts gestanden und erklärt, allein gehandelt zu haben; die Behörde prüft das noch.

Schon am 3. Oktober hatte Al Shamsi laut WAM von einem Terrorversuch gesprochen: Der Kopilot habe den Kapitän im Cockpit mit einer Notaxt angegriffen und versucht, die Steuerung zu übernehmen. Mit der neuen Mitteilung kommen Motiv, Vorbereitung und Ablauf hinzu. Die Behörden nennen den Verdächtigen darin nicht beim Namen. Medien haben ihn nach Berichten von Reuters und AP unter Berufung auf Eingeweihte identifiziert; hier bleibt er ungenannt, solange keine offizielle Stelle seinen Namen nennt.

Zum Hergang sagt die Staatsanwaltschaft: Der Verdächtige habe den Kapitän im Cockpit überrascht und mit der Notaxt attackiert, der Kapitän habe sich gewehrt und versucht, Hilfe zu rufen. Ein Pilot der Rückflug-Besatzung, der an Bord war, bemerkte demnach, dass sich die Cockpittür auffällig oft öffnete und schloss, gelangte mit dem Zugangscode hinein und überwältigte den Mann mit einem Mitglied der Kabinenbesatzung und mehreren Passagieren. Der Kapitän der Rückflug-Besatzung und sein Kopilot übernahmen die Steuerung und landeten in Tabuk in Saudi-Arabien. Ein rechtsmedizinisches Gutachten hält fest, dass die Verletzungen des Kapitäns am Kopf lagen und zu einer Notaxt passen. Nach Flugdaten von Flightradar24, die Al Jazeera zitiert, verlor die Maschine binnen etwa zwei Minuten mehr als 17.000 Fuß Höhe. Die meisten der 174 Passagiere waren laut AP Israelis. Der indische Kapitän Smit Machchhar, dessen Namen unter anderem die indische Botschaft und Israels Regierungschef genannt haben, wurde nach Angaben der BBC verletzt und nach Abu Dhabi ausgeflogen.

Für das Motiv stützt sich die Anklagebehörde auf das Geständnis. Erste Anzeichen für eine Hinwendung zu Extremismus und Terror datiert die Behörde auf 2017, als er in Australien studierte; er habe sich damals von extremistischer Literatur und Online-Inhalten beeinflussen lassen, die Terrororganisationen und Selbstmordanschläge verherrlichen. Er habe sich von den Anschlägen des 11. September 2001 inspirieren lassen; die Idee eines ähnlichen Anschlags mit einem Flugzeug habe sich in seinem Denken festgesetzt und nach seiner Aussage seine Berufswahl bestimmt. Zur Vorbereitung habe er einschlägiges Material konsumiert und bei einem Privattrainer Boxen trainiert. Zwei frühere Flüge nach Tel Aviv habe er genutzt, um Route und Flughafen kennenzulernen; den Plan habe er auf dem dritten Flug begonnen umzusetzen. Die australische Bundespolizei prüft nach Angaben ihres Sprechers, die der Sender ABC zitiert, Verbindungen des Mannes nach Australien. Ob er sich dort radikalisierte, ist damit nicht belegt.

Beruflich war der Mann laut Generalstaatsanwalt von 2020 bis 2024 bei Oman Air, begann Anfang 2025 für einige Monate bei Royal Air Maroc und wechselte im Januar 2026 zu Flydubai. Royal Air Maroc sagte nach der Times of Israel, er habe 2025 drei Monate lang eine Ausbildung bei der Gesellschaft durchlaufen, seine Bewerbung für eine Anstellung sei danach abgelehnt worden. Die Staatsanwaltschaft spricht dagegen von einer Beschäftigung.

Zu Flydubai hält die Mitteilung fest, der Mann habe die beruflichen und sicherheitsrelevanten Anforderungen erfüllt, darunter Pilotenlizenz, polizeiliches Führungszeugnis und die vorgeschriebenen Überprüfungen. Keines der Verfahren habe Hinweise auf extremistische Ansichten oder Anschlagsabsichten ergeben. Die Mitteilung belastet die Fluggesellschaft nach Reuters nicht erkennbar; Flydubai war am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar, wie die Times of Israel und India Today nach Reuters schreiben. Am Tag des Vorfalls hatte die Gesellschaft von einem „altercation“ im Cockpit gesprochen und vor voreiligen Spekulationen gewarnt, so Reuters nach der Union Leader. Am 1. Oktober setzte sie ihre Flüge von und nach Israel aus, solange die Ermittlungen laufen, wie Al Arabiya unter Berufung auf eine Erklärung der Gesellschaft meldet.

Dass der Fall über die Emirate hinaus politisch wirkt, zeigt die israelische Reaktion. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am 1. Oktober dem Sender Fox News, der Kopilot habe eine radikale Indoktrination durchlaufen; nähere Angaben machte er laut CNA nicht. Verteidigungsminister Israel Katz nannte die Tat nach demselben Bericht einen versuchten dschihadistischen Terroranschlag. Netanjahu beauftragte den Leiter des Nationalen Sicherheitsrats am 4. Oktober, einen Prüfer für die Sicherheit ausländischer Zivilluftfahrt nach Israel zu benennen, wie AP schreibt. Nach AP-Angaben hatten die Emirate vorab Passagier- und Besatzungslisten an Israel übermittelt; regionale Beamte, die ungenannt bleiben wollten, sagten der Agentur, Israel habe keine Bedenken angemeldet. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet erklärte, das Verkehrsministerium prüfe die Listen; Verkehrsministerin Miri Regev erwiderte, die Sicherheitsdienste seien zuständig und ihr Ministerium habe keine Liste und keine Warnung erhalten. Oman unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Israel, und Netanjahu verwies auf langjährige Vereinbarungen mit ausländischen Gesellschaften, wonach Piloten aus Staaten ohne diplomatische Beziehungen nicht nach Israel fliegen. Wie der Omaner dennoch eingesetzt wurde, ist nach AP unklar. Schin-Bet-Vertreter nehmen laut Times of Israel in den Emiraten an der Vernehmung teil.

Unbelegt bleibt, was Oman über den Mann wusste. AP schreibt, Beamte hätten erklärt, sein Heimatland habe ihm das Fliegen wegen extremistischer Ansichten untersagt; die Mitteilung der emiratischen Staatsanwaltschaft enthält dazu nichts. Eine Stellungnahme der omanischen Regierung findet sich in den hier ausgewerteten Berichten nicht. Offen sind auch die Frage nach Mittätern, die Auswertung von Aufzeichnungen und technischen Gutachten sowie Saudi-Arabiens eigene Untersuchung des Flugs, die laut Reuters-Quellen nach India Today läuft. Weitere Ergebnisse will die Staatsanwaltschaft nach Maßgabe der Ermittlungen bekanntgeben.

In derselben Woche geriet die Luftfahrt der Region von anderer Seite unter Druck: Am 8. Oktober trafen zwei Angriffe den Flughafen Riad, zu denen sich die Huthi bekennen.