Dienstag, 13. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Drohnen treffen zwei Frachter vor Bulgarien, einer sinkt

Sofia meldet den Untergang der „Azov Concord“, elf Seeleute gelten nach Angaben der Gebietsverwaltung Dobritsch als vermisst. Ministerpräsident Radew hat keine Beweise für den Urheber, sieht Russland als Nutznießer und bestellt die russische Botschafterin ein. Nato-Generalsekretär Rutte will die Abschreckung „as needed“ anpassen.

Vor der bulgarischen Schwarzmeerküste sind in der Nacht zum Dienstag, dem 13. Oktober 2026, zwei Handelsschiffe angegriffen worden, eines davon ist nach Regierungsangaben gesunken. Um 1.30 Uhr Ortszeit ging nach Angaben der bulgarischen Regierung ein Notruf des Frachters „Chelsea 3“ ein, 18 Meilen östlich von Bjala. Das Schiff fährt unter maltesischer Flagge, ist in Odessa registriert und gehört nach Regierungsangaben der Ukraine; laut Besatzung trafen es drei Drohnen aus der Luft an Deck und Bordwand. Alle 15 Seeleute, sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner, wurden nach Warna gebracht, fünf von ihnen werden medizinisch versorgt. Während einer Sondersitzung des Sicherheitsrats beim Ministerrat erfuhr die Regierung von einem zweiten getroffenen Schiff 17 Meilen östlich von Krapez; es sei gesunken, ein Besatzungsmitglied sei gerettet worden.

„Absolut unzulässig ist der erneute Angriff auf Handelsschiffe in unmittelbarer Nähe der bulgarischen Hoheitsgewässer“, sagte Ministerpräsident Rumen Radew vor der Sitzung. Die Ständigen Vertreter Bulgariens bei Nato und EU seien unterrichtet. Für den Urheber legte er sich nicht fest: „Wir haben keine soliden und klaren Beweise, um gegen irgendeine der Seiten Anschuldigungen zu erheben, aber die Logik zeigt, wie ich schon sagte, dass das Ergebnis der Russischen Föderation nützt. Deshalb werde ich heute Botschafterin Mitrofanowa zu einem Gespräch einbestellen.“ Bulgarien verlange weiter Unterstützung bei der Aufklärung der Angriffe auf drei Schiffe, um festzustellen, aus welchem Staat die Drohnen kommen.

Das gesunkene Schiff ist die „Azov Concord“. Nach einem Bericht von Radio Bulgarien (BNR) vom 13. Oktober meldete die Nachrichtenagentur BTA unter Berufung auf die Gebietsverwaltung Dobritsch, fünf Seeleute seien gerettet worden, elf würden vermisst; die Suche laufe. Die Besatzung stammte demnach aus Syrien und Ägypten. Der Generalsekretär des Innenministeriums, Ljubomir Nikolow, sagte nach einem Bericht des Portals Horata vom 13. Oktober auf einer Pressekonferenz in Warna, die meisten Seeleute seien Syrer, drei Ägypter; das Ministerium könne aber nicht mit Gewissheit sagen, dass die „Azov Concord“ gesunken sei. Die „Chelsea 3“ treibe ohne Besatzung, gesunken sei sie nicht. Die Zahl von einem Geretteten aus der Regierungsmitteilung ist damit überholt; eine amtliche Liste der Vermissten liegt nicht vor.

Botschafterin Eleonora Mitrofanowa kam noch am Dienstag in den Ministerrat. Radew hielt ihr laut Regierungsmitteilung vor, es ergebe keinen Sinn, dass die Ukraine ihre eigenen Schiffe zerstöre. Mitrofanowa sagte demnach, sie verstehe diese Logik, habe aber keinerlei Informationen des russischen Verteidigungsministeriums zu den Angriffen; sie schließe nicht aus, dass eine dritte Seite provoziere. Bulgarien sei keine Kriegspartei, trage aber erhebliche Schäden: Versicherungen würden teurer, teils werde der Transport von Ladungen in bulgarische Häfen abgelehnt, die Ölversorgung der Raffinerie in Burgas sei gefährdet.

Am Dienstag telefonierte Radew mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Beide hätten Solidarität und Hilfe bei der Aufklärung zugesagt, teilte die Regierung mit; Radew bat erneut um Hilfe bei der Überwachung des Luft- und Seeraums. Rutte schrieb um 10.26 Uhr MESZ auf X, die Nato habe ihre Präsenz an der Ostflanke bereits verstärkt und werde die Sicherheitslage weiter beobachten, „adjusting our deterrence and defence posture as needed“. Konkrete Schritte nannte er nicht. Von der Leyen schrieb nach einem Bericht von Euronews vom 13. Oktober auf X, das Schwarze Meer sei zu einer weiteren Front der Eskalation des russischen Kriegs in der Ukraine geworden.

Radew will mit Rumänien und der Türkei gemeinsame Vorschläge für die Sicherheit der Schifffahrt ausarbeiten und das Thema beim Europäischen Rat am 15. und 16. Oktober ansprechen. Es ist der zweite Angriff binnen einer Woche: Am 6. Oktober hatte die Regierung einen Angriff auf zwei Handelsschiffe in der bulgarischen Wirtschaftszone gemeldet und am 12. Oktober technische Hilfe von EU und Nato für die Ermittlungen erbeten. Am 5. Oktober war in der rumänischen Wirtschaftszone ein Getreidefrachter gesunken.