Samstag, 10. Oktober 2026


Außenlage

Geopolitik

Burnham sagt Selenskyj nach der Miami-Runde schärfere Russland-Sanktionen zu

Die Gespräche von USA, Ukraine, E3, EU-Kommission und Nato endeten nach Angaben von Radio Free Europe/Radio Liberty früher als geplant. Der US-Gesandte Witkoff nennt sie konstruktiv, eine Vereinbarung gibt er nicht bekannt; der Kreml spricht von Verständnis Putins für einzelne US-Vorschläge.

Der britische Premierminister Andy Burnham hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Samstag, dem 10. Oktober 2026, nach Angaben seines Amtssitzes die volle Solidarität zugesichert und angekündigt, die Sanktionen gegen Russland weiter zu verschärfen. Das Telefonat fiel auf den Tag, an dem die ukrainische Delegation aus den Vereinigten Staaten abreiste: Die Verhandlungsrunde in Miami mit Vertretern der USA, der Ukraine, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, der EU-Kommission und der Nato endete laut LIGA.net unter Berufung auf einen Korrespondenten von Radio Free Europe/Radio Liberty früher als geplant, ohne zweiten Tag. Eine Vereinbarung nannte der US-Gesandte Steve Witkoff nicht.

Die Mitteilung von Downing Street hält fest, Burnham habe die vergangenen 24 Stunden für die Ukraine als schwierig bezeichnet. Großbritannien werde seine Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen und zusätzliche Schritte unternehmen, um die russische Kriegsmaschine einzuschränken. Beide Seiten betonten laut der britischen Darstellung, Russland solle einer sofortigen Energie-Waffenruhe zustimmen und seine Angriffe auf ukrainische Infrastruktur sowie auf die Schifffahrt im Schwarzen Meer beenden. Burnham und Selenskyj wollen sich in den kommenden Tagen persönlich treffen; Termin und Ort nennt die Mitteilung nicht. Eine ukrainische Darstellung des Gesprächs liegt nicht vor.

Als Grundlage nennt Downing Street die neuen britischen Sanktionen dieser Woche. Das Außenministerium hatte am 8. Oktober nach eigener Mitteilung 38 neue Eintragungen veröffentlicht, darunter die Ölunternehmen Zarubezhneft und INK Capital, zwölf Tanker der russischen Schattenflotte und Lieferanten von Gütern für das Militär. Die britischen Sanktionen deckten damit nach Angaben der Regierung mehr als 90 Prozent der russischen Ölförderkapazität ab.

Witkoff hatte die Miami-Runde, die der Vorbericht ankündigte, auf X als „constructive discussions“ beschrieben, wie AFP und Interfax-Ukraine ihn wiedergeben. Besprochen worden seien kurzfristige Maßnahmen für den Winter, darunter Energieversorgung und Getreideexporte, Sicherheitsgarantien, langfristige Sicherheitsarrangements für die Ukraine und Europa sowie der Wiederaufbau einschließlich eines EU-Beitritts. Die Runde habe Punkte für weitere Prüfung vor dem nächsten Kontakt der USA mit Russland ergeben. Konkrete Vereinbarungen nannte er nach dem Kyiv Independent nicht; eine Waffenruhe erwähnt sein Text nicht. Geplant waren nach Selenskyjs Ankündigung zwei Tage, der 9. und der 10. Oktober. Witkoff sagte laut AFP nicht, ob am Samstag weitergesprochen werde.

Selenskyjs Kommunikationsberater Dmytro Lytwyn sagte Journalisten, die Verhandlungsgruppen seien auf dem Heimweg. Nach der Ukrajinska Prawda fügte er hinzu, der zweite Tag sei nicht abgesagt worden; der erste habe nur länger gedauert und sei etwas anders verlaufen als gedacht. Am Freitag, dem Tag der Runde, hatte Trump das Dieselabkommen mit Putin verkündet, das nach AFP die Gespräche überschattete. Die russische Zeitung Vedomosti gibt einen Bericht der Financial Times wieder, der sich auf drei ungenannte Quellen stützt: Selenskyjs Team sei von der Ankündigung überrascht worden, und die US-Seite habe in Miami verlangt, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, verbunden mit dem Hinweis, die Geheimdienstzusammenarbeit könne enden. Ein hoher ukrainischer Beamter habe erklärt, Kiew werde die Raffinerien weiter angreifen. Das ist ein Bericht der Zeitung, keine bestätigte Tatsache. Einzelheiten zu Lizenz und Mengen stehen im Bericht zum Dieselabkommen, Trumps Satz über einen neuen ukrainischen Präsidenten im Bericht vom Samstag.

Der Kreml äußerte sich am Samstag zum Telefonat der Präsidenten Putin und Trump vom 9. Oktober. Sprecher Dmitri Peskow sagte nach TASS, auf Initiative Trumps habe der größte Teil des Gesprächs der Ukraine gegolten, und Putin habe einige amerikanische Vorschläge für Deeskalationsschritte mit Verständnis aufgenommen. Welche Vorschläge das sind, sagte Peskow nach AFP nicht. Putins Erklärung auf kremlin.ru vom Freitagabend nennt für den Energiemarkt die Bereitschaft, Öl und Ölprodukte zu liefern. In seinem Kommentar sagte der Berater Juri Uschakow, Trump habe zugesagt, Signale an die ukrainische Delegation in Miami weitergeben zu lassen; Moskau überlege, wann die Dreiergespräche wieder möglich seien. Eine Bestätigung aus Washington dazu liegt nicht vor. Zu einer Energie-Waffenruhe äußern sich die Erklärung, der Kommentar und die TASS-Meldung nicht. Mehr zur Vertagung der Dreiergespräche steht im früheren Bericht.

Aus Brüssel kommt die Gegenposition zur Lockerung. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb nach AFP, jetzt sei nicht die Zeit, den Druck auf Russland zu lockern, und Europa werde das nicht tun. Der Kyiv Independent berichtet unter Verweis auf eigene frühere Berichte, Russland verlange in den Gesprächen über ein Ende der Angriffe auf ukrainische Energieanlagen Sanktionserleichterungen und wolle eine mögliche Energie-Waffenruhe mit Absprachen zum Schwarzen Meer verknüpfen. Die britische Mitteilung nennt keine Gegenleistung für eine Waffenruhe. Washington will laut AFP noch in diesem Monat breitere Gespräche mit Russland und der Ukraine ansetzen.

Selenskyj hatte laut Kyiv Independent für Montag, den 12. Oktober, einen Bericht der Delegation in Kiew erwartet. Ein öffentlicher ukrainischer Bericht über die Runde lag bis Samstagabend nicht vor. Stand der Meldungen ist Sonntag, der 11. Oktober 2026, vormittags (MESZ).