Dienstag, 13. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

London macht die Revolutionsgarden für den Fairford-Vorfall verantwortlich

Premier Burnham nennt eine Steuerung durch Irans Revolutionsgarden im Unterhaus „almost certainly“, London setzt zwei Iraner auf die Sanktionsliste. Deutschland und 28 weitere Staaten stellen sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter die Zuordnung; die britische Fassung nennt 32 Unterzeichner.

Die britische Regierung macht Irans Revolutionsgarden für den Vorfall am Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford vom 27. September verantwortlich. Premierminister Andy Burnham sagte am Montag, dem 12. Oktober 2026, im Unterhaus, nach britischer Einschätzung sei der Vorfall „highly likely to have been coordinated in Iran, almost certainly directed by Iran’s Islamic Revolutionary Guard“; das steht in der Mitschrift seiner Erklärung auf gov.uk. Der Stützpunkt in Gloucestershire diente bis Anfang Oktober amerikanischen Bombern als Basis. Großbritannien werde gegen Irans Einsatz krimineller Netzwerke vorgehen, deren Geldströme ins Visier nehmen und weitere Sanktionen gegen Iran und die Revolutionsgarden verhängen, sagte Burnham.

Am selben Tag stellten sich die Außenminister Deutschlands und weiterer Verbündeter hinter die Zuordnung. In der gemeinsamen Erklärung, die das US-Außenministerium veröffentlichte, verurteilen 29 Regierungen „in the strongest terms“ Irans gewaltsame Angriffe, darunter tödliche Anschlagspläne, Brandstiftung, Sabotage und Cyberangriffe, und erkennen die britische Zuordnung an. Die Fassung des britischen Außenministeriums mit demselben Wortlaut führt 32 Staaten auf, zusätzlich Island, Italien und Malta. Woher die Abweichung kommt, erklären beide Stellen nicht; eine Fassung des Auswärtigen Amts fand die Redaktion nicht.

Nach der Erklärung zeigt der Vorfall aus britischer Sicht, dass die Revolutionsgarden weiterhin bereit sind, über verdeckte Netzwerke und Stellvertreter jenseits der eigenen Grenzen feindselig zu handeln. Die Unterzeichner verweisen auf eine Serie von Anschlägen in Europa gegen jüdische Gemeinden, iranische Journalisten und amerikanische Interessen, zu denen sich die Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (HAYI) bekannt habe. Wer im Auftrag Irans oder eines anderen Staates feindselig handle, solle wissen, dass man ihn identifizieren, ermitteln, stören und strafrechtlich verfolgen werde.

London setzte noch am Montag zwei Iraner auf seine Sanktionsliste. Nach der Sanktionsmitteilung gelten für Ruhollah Bazghandi und Shahram Ali Reza Tamarzadeh Jakki Vermögenssperre, Einreiseverbot und ein Verbot, Unternehmen zu leiten. Bazghandi wirft die Regierung Spionage für Iran und die Planung oder Ausführung von Angriffen auf Personen und Sachen in Großbritannien oder anderen Staaten vor, Jakki Unterstützung solcher Angriffe außerhalb Irans. Fairford nennt die Mitteilung nicht; ob die beiden Listungen mit dem Vorfall zusammenhängen, geht aus ihr nicht hervor.

Burnham dankte Polizei und Militär für ihr Eingreifen bei den Vorfällen in Fairford und am Stützpunkt RAF Molesworth; zu Molesworth sagte er nichts weiter. Einzelheiten zu Fairford soll nach seinen Worten das Innenressort dem Unterhaus vortragen. Was die Ermittler Iran konkret zur Last legen, steht weder in seiner Erklärung noch in der gemeinsamen Erklärung.

In der Nacht zum 27. September hatte die Polizei nahe dem Stützpunkt fünf Männer festgenommen, einige Tage später in London einen sechsten; nach den damaligen Berichten kamen alle wieder frei. Die USA zogen danach ihre B-1-Bomber aus Fairford ab, wie der frühere Bericht beschreibt. Iran hatte eine Beteiligung damals zurückgewiesen. Eine Reaktion Teherans auf die Zuordnung vom Montag fand sich in den geprüften Quellen bis Dienstagmorgen nicht.