Mittwoch, 7. Oktober 2026


Sicherheitspolitik

Ex-BND-Präsident Hanning sitzt in Untersuchungshaft

Die Bundesanwaltschaft wirft dem früheren Dienstchef Agententätigkeit, Ausspähung und versuchten Landesverrat vor. Der frühere Büroleiter Manfred D. sitzt ebenfalls in Haft.

Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hat den Haftbefehl gegen den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, in Vollzug gesetzt. Die Bundesanwaltschaft teilte das am 7. Oktober 2026 mit. Sie wirft dem 80-Jährigen geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Sein früherer Büroleiter Manfred D. sitzt nach derselben Mitteilung und der Tagesschau ebenfalls in Untersuchungshaft; ihm wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen.

Beamte des Bundeskriminalamts hatten beide am 6. Oktober festgenommen, Hanning nach der Tagesschau in Nordwalde im Kreis Steinfurt, D. in Bayern. Die Bundesanwaltschaft nannte als Orte den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und den Kreis Steinfurt sowie Durchsuchungen dort und in Berlin. Die Beschuldigten wurden dem Ermittlungsrichter vorgeführt; gegen D. setzte er den Haftbefehl nach der Tagesschau bereits am Festnahmetag in Vollzug.

Die Beschuldigten sollen nach der Bundesanwaltschaft vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbart haben, dass D. Hanning gegen Entgelt fortlaufend Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes liefert. Hanning sollte sie in seiner privaten Beratertätigkeit verwerten. Er leitete den Dienst von Dezember 1998 bis Ende November 2005. D. war damals sein Büroleiter, folgte ihm als abgeordneter Assistent ins Bundesinnenministerium und war von März 2012 bis März 2026 erneut Büroleiter nachfolgender Präsidenten. Bis Juni 2022 stellte er Hanning den Ermittlungen zufolge annähernd zweitausend Dokumente zur Verfügung, darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Unterlagen für die nachrichtendienstliche Lagebesprechung im Bundeskanzleramt.

In einem Fall soll Hanning eingestufte Erkenntnisse genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparats eine Analyse zu erstellen. „Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Zudem soll er über Jahre einen Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendienstes mit politischen Informationen versorgt haben, zum Teil auf Grundlage des Materials von D.

Welches Land gemeint ist, sagt die Behörde nicht. Der Spiegel berichtet, Ermittler prüften den Verdacht, Hanning habe mit einem Agenten aus Aserbaidschan in Verbindung gestanden und eine Analyse für dessen Dienst erstellt. Die Bundesanwaltschaft wollte den Bericht nach der Tagesschau nicht kommentieren. Hanning habe dem Vorstand des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums angehört. Die Tagesschau schreibt, die Regierung in Baku habe die Anschuldigungen dementiert; diese „Desinformation“ solle den deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen schaden. Der Medien- und Rundfunkrat Aserbaidschans nannte die Berichte Desinformation, gerichtet gegen die Beziehungen zu Deutschland. Nach WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung geht der Fall der Analyse nicht um Russland; unter den Unterlagen sollen Berichte zum iranischen Atomprogramm und zur russischen Armee sein, nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch Informationen ausländischer Partnerdienste.

Das Verfahren geht auf Funde aus einer Durchsuchung bei Hanning zurück, die die Staatsanwaltschaft Hamburg im September 2025 in Ermittlungen gegen Christina Block vollzogen hat. Anfang Mai 2026 wurde der Vorgang der Bundesanwaltschaft vorgelegt. Die Ermittlungen laufen gemeinsam mit dem Bundesnachrichtendienst und dem Bundeskriminalamt. Hanning arbeitete nach der Tagesschau zuletzt als Sicherheitsberater.

Hannings Anwalt erklärte in einer Stellungnahme, sein Mandant werde zu Unrecht verfolgt. „Zwar ist er im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen. Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben.“ Die weiteren Ermittlungen würden das zeigen.

Der amtierende BND-Präsident Martin Jäger bestätigte nach der Tagesschau interne Ermittlungen, die den Verdacht erhärtet hätten; bei der internen Sicherheit gebe es „keine Kompromisse“. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann, sagte zur Festnahme: „Wir werden Geheimnisverrat nicht dulden.“