Äthiopiens Truppen holen Mekelle zurück, Abiy pocht auf Rotmeer-Zugang
Die TPLF räumte die Regionalhauptstadt nach eigener Aussage vorübergehend. Ägypten, Eritrea, Somalia und Sudan reservieren die Ordnung des Roten Meeres für Küstenstaaten.
Äthiopische Regierungstruppen und die Tigray Peace Force haben am Wochenende Mekelle unter Kontrolle gebracht, die Hauptstadt der nördlichen Region Tigray. Reuters datiert den Einmarsch auf den Samstagnachmittag, den 3. Oktober 2026, und die Bestätigung auf Sonntag. Adressat ist die Regionalverwaltung. Betroffen sind die Zivilbevölkerung in Tigray und die Nachbarstaaten am Roten Meer.
Eine der Miliz nahestehende Quelle sagte Reuters, Kämpfer der Tigray Peace Force seien ins Zentrum eingedrungen, gefolgt von der äthiopischen Armee. Die Miliz schrieb auf Facebook, sie kontrolliere die Stadt. Eine humanitäre Quelle und ein Einwohner bestätigten der Agentur die Kontrolle durch Regierungskräfte. Al Jazeera berichtet denselben Ablauf; AFP nannte eine humanitäre Quelle, nach der die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) die Regionalhauptstadt verlassen habe.
Die TPLF, die die Oppositionsallianz anführt, schrieb in einer Mitteilung in den sozialen Medien am Samstagabend, sie habe Mekelle „vorübergehend“ verlassen, um „von einem anderen Ort aus zu operieren“. Al Jazeera gibt die Mitteilung mit der Begründung wieder, weitere Zerstörung in der Stadt zu verhindern; die Kämpfe sollten von anderen Stellungen aus weitergehen. Reuters schreibt, tigrayische Kräfte hätten die Stadt kampflos geräumt.
Die Kämpfe begannen am 23. September, nachdem sieben bewaffnete und politische Gruppen eine Allianz angekündigt hatten, um die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed zu stürzen und eine Übergangsverwaltung einzusetzen. Die Feindseligkeiten folgten nach Al Jazeera dem Zusammenbruch des Friedensabkommens von Pretoria aus dem Jahr 2022, das den Krieg von 2020 bis 2022 beendete. Reuters nennt die Eskalation die schwerste seit jenem Krieg, der Hunderttausende Tote forderte.
Hilfsquellen sagten Reuters, Luftangriffe und Artillerie hätten Tigray in der Nacht zum 5. Oktober getroffen. Laut einem Bulletin, das unter Hilfsorganisationen kursierte, töteten Luftschläge nordwestlich von Mekelle mindestens 17 Menschen: mindestens neun in Adwa, rund 100 Kilometer entfernt, und acht in Sheraro. Das Bulletin nannte nicht, wer die Angriffe flog. Am Montagmorgen tauschten Armee und tigrayische Kräfte nach dem Bulletin schweren Artilleriebeschuss nahe dem Fluss Tekeze bei Mai Tsebri aus. Sprecher des Premierministeramts, der Streitkräfte und der TPLF antworteten der Agentur zunächst nicht. Reuters konnte die Angaben nicht unabhängig prüfen. Ein weiterer Helfer bestätigte ihr die Schläge auf Adwa, ohne Zahlen zu Toten.
In Mekelle öffneten Läden wieder, Telefon und Internet kamen nach einer Woche Unterbrechung zurück, sagten Einwohner Reuters.
Addis Abeba hat die diplomatischen Beziehungen zu Eritrea in der Vorwoche abgebrochen. Das Außenministerium schloss die Botschaft in Asmara „als Antwort auf Eritreas direkte und indirekte feindselige und kriegerische Handlungen gegen Äthiopien“ und erklärte zehn eritreische Diplomaten, darunter den Geschäftsträger, zur persona non grata; sie sollten binnen 48 Stunden ausreisen. Al Jazeera datiert den Schritt auf den 1. Oktober. Eritreas Außenministerium schrieb, es habe „keine andere Wahl, als in gleicher Weise zu handeln und alle diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abzubrechen, mit allen negativen Folgewirkungen, die das mit sich bringt“.
Äthiopien wirft Eritrea, Sudan und Ägypten vor, die Rebellenallianz zu stützen. Alle drei bestreiten das. Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty sagte Reuters am Sonntag: „Ich muss sehr klar sein: Wir sind nicht Partei in der inneren Krise, vor der Äthiopien jetzt steht. Sie hat nichts mit uns zu tun.“ Zum Nil nannte er die Lage eine existenzielle Frage, „Leben oder Tod für 110 Millionen Menschen“. Eritreas Informationsminister Yemane Gebremeskel schrieb nach Al Jazeera am Sonntag auf X, Addis Abeba suche einen Vorwand für einen Angriff auf Eritrea.
Am 4. Oktober empfing Präsident Abdel Fattah as-Sisi in New El Alamein den eritreischen Präsidenten Isaias Afwerki, den somalischen Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud und den Vorsitzenden des sudanesischen Souveränitätsrats, Abdel Fattah al-Burhan. Vor dem Treffen sagte as-Sisi nach Al Jazeera vor dem Koordinierungsgipfel der Afrikanischen Union, grenzüberschreitende Herausforderungen verlangten „Dialog, nicht Konfrontation“. Beziehungen sollten auf gegenseitigem Respekt, guter Nachbarschaft, Dialog und Konsultation beruhen, „fern von einseitiger Politik oder engen Interessen“.
Die vier Staatschefs gaben eine gemeinsame Erklärung ab. Sie bekräftigten die Freiheit der Schifffahrt und schrieben, die Ordnung des Roten Meeres sei die ausschließliche Verantwortung der Küstenstaaten. Zum Nil verwiesen sie auf das völkerrechtliche Schädigungsverbot sowie auf vorherige Notifikation, Konsultation und Konsens. Sie wiesen „kategorisch jede einseitige Maßnahme zurück, die die bestehenden Wassernutzungen der beiden Unterliegerstaaten des Nils beeinträchtigt“. Äthiopien wird in dem Text nicht genannt. Al Jazeera berichtet, nach der Erklärung solle die Kontrolle über das Rote Meer bei den Küstenstaaten bleiben; Ägypten und Sudan warnten vor dem, was sie „einseitige Maßnahmen“ nannten, die Unterliegerstaaten schädigten.
Am Montag, dem 5. Oktober, wurde Abiy im Parlament in Addis Abeba für fünf weitere Jahre vereidigt. Reuters schreibt, seine Prosperity Party habe die Parlamentswahl im Juni gewonnen. In der Rede sagte er nach der Agentur: „Äthiopiens Modernisierung lässt sich ohne Meereszugang nicht verwirklichen.“ Al Jazeera zitiert ihn mit den Worten: „Auf der Grundlage des Prinzips von Geben und Nehmen werden wir beharrlich daran arbeiten, dass Äthiopien einen Zugang zum Meer erhält.“ Den Zugang nannte er entscheidend für die „Zivilisation“ des Landes. Äthiopien verlor den direkten Zugang zum Roten Meer 1993, als Eritrea unabhängig wurde.
Das äthiopische Außenministerium schrieb am selben Tag nach Al Jazeera, Gespräche über das Rote Meer müssten den „legitimen Interessen und der dauerhaften Verbindung“ des Landes zu diesem Meer Rechnung tragen. Reuters gibt Eritrea mit der Sorge wieder, Äthiopien wolle den Hafen Assab mit Gewalt nehmen; Abiy habe gesagt, der Zugang solle auf friedlichem Weg gesichert werden.
Mohamud gratulierte Abiy zur Wiederwahl. Zuvor hatte er Al Jazeera gesagt, Somalia habe nichts gegen einen äthiopischen Zugang über somalisches Gebiet, die beiden Staaten müssten das aber förmlich aushandeln.
Das US-Außenministerium rief Äthiopien und Eritrea am Samstag nach Al Jazeera auf, die Souveränität und territoriale Integrität der Nachbarn zu achten, größte Zurückhaltung zu üben und zu Dialog und Zusammenarbeit zurückzukehren. Die steigenden Spannungen hätten „das Potenzial, die gesamte Region zu betreffen“.