Trump sieht laut FT keine unmittelbaren Schläge gegen Iran vor
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Die Streitkräfte seien bereit, sagt der Präsident der Zeitung. Laut New York Times hat CENTCOM einen Angriffsplan für frühestens Mittwoch.
GeopolitikDie Vereinigten Staaten haben nach den Worten von Präsident Donald Trump keine unmittelbaren Pläne für Angriffe auf Iran. Das sagte Trump am Dienstag in einem sechsminütigen Telefoninterview der Financial Times, wie Reuters und Iran International berichten. Die Streitkräfte seien aber bereit, falls ein Einsatz nötig werde; womöglich gebe es dafür jedoch keinen Grund.
Trump äußerte sich laut Iran International auf die Frage nach Andeutungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, ein Angriff könne noch in dieser Woche erfolgen. Er zeigte sich demnach mit der Lage zufrieden: Durch die Straße von Hormus fließe mehr Öl als vor dem Krieg, und die amerikanische Blockade iranischer Häfen schade der Wirtschaft des Landes. Die indirekten Verhandlungen über Irans Bestand an angereichertem Uran gingen weiter. Militärische Pläne wollte Trump nicht im Voraus offenlegen.
Stand vom 3. November, spät
Das US-Zentralkommando CENTCOM hat laut New York Times einen Plan, mit Angriffen auf Iran frühestens am Mittwoch zu beginnen, nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten und sobald drei Flugzeugträger in der Region sind. Die Zeitung beruft sich auf amerikanische Regierungsvertreter.
Die günstigen Bedingungen für die Art von Kampagne, die das Militär ausgearbeitet hat, halten laut New York Times nur kurz an. Nach Anfang November müsse einer der Flugzeugträger in seinen Heimathafen zurückkehren; zudem seien die Nächte Anfang November mondlos, was das Militär für Angriffe bevorzuge. Die Streitkräfte haben demnach Schiffe, Kampfflugzeuge und Bomber für eine relativ kurze Kampagne intensiver Schläge zusammengezogen, falls Trump sie anordnet. Der Aufmarsch könne aber ebenso der Diplomatie dienen, die eine Öffnung der Straße von Hormus erreichen soll (unser Bericht).
Israel warnt vor Chemiewaffen
Israel hat den Vereinigten Staaten nach Angaben amerikanischer und regionaler Regierungsvertreter Geheimdiensterkenntnisse übermittelt, wonach Iran den Einsatz chemischer Waffen gegen seine Gegner erwäge, berichtet die Zeitung. Israelische Geheimdienstler hätten ihren amerikanischen Kollegen gesagt, Iran entwickle rasch die Technik, solche Waffen auf Raketen zu setzen oder nach Israel oder in ein anderes Land zu schmuggeln. In Gesprächen der vergangenen zwei Wochen hätten israelische Vertreter diese Gefahr als dringlicher dargestellt als Irans Atomambitionen.
Manche US-Beamte nehmen die Warnung laut New York Times ernst, andere sehen sie als Teil einer Kampagne der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, um Washington zur Wiederaufnahme großer Kampfeinsätze zu bewegen. Auch Vertreter der Golfstaaten, denen Israel einen Teil der Erkenntnisse vorlegte, zweifelten daran. Israel habe keine Belege vorgelegt, sondern nur Einschätzungen, sagte ein regionaler Vertreter der Zeitung; die Golfregierungen hielten sie für nicht ernsthaft. Iran bestreitet, Chemiewaffen zu besitzen. Ein Sprecher von Netanjahus Büro sagte der Zeitung, Israel verfolge jede Bedrohung durch das von ihm so bezeichnete iranische Terrorregime genau und sei bereit, ihr zu begegnen. Das Weiße Haus äußerte sich zu den Chemiewaffen-Erkenntnissen nicht; ein US-Beamter sagte lediglich, Präsident Donald Trump werde Amerika und seine Verbündeten vor jeder möglichen Bedrohung schützen. Die CIA lehnte eine Stellungnahme ab.
Kabinett uneins über den Kurs
Einige Kabinettsmitglieder werben laut New York Times für mehr Zeit, damit der wirtschaftliche Druck wirkt; Blockade und Sanktionen würden die iranische Führung irgendwann stürzen. Andere Regierungsvertreter halten dagegen, Iran habe dem Druck bislang standgehalten. Die US-Dienste schätzen die Gefahr für Amerikaner im Nahen Osten und in mehreren anderen Ländern demnach als so hoch ein wie seit Kriegsbeginn im Februar nicht mehr.
Das Pentagon hatte CENTCOM bereits angewiesen, Kampfeinsätze gegen Iran vorzubereiten (unser Bericht), und einen dritten Flugzeugträger in die Region verlegt (unser Bericht).