Mittwoch, 21. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Bundeswehr stuft Sabotagegefahr laut WDR und SZ als erheblich ein

Eine interne Analyse, die WDR und SZ vorliegt, rechnet erstmals mit russischen Anschlägen auf die Truppe in Deutschland. Auslöser ist eine Drohne mit Sprengstoff nahe dem Fliegerhorst Wunstorf.

Die Bundeswehr stuft die Gefahr russischer Sabotage gegen die eigene Truppe in Deutschland erstmals als erheblich ein, die zweithöchste Stufe ihrer Bewertungsskala. Das geht nach Angaben von WDR und Süddeutscher Zeitung aus einer internen Sicherheitsanalyse hervor, die beiden Redaktionen vorliegt. Erstmals geht die Bundeswehr damit davon aus, dass sie selbst hierzulande Ziel russischer Anschläge werden kann.

Auslöser ist laut WDR der Zufallsfund eines Landwirts: Mitte September entdeckte er unweit des Fliegerhorsts Wunstorf in Niedersachsen eine offenbar abgestürzte Drohne. Wenige Meter daneben lag eine Konservendose mit hochexplosivem Sprengstoff. Die Drohne ähnelt in der Bauweise jener, die Anfang August beim gescheiterten Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle eingesetzt wurde. Nach technischen Analysen des Bundeskriminalamts lag sie wohl schon rund zwei Jahre dort. Anders als in Leipzig, wo es offenbar um zivile Frachtflugzeuge ging, könnten in Wunstorf nach Einschätzung der Ermittler Flugzeuge der Bundeswehr das Ziel gewesen sein. Dort ist die A400M-Transportflotte der Luftwaffe stationiert, wie tagesschau.de im September berichtete.

Mit dem Einsatz von Drohnen „als kinetisches Wirkmittel“ habe Russland „eine bisher antizipierte rote Linie der Schädigungsabsicht mit kinetischer und/oder letaler Wirkung“ überschritten, heißt es in dem Papier laut WDR. „Während der Vorfall LEIPZIG noch mit einer mittelbaren Bedrohung der BW bewertet werden konnte, ist mit dem Vorfall WUNSTORF sehr wahrscheinlich von einer direkten Betroffenheit der BW als Ziel auszugehen.“ Strategisch verfolge Moskau sehr wahrscheinlich eine Zersetzungsabsicht, die auf die Schwächung der deutschen Unterstützung für die Ukraine ziele.

Bisher sah die Bundeswehr eine erhöhte Gefahr vor allem an Standorten, an denen ukrainische Soldaten ausgebildet werden, sowie an Marinestützpunkten und Werften. Nun lasse sich die Gefahr nicht mehr örtlich begrenzen, heißt es laut WDR in der Analyse. Gestützt auf Einschätzungen der Nachrichtendienste sei eine „kurzfristige Lageverschärfung zu erwarten und mit Aktionen in naher Zukunft zu rechnen“. Russland bestreitet eine Beteiligung an Sabotage und hybriden Angriffen.

Offen bleibt, welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen die Bundeswehr an ihren Liegenschaften ergreift. Zu Wunstorf hatte sich die Bundesanwaltschaft im September unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht geäußert, wie tagesschau.de berichtete.