Freitag, 9. Oktober 2026


Sicherheitspolitik

Nato startet Atomwaffenübung Steadfast Noon, Bundeswehr nimmt teil

Die Übung beginnt am 13. Oktober in Italien, 17 Staaten stellen Kräfte. Grundlage der deutschen Beteiligung ist die nukleare Teilhabe.

Die Nato beginnt am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, in Italien die jährliche Nuklearübung Steadfast Noon. Das Bündnis hat das Manöver am 8. Oktober angekündigt; Streitkräfte aus 17 Staaten nehmen teil, nach dem SPIEGEL auch die Bundeswehr. Scharfe Waffen kommen laut der Nato-Mitteilung nicht zum Einsatz.

Deutschland besitzt keine eigenen Atomwaffen. Es beteiligt sich dem Blatt zufolge regelmäßig über die nukleare Teilhabe: Im Ernstfall sollen in Europa stationierte US-Waffen vom Typ B61 auch von Flugzeugen der Partnerstaaten abgeworfen werden und dann etwa gegnerische Streitkräfte ausschalten.

Die Übung sei lange geplant und Routine, diene der Bereitschaft und dem Test von Verfahren für Abschreckung und Verteidigung, richte sich gegen kein Land und hänge nicht an aktuellen Ereignissen, schreibt die Nato. Generalsekretär Mark Rutte nannte das Bündnis darin defensiv. Die Übung helfe, eine sichere, wirksame und glaubwürdige Fähigkeit zu gewährleisten, Frieden zu bewahren, Nötigung zu verhindern und Aggression abzuschrecken, und sende eine klare Botschaft von Geschlossenheit und Entschlossenheit.

Der Umfang liege im Rahmen früherer Durchgänge, heißt es in der Mitteilung. Der SPIEGEL und dpa geben die Bündniszentrale so wieder, er sei mit dem Vorjahr vergleichbar. Damals sprach die Nato von rund 2000 beteiligten Militärs und mehr als 70 Flugzeugen; darunter waren nach dem SPIEGEL deutsche Kampfjets, die in Europa stationierte US-Atombomben tragen können. Oberst Martin O’Donnell, militärischer Nato-Sprecher, sagte Newsweek, in diesem Jahr sei mit einer ähnlichen Zahl an Personal und Maschinen zu rechnen. Geübt werde das Verlegen atomwaffenfähiger Flugzeuge; Tankflugzeuge und Sicherungsteams sollen die nuklearen Abläufe stützen können.

Nato-Nuklearpolitikchefin Nassima Barrows sagte laut SPIEGEL, Steadfast Noon solle zeigen, dass die Nato das Bündnisgebiet im Ernstfall verteidigen könne und über die nötigen Fähigkeiten verfüge. Politico zitiert sie, das Manöver finde jedes Jahr statt, sei vorhersehbar und gebe Staaten wie Russland keinen Grund zur Sorge oder Fehlkalkulation. Oberst David Bull, bei der Nato für Nuklearoperationen zuständig, erklärte nach SPIEGEL und dpa, es gehe um das Zusammenspiel der Beteiligten für eine sichere, glaubwürdige und verlässliche nukleare Abschreckung. Politico schreibt, die Übung reiche von einem simulierten Alarm bis zu Flugbetrieb ohne scharfe Nuklearwaffen.

Der SPIEGEL spricht von einer rund eineinhalbwöchigen Übung. Reuters schreibt unter Berufung auf das italienische Verteidigungsministerium, sie beginne am 13. Oktober und dauere eine Woche; Italien habe Steadfast Noon bereits sechs Mal ausgerichtet, die Teilnahme rotiere unter den Verbündeten. Die italienische Luftwaffe erklärte laut Il Messaggero, ein Einsatz realer Waffen sei nicht vorgesehen; die Aktivitäten dienten Verfahren, Koordination und Sicherheitsstandards und hingen nicht an einer bestimmten Krise. Das Blatt nennt die Stützpunkte Ghedi in der Lombardei und Aviano im Friaul.

US-Atomwaffen sollen nach offiziell unbestätigten Angaben, die SPIEGEL und dpa wiedergeben, unter anderem in Norditalien, Belgien, den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen Büchel lagern. Zum genauen Übungsszenario machte die Nato keine Angaben. Militärexperten zufolge, so SPIEGEL und dpa, wird unter anderem geübt, Waffen aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen zu bringen und unter die Kampfjets zu montieren; dabei kämen Übungsbomben ohne Kernsprengkopf zum Einsatz.

In der Bedrohungsanalyse hat die Allianz nach dem SPIEGEL seit Jahren vor allem Russland im Blick; erst in der vergangenen Woche sei Moskau wieder nukleares Säbelrasseln vorgeworfen worden. Reuters berichtet, Russland habe die Nato gewarnt, es sei bereit, zu Atomwaffen zu greifen, falls das Bündnis die Exklave Kaliningrad abschneiden wolle. Den konventionellen Teil der Abwehr an der Ostflanke beschreibt der Oberbefehlshaber in einem Papier zur Ostflanke.