Dienstag, 6. Oktober 2026


Sicherheitspolitik

BND-Chef Jäger sieht Deutschland im Schattenkrieg mit Russland

In der jährlichen öffentlichen Anhörung vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium nennt der BND-Präsident Nachrichtendienste die erste Verteidigungslinie und verweist auf den Anschlagsversuch von Leipzig.

Martin Jäger, Präsident des Bundesnachrichtendienstes, hat am 5. Oktober 2026 in der jährlichen öffentlichen Anhörung vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags vor einem gewaltsamen Konflikt mit Russland gewarnt. t-online zitiert ihn: „Die Konfrontation, in der wir mit Russland stehen, hat eine neue, gefährlichere Qualität: Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten.“

Als Beispiel nannte Jäger den Anschlagsversuch von Leipzig. Die FAZ schreibt, er habe den Angriff einer mit Sprengstoff beladenen Drohne auf den Leipziger Flughafen angeführt. Die Tagesschau gibt ihn mit den Worten wieder: „Russland führt einen Schattenkrieg gegen uns: Dieser unerklärte Krieg ist nicht mit herkömmlichen militärischen oder rechtlichen Kategorien zu fassen.“ In dieser Lage seien die Nachrichtendienste „die erste Verteidigungslinie“.

Die russischen Dienste agierten nach derselben Meldung „hochprofessionell und rücksichtslos“. Die Gefahr von Anschlägen gegen Ziele in Deutschland bleibe „weiter real und gegenwärtig“. Moskau wolle gewährleisten, dass in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten keine Entscheidungen gegen Russland getroffen werden, und Europas Unterstützung für die Ukraine stoppen. Der Bundestag zitiert Jäger: Russland dränge Deutschland die Konfrontation auf, „weil es in uns einen Hauptgegner sieht, weil wir Russlands revisionistische, expansive Politik und den Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht hinnehmen und der Einschüchterung der Nato-Bündnispartner im Baltikum entgegentreten“. Jäger erwähnte nach der FAZ auch den Solidaritätsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew am Vortag.

Hinweise auf einen großangelegten Angriff auf Nato-Gebiet sieht der BND nach der Tagesschau derzeit nicht. Allerdings könne es insbesondere im Baltikum zu „niedrigschwelligen militärischen Aktivitäten Russlands“ kommen. Die FAZ berichtet, Jäger rechne nicht mit einem umfassenden Angriff, wohl aber mit nadelstichhaften Aktionen; Aktionen unter falscher Flagge schließe er nicht aus. Schon jetzt versuche Russland, mit Drohnenflügen über Nato-Gebiet eine neue Normalität zu schaffen. Wie die Nato einen Vorstoß an der Ostflanke abwehren will, legt der Oberbefehlshaber in einem Papier zur Ostflanke dar.

Die Jahreszahl 2029 für russische Fähigkeiten hält Jäger nach einer Einordnung der Tagesschau aufrecht, ohne Informationen über tatsächliche Vorbereitungen für ein solches Szenario. Das ZDF zitiert ihn: „In diesem Sinne behält 2029 natürlich weiterhin seine Gültigkeit.“ Und: „Wir dürfen nicht bis 2029 warten.“

Sinan Selen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sprach nach der Tagesschau ebenfalls von russischer Bereitschaft zu Sabotage und Tötungsdelikten. „Wir konnten bereits Abwehrerfolge erzielen“, sagte er. Die Lage verschärfe sich weiter, weshalb die deutschen Dienste ihre Fähigkeiten an europäische Partnerdienste anpassen müssten. Vor dem Gremium sagte Selen laut Bundestag, was militärische Szenarien für 2029 an Bedrohungen taxierten, „ist in der geheimdienstlichen Schattenwelt für unseren Abwehrdienst bereits heute Realität“. Transport, Verteidigungsindustrie und militärische Infrastruktur lägen im Fadenkreuz.

Martina Rosenberg, Präsidentin des Militärischen Abschirmdienstes, sagte laut Tagesschau, die Bundeswehr sei „durch vielfältige Gefahren von außen wie von innen bedroht“. Der Bundestag gibt sie mit den Worten wieder, früher sei von einer abstrakten Gefährdung die Rede gewesen, heute handle es sich um „ganz konkrete Angriffe auf die Bundesrepublik Deutschland“.

Die drei Dienstchefs warben für die geplante Reform. Jäger begrüßte nach der Tagesschau das neue BND-Gesetz der Bundesregierung und die geplante Ausweitung und Vereinheitlichung der Kontrolle. Rosenberg verwies nach der Tagesschau-Einordnung darauf, dass das MAD-Gesetz aus dem Jahr 2004 stammt. Der Bundestag muss den Gesetzentwurf nach Tagesschau und t-online noch beraten; in besonderen Fällen sollen die Dienste neben der Aufklärung auch operative Aufgaben wahrnehmen, etwa um Cyberangriffe zu stoppen oder Rüstungsprojekte zu sabotieren.