Sonntag, 4. Oktober 2026


Sicherheitspolitik

Huthi reklamieren Angriff auf Aramco-Anlage in Riad

An einer Raffinerie südlich der Hauptstadt stiegen Feuer und Rauch auf. Regierungstruppen griffen Sanaa, Saada und Taiz an; der Koalitionssprecher nannte die Angaben zu Riad irreführend.

Am 3. Oktober 2026 sah ein Zeuge nach Reuters eine große Rauch- und Feuerwolke in der Nähe einer Anlage des saudischen Ölkonzerns Aramco in Riad. Die Agentur veröffentlichte Aufnahmen mit der Bildzeile, Rauch steige von einem Brand an der Aramco-Raffinerie südlich der Hauptstadt. Die Tagesschau berichtet unter Berufung auf AFP, es habe in der Ölanlage gebrannt, und zeigte AFP-Bilder von Flammen an einer Aramco-Anlage südlich von Riad.

Die vom Iran unterstützten Huthi sagten nach Reuters, sie hätten die Anlage mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen, als Vergeltung für saudische Angriffe auf Sanaa und andere Provinzen. Saudische Behörden bestätigten einen Angriff zunächst nicht. Aramco antwortete der Agentur zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Nach Al Jazeera schrieb der militärische Sprecher der Huthi, Yahya Saree, am 3. Oktober auf X, die Operation sei präzise und direkt gewesen und habe Brände ausgelöst. Die Tagesschau gibt die Huthi-Angabe wieder, mehrere ballistische Raketen und Drohnen seien eingesetzt worden und hätten Brände an den getroffenen Standorten ausgelöst.

Generalmajor Turki al-Maliki, Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Koalition zur Unterstützung der jemenitischen Regierung, nannte die Huthi-Angaben zu einem Angriff auf Riad am 3. Oktober gegenüber Asharq Al-Awsat irreführend. Verluste der Huthi in Taiz und an anderen Fronten trieben die Gruppe nach seiner Darstellung dazu, imaginäre Siege zu suchen. Al Jazeera gibt aus saudischen Medien wieder, al-Maliki habe die Angaben zu Riad als irreführend bezeichnet.

Ob die Raffinerie getroffen wurde und welcher Schaden entstand, stellen diese Berichte nicht unabhängig fest. Angaben zu Opfern an der Anlage liegen darin nicht vor.

Das Institute for the Study of War schrieb in seinem Lagebericht vom 3. Oktober, Huthi-Medien hätten Aufnahmen und Satellitenbilder von Rauch und Bränden an Öltanks der Aramco-Raffinerie in Riad veröffentlicht. Reuters habe unabhängig Feuer und Rauch in der Nähe einer Aramco-Anlage gemeldet. Das Institut bewertet den Vorgang als wahrscheinlichen Huthi-Angriff; das bleibt seine Einschätzung.

Nach der Tagesschau ist es der dritte reklamierte Huthi-Angriff auf saudische Ölanlagen, nach Yanbu im September und einer Anlage im Süden des Königreichs im August. Reuters und Al Jazeera schreiben, die Huthi hätten in der Vorwoche Aramco-Anlagen in Yanbu mit Raketen und Drohnen angegriffen. Saudi-Arabien habe sechs ballistische Raketen in Richtung Taif und Yanbu abgefangen und keine Schäden an Aramco-Anlagen gemeldet.

Ein Militärsprecher der jemenitischen Regierung erklärte nach der Tagesschau am 4. Oktober, die Streitkräfte hätten Ziele in der von den Huthi kontrollierten Hauptstadt Sanaa, in der nordwestlichen Provinz Saada und in Taiz im Südwesten angegriffen.

Die Huthi warfen der saudischen Armee nach der Tagesschau 26 Luftangriffe auf Sanaa vor. Ritzau/AFP nennt als Träger dieser Zahl den huthi-nahen Sender Al-Masirah. Ein AFP-Korrespondent hörte in Sanaa nach der Tagesschau mindestens fünf Explosionen in verschiedenen Stadtteilen, ein anderer sah zwei Kampfflugzeuge Raketen abfeuern. Die Stadt sei nach Huthi-Angaben bereits am Donnerstag zum ersten Mal seit Jahren wieder angegriffen worden. Opferzahlen nannten sie dabei nicht.

Das Institute for the Study of War notierte für den 3. Oktober mindestens 13 Luftschläge auf mehrere Stadtteile Sanaas, gestützt auf lokale Quellen gegenüber einem jemenitischen Medium. Die Regierungstruppen bezeichneten die Ziele als legitime militärische Ziele. Für den 2. Oktober zitiert das Institut den Sprecher der Streitkräfte, Majed al-Nuzaili, mit mindestens 71 Luftschlägen auf Huthi-Kräfte und Nachschub in der Provinz Taiz.

Die Kämpfe zwischen Huthi und der von Saudi-Arabien gestützten Regierung sind nach Al Jazeera im Juli wieder aufgeflammt, nachdem ein Waffenstillstand von 2022 geendet hatte. Die Huthi kontrollieren Sanaa seit 2014; die international anerkannte Regierung sitzt in Aden. Mitte September nahmen die Huthi nach Al Jazeera die Hafenstadt Mokka und Inseln an der Meerenge Bab al-Mandab ein; anti-Huthi-Kräfte hätten die Front danach stabilisiert. Hunderttausende Menschen seien seit der Wiederaufnahme der Kämpfe vertrieben worden.

Reuters berichtete am 2. Oktober unter Berufung auf sechs mit den Vorbereitungen vertraute Personen, Riad plane in den kommenden Wochen eine Offensive gegen die Huthi, geführt von jemenitischen Kräften am Boden und gestützt durch saudische Luftschläge. Als Optionen nannten Golf- und jemenitische Vertreter den Personen zufolge entweder einen Vorstoß um den Bab al-Mandab oder eine breitere Offensive mit weiteren Achsen in al-Baida, Marib, Taiz und al-Dschauf. Mehr als 100.000 jemenitische Soldaten könnten mobilisiert werden, je nach Umfang. Sprecher der saudischen und der jemenitischen Regierung, der Huthi und des US-Militärs antworteten der Agentur demnach zunächst nicht. Die Darstellung bleibt der Bericht von Reuters.

Ein Ziel der geplanten Offensive sei nach denselben Personen, die im September erzielten Huthi-Gewinne an der Küste und die Kontrolle über den Bab al-Mandab rückgängig zu machen. Die Meerenge ist der südliche Ausgang des Roten Meeres. Deutschland beteiligt sich an der EU-Operation zum Schutz der Schifffahrt in diesem Seegebiet.