Ukraine trifft Öl-Knoten in Wolgograd und Samara
Selenskyj kündigt Reuters gegenüber stärkere Schläge auf Raffinerien an. Den Anlass nennt er Dokumente des ukrainischen Geheimdienstes über eine neue russische Luftkriegsdoktrin.
Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum 2. Oktober 2026 Ölanlagen in den russischen Regionen Wolgograd und Samara getroffen. Der Gouverneur der Oblast Wolgograd, Andrej Botscharow, sprach von einem massiven Angriff auf die Industrieinfrastruktur; in einem Wohnhaus im Krasnoarmeiski-Rajon der Stadt Wolgograd brach ein Brand aus, eine Person wurde ins Krankenhaus gebracht.
Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb nach Interfax-Ukraine, in den vergangenen 24 Stunden seien Ölanlagen in beiden Regionen getroffen worden. Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) nannte derselben Agentur zufolge vier Ziele: die lineare Produktions- und Dispatch-Station Samara, die Pumpstationen Samara-1 und Samara-2 bei Proswet sowie die Wolgograder Raffinerie.
Nach dem SBU flogen Drohnen des Sonderzentrums Alpha gemeinsam mit den Kräften für unbemannte Systeme, den Spezialeinsatzkräften und dem Militärnachrichtendienst GUR. An den Anlagen bei Samara seien danach Brände ausgebrochen. Die Wolgograder Raffinerie sei zusammen mit dem GUR getroffen worden; am Werk habe es gebrannt. Der SBU berief sich laut Interfax-Ukraine auf Hitzeherde des NASA-Dienstes FIRMS an der Einheit für verzögerte Verkokung und an den Destillationsanlagen ELOU-AVT-1 und ELOU-AVT-5.
Die Kyiv Post zitiert den Generalstab: getroffen seien die Raffinerie Lukoil-Wolgogradneftepererabotka und die Station Samara bei Proswet. Explosionen und Feuer seien verzeichnet, das Ausmaß werde noch geprüft.
Botscharow bestätigte nach der Komsomolskaja Prawda den Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Udmurtischen Straße, die Hospitalisierung eines Verletzten und die Lokalisierung des Feuers. Welche Betriebe Ziele waren, sagte er nicht. Das Gesundheitskomitee der Gebietsverwaltung nannte den Zustand des Verletzten später derselben Zeitung zufolge stabil, eine Lebensgefahr bestehe nicht.
Meduza schreibt, Augenzeugenfotos zeigten laut dem Kanal Astra einen starken Brand in dem Gebiet, in dem die Wolgograder Raffinerie und das Chemieunternehmen Kaustik liegen. In Samara brannte nach Astra die lineare Produktions- und Dispatch-Station, der größte Tanklagerkomplex Europas im Netz von Transneft; vier Leitungen führten Öl aus Westsibirien, Tatarstan, dem Gebiet Orenburg und Kasachstan dorthin. Stadt und Oblast hätten den Brand nicht amtlich bestätigt. Bürgermeister Iwan Noskow habe Raketen- und Drohnenalarm gemeldet, den oberirdischen Nahverkehr gestoppt und die Metro als Schutzraum genutzt.
Selenskyj sagte Reuters in einem Interview, das die Agentur am 3. Oktober veröffentlichte, der ukrainische Geheimdienst habe Dokumente, nach denen Wladimir Putin vor dem Winter eine „neue Doktrin“ militärischer Angriffe auf ein deutlich weiteres Spektrum ziviler Ziele erlassen habe. „Wir haben Dokumente gesehen und wissen, dass sie ihnen erlauben, Infrastruktur, Logistik und besonders in den Städten, in den Dörfern, überall, Straßen, Schulen, Krankenhäuser anzugreifen.“ „Menschen unter Druck setzen, die Hauptstadt zu verlassen, verschiedene Städte zu verlassen: Das ist das Ziel der Operation.“
Die Antwort Kiews gelte zuerst der Energie, die den Krieg finanziere. „Mit ihren Angriffen auf unsere Energie müssen wir auf ihre Energie antworten. Zuerst Raffinerien und dergleichen: das, was ihnen Geld für diesen Krieg bringt.“ „Aber wir werden natürlich nicht, so wie sie, auf irgendwelche zivilen Objekte antworten.“ Der Guardian gibt den Satz über Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser und den über den Druck auf die Hauptstadt wieder. Al Jazeera fasst die Dokumente zusammen und gibt den Druck auf die Hauptstadt, die Energie-Erwiderung und den Satz über zivile Objekte wieder.
Der Kreml war für Reuters am Samstag nicht erreichbar. Das russische Außenministerium erklärte demnach, Moskau werde Ziele weiter systematisch treffen, als Vergeltung für ukrainische Angriffe auf Russland; Ausländer sollten Kiew verlassen. Beide Seiten bestreiten, Zivilisten gezielt anzugreifen.
US-Präsident Donald Trump hatte Kiew nach demselben Reuters-Stück im September aufgefordert, russische Ölanlagen nicht zu treffen; die Schläge trieben die weltweiten Dieselpreise in die Höhe. Selenskyj sagte der Agentur, er sehe keine Anzeichen, dass Putin an Friedensgesprächen oder einem Stopp der Angriffe auf Energieanlagen interessiert sei.