US-Gespräche mit Russland zur Ukraine umfassen nach Times-Bericht den Verkauf von Lukoils Auslandsaktiva
Die US-Sanktionsbehörde erlaubt bis zum 22. Oktober Verhandlungen und bedingte Verträge über die Lukoil International GmbH. Den Vollzug eines Verkaufs knüpft sie an eine gesonderte Genehmigung und daran, dass Lukoil keinen Vorauswert erhält.
Die New York Times hat am 3. Oktober 2026 berichtet, die Gespräche der Regierung Trump mit Russland über ein Ende des Krieges in der Ukraine hätten sich auf einen milliardenschweren Verkauf der ausländischen Energieanlagen der Public Joint-Stock Company Oil Company Lukoil ausgeweitet. Der Deal hänge von der Zustimmung der US-Regierung und des Kremls ab und betreffe Ölfelder, Raffinerien und Tankstellen des Konzerns außerhalb Russlands.
Nach dem Bericht von Anton Troianovski und Eric Lipton gehört zu der führenden Bietergruppe der US-Investor Todd Boehly, zwei Gruppen aus dem Nahen Osten, die mit Jared Kushner oder der Familie von Steve Witkoff Geschäfte gemacht haben, und ein Arm der US-Regierung. Reuters schrieb am selben Tag, Weißes Haus, US-Finanzministerium und Lukoil hätten außerhalb der Geschäftszeiten nicht auf Bitten um Stellungnahme geantwortet.
Die Times stützt sich auf acht mit den Verhandlungen vertraute Personen. Drei davon sagten der Zeitung, Präsident Wladimir Putin habe den Verkauf am 5. September im Kreml gegenüber Witkoff und Kushner zur Sprache gebracht und vorgeschlagen, ihn abzuschließen, um den Russen zu zeigen, dass sie mit den Vereinigten Staaten Geschäfte machen können. Die Amerikaner hätten zugesagt, daran zu arbeiten. Eine US-Genehmigung würde die Anlagen nach der Times von den amerikanischen Sanktionen lösen und ihren Wert sofort erhöhen. Anzeichen, dass Kushner oder Witkoff selbst an dem Deal verdienten, nennt sie nicht.
Das öffentliche Stenogramm dieser Begegnung enthält keinen Öl-Deal und keinen Verkauf von Lukoil. Putin empfing darin den Sondergesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff und den Unternehmer Jared Kushner, Gründer von Affinity Partners; auf russischer Seite saßen der Präsidentenberater Jurij Uschakow und Kirill Dmitrijew, Sonderbeauftragter für Investitions- und Wirtschaftskooperation mit dem Ausland und Generaldirektor des Russischen Direktinvestitionsfonds. Die veröffentlichte Passage gilt der Begrüßung, den Vermittlern, einem von Putin angeordneten Stopp der Schläge auf Kiew ab Mitternacht des 5. September und der Sicherheit der Unterhändler. Der Rest der Unterredung ist mit einer Auslassung markiert.
Uschakow sagte am 6. September, die Unterredung habe drei Stunden und zehn Minuten gedauert. Es sei der achte Besuch Witkoffs und Kushners in Russland. Die Gespräche hätten sich nicht auf den Austausch zum ukrainischen Konflikt beschränkt; ziemlich ausführlich sei auch die wirtschaftliche Thematik und mögliche große, für beide Seiten vorteilhafte russisch-amerikanische Projekte erörtert worden. Lukoil oder einen Ölverkauf nennt der Kommentar nicht.
Das Office of Foreign Assets Control des US-Finanzministeriums, dasselbe Amt, das Irans Auto- und Bahnsektor unter Sektorsanktionen gestellt hat, hat Lukoil am 22. Oktober 2025 nach der Executive Order 14024 als im Energiesektor der russischen Wirtschaft tätig gelistet. Die Mitteilung des Finanzministeriums von diesem Tag nennt Lukoil neben der Open Joint Stock Company Rosneft Oil Company. Finanzminister Scott Bessent sagte, das Ministerium sanktioniere Russlands zwei größte Ölkonzerne, die die Kriegsmaschine des Kremls finanzierten.
Am 18. September 2026 hat der Direktor der Behörde, Bradley T. Smith, die General License No. 131J gezeichnet. Sie erlaubt bis 12:01 Uhr Eastern Daylight Time am 22. Oktober 2026 Geschäfte, die gewöhnlich anfallen und für die Verhandlung und den Abschluss von Verträgen mit Lukoil oder verbundenen Unternehmen über den Verkauf, die Veräußerung oder die Übertragung der Lukoil International GmbH oder von Gesellschaften nötig sind, an denen diese Holding unmittelbar oder mittelbar, einzeln oder zusammen zu 50 Prozent oder mehr beteiligt ist. Die Erfüllung jedes solchen Vertrags muss ausdrücklich von einer gesonderten Genehmigung der Behörde abhängen. Die Lizenz 131J ersetzt die Lizenz 131I vom 20. August 2026. Überweisungen an Personen oder Konten in der Russischen Föderation erlaubt sie nicht.
In der am selben Tag aktualisierten Frage 1224 stellt die Behörde klar, dass 131J den Vollzug eines Verkaufs, einer Veräußerung oder einer Übertragung nicht genehmigt. Für eine spätere Genehmigung erwartet sie mindestens, dass die Bindung der Lukoil International GmbH an Lukoil vollständig gekappt wird, dass Lukoil zustehende Mittel bis zur Aufhebung der Sanktionen auf einem Konto unter US-Gerichtsbarkeit gesperrt bleiben und dass Lukoil keinen Windfall erhält, etwa durch Vorauswert oder Tausch von Anlagen oder Anteilen. Für den Betrieb der Lukoil-Tankstellen außerhalb Russlands gilt daneben die General License 128C bis zum 29. Oktober 2026.
Lukoil hatte am 29. Januar 2026 mitgeteilt, mit der US-Investmentgesellschaft Carlyle eine Vereinbarung über den Verkauf der Lukoil International GmbH unterzeichnet zu haben. Die Vereinbarung sei nicht exklusiv und stehe unter Bedingungen, darunter die Genehmigung durch das Office of Foreign Assets Control. Verhandlungen mit anderen möglichen Käufern liefen weiter. Anlagen in Kasachstan gehörten nicht zum Verkauf.
Die Times schreibt, die Carlyle-Vereinbarung sei in den vergangenen Monaten bei der US-Genehmigung stecken geblieben; als führender Bieter sei eine Gruppe um Boehly aufgetreten, zusammen mit gut vernetzten Figuren im Nahen Osten und der US-Regierung selbst. Die US International Development Finance Corporation solle einen Anteil nehmen. Ein höherer Beamter der Regierung bestätigte der Times, Witkoff und Kushner hätten die finanziellen Bedingungen der Bundesbeteiligung mitverhandelt, damit sie eine substanzielle Vorauszahlung und eine Gewinnbeteiligung für die Vereinigten Staaten enthalte. Eine Sprecherin Witkoffs sagte der Zeitung, er habe in der Sache keinen Interessenkonflikt und keine finanzielle Beteiligung. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte der Times, das Office of Foreign Assets Control setze die vom Weißen Haus bestimmte Außenpolitik um.
Nach der Times wäre ein wesentlicher Anteilseigner der katarische Konzern der Brüder Moutaz und Ramez Al-Khayyat, die mit Kushner und Ivanka Trump ein Hotelprojekt in Albanien finanzieren; ein weiterer der Fonds des emiratischen Scheichs Tahnoon bin Zayed Al Nahyan. Die Zeitung nennt Ölfelder in Kamerun, Raffinerien in Europa und Tankstellen in New Jersey als Teil des Portfolios. Das Treffen vom 5. September sei nach einer mit der Sache vertrauten Person das erste gewesen, in dem Lukoil in Putins Gesprächen mit Witkoff und Kushner vorkam.
Kirill Dmitrijew war nach Reuters vom 29. September 2026 am 28. September in Washington. Ein US-Beamter sagte der Agentur, der Gesandte habe konstruktive Gespräche über eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine und mögliche Energieinitiativen der USA und Russlands nach Kriegsende geführt. Er traf nach mit den Vorbereitungen vertrauten Quellen Vertreter des Finanz- und des Energieministeriums.