Dienstag, 13. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Hacker heizen Kühlanlagen in französischen Supermärkten auf

Die Cyberabwehr CERT-FR meldet zahlreiche kompromittierte Kühlsteuerungen des Herstellers Danfoss, die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Allein die Gruppe Les Mousquetaires zählt nach BFM TV 300 betroffene Märkte.

Frankreichs staatliche Cyberabwehr CERT-FR hat am Montag, dem 12. Oktober 2026, vor Angriffen auf Kühlsteuerungen des dänischen Herstellers Danfoss gewarnt. Sie habe Kenntnis von „nombreuses compromissions“ der Baureihen AK-SM und AK-SC, heißt es im Alarm CERTFR-2026-ALE-012; Betreiber sollen die Geräte vom Netz trennen oder den Zugang filtern. Getroffen hat es Supermärkte im ganzen Land: Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigener Mitteilung wegen einer „cyberattaque d’ampleur“ auf vernetzte Kühlanlagen mehrerer großer Lebensmittelhändler auf dem gesamten Staatsgebiet, wie BFM TV am 12. Oktober berichtet.

Die Angreifer erzwangen nach dem Bericht des Senders in der Nacht zum Montag in den Anlagen einen dauerhaften Abtauvorgang mit einer Solltemperatur von 50 Grad; Kühl- und Tiefkühlmöbel heizten über Stunden. Les Mousquetaires nannten BFM TV 300 betroffene Intermarché- und Netto-Märkte, Coopérative U weniger als hundert, E.Leclerc bestätigte Störungen in mehreren Märkten. Intermarché musste nach eigenen Angaben alle betroffenen Frisch- und Tiefkühlwaren wegwerfen. Die Staatsanwaltschaft spricht nach BFM TV auch von „départs de feu“, also Bränden.

Das CERT-FR, das zur Cybersicherheitsbehörde ANSSI gehört, nennt keine Opfer, keine Zahlen und keinen Urheber. Bei Verdacht auf Kompromittierung empfiehlt es, den Netzzugang auf Dienstleister zu beschränken, die Geräte auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, alle Sicherheitsupdates einzuspielen, Passwörter und Schlüssel zu wechseln, die Benutzerkonten zu prüfen und die Anlage neu zu konfigurieren. Eine Verwaltungsoberfläche offen ins Internet zu stellen, widerspreche bewährter Praxis.

Danfoss bestätigte BFM TV Vorfälle in Frankreich, die „un nombre limité“ von Steuerungen beträfen. Die meisten seien Altgeräte der Typen AK-SM800 und AK-SC355, die keine Software- oder Sicherheitsupdates mehr erhielten; betroffene Geräte vom Typ AK-SM800A liefen mit veralteter Firmware. Das Unternehmen empfehle seit Langem, die Systeme aktuell zu halten, und arbeite mit den betroffenen Kunden. Eine eigene Mitteilung von Danfoss fand die Redaktion nicht.

Die Ermittlungen führt nach BFM TV die Abteilung für Cyberkriminalität der Pariser Staatsanwaltschaft mit dem Office anticybercriminalité (OFAC); sie sollen die Opfer erfassen und klären, ob die Schäden an Lebensmitteln und die Brände auf den Angriff zurückgehen. Die ANSSI hat nach Angaben aus dem Umfeld des Premierministers, die der Sender wiedergibt, eine Schwachstelle in der Danfoss-Software gefunden und steht mit europäischen Partnerbehörden in Kontakt, weil auch andere Länder betroffen sein könnten. Eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft im Wortlaut fand die Redaktion nicht.

Die Lücke war bekannt. Forscher der Firma Claroty hatten am 9. August Schwachstellen im Controller AK-SM 800A veröffentlicht, darunter einen versteckten Mechanismus, der die Anmeldung umgeht, so BFM TV; Danfoss habe danach eine neue Firmware herausgegeben. Ob die Angreifer genau diese Lücke nutzten, steht nicht fest. Wer hinter dem Angriff steht, ist offen.