FT: Geheimdienste warnen Rüstungschefs vor russischen Attentaten
https://www.aussenlage.de/artikel/ft-geheimdienste-ruestungschefs-russland-attentate
Die Quellen der Zeitung sind Vertreter von fünf europäischen Diensten, die nicht genannt werden; der Originalartikel liegt hinter einer Bezahlschranke. Belegt sind nur die veröffentlichten Aussagen des Bundesamts für Verfassungsschutz.
SicherheitspolitikFünf europäische Nachrichtendienste haben nach einem Bericht der Financial Times vom Sonntag Chefs von Rüstungsunternehmen gewarnt, dass Russland Attentatsversuche gegen sie ausweite. Betroffen seien Vorstände und leitende Angestellte großer Konzerne, aber auch Führungskräfte kleinerer Firmen, die Drohnen oder Drohnenbauteile herstellen. Die Zeitung beruft sich auf Vertreter der Dienste, die sie nach den vorliegenden Wiedergaben nicht namentlich nennt.
Der FT-Text selbst ist nur gegen Bezahlung zu lesen und war für diese Darstellung nicht abrufbar. Grundlage sind Wiedergaben der Ukrainska Pravda, von Euromaidan Press und von aktien.news, die einander in den Kernpunkten entsprechen. Was die Zeitung im Einzelnen über Fälle, Länder und Firmen schreibt, lässt sich daraus nicht vollständig prüfen. Keine der drei Wiedergaben enthält eine Stellungnahme aus Moskau.
Nach dieser Darstellung hat der Kreml angeordnet, Sabotage und hybride Operationen in Europa auszuweiten, um die Unterstützung für Kiew in den kommenden Monaten zu schwächen. Die Tötung europäischer Zivilisten, früher selbst für Russlands Dienste ein Tabu, werde dabei wichtiger. Verantwortlich sei überwiegend der Militärgeheimdienst GRU. Seine Offiziere arbeiteten zunehmend mit Gruppen der organisierten Kriminalität zusammen, nutzten grenzüberschreitende Agentennetze und verteilten Aufklärung, Logistik, Planung und Ausführung auf getrennte Zellen. In einigen Fällen seien Pläne aufgedeckt und vereitelt worden, in anderen sei beobachtet worden, wie Alltagsabläufe von Personen zu Hause und am Arbeitsplatz ausgespäht wurden.
Mehrere Manager haben der FT zufolge ihren Personenschutz in den vergangenen sechs Monaten auf Rat staatlicher Sicherheitsdienste verschärft, andere nur für Auslandsreisen. Nach der Wiedergabe von aktien.news verlegte einer von ihnen einen Produktionsstandort in Westeuropa. Ein Vertreter des Bundesamts für Verfassungsschutz sagte der Zeitung demnach, das Amt habe den Kontakt zu Beschäftigten und Leitungen deutscher Rüstungsfirmen deutlich verstärkt und empfehle teils private Schutzteams.
Belegt ist die Lage in Deutschland durch das Amt selbst. In seinem auf der Website des Verfassungsschutzes veröffentlichten Eingangsstatement vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium vom 5. Oktober sagte Präsident Sinan Selen: „Bereits heute nimmt Russland potenzielle zivile Opfer in Kauf – und betreibt zudem die gezielte Planung von Gewalttaten gegen Personen durch staatliche oder staatlich gesteuerte Akteure.“ Weiter heißt es dort: „Wir werden eine Weiterentwicklung dieser Aktionen beobachten, in Bezug auf die Ziele, auf die Methoden und eingesetzte Akteure, einschließlich des Einsatzes von OK-Strukturen.“ Die Verteidigungsindustrie liege im Fadenkreuz. Einen schweren Schaden habe das Amt bei einem Brandanschlag in München Anfang September verhindert; die Festnahmen nannte er einen Abwehrerfolg. Zur Anhörung siehe den Bericht über BND-Chef Jäger und den Schattenkrieg.
Zu München liegen zudem Angaben der Ermittler vor. Nach einem Bericht des Spiegel vom 4. September sitzen zwei Bulgaren in Untersuchungshaft, denen Sachbeschädigung und versuchte Brandstiftung vorgeworfen werden. Der Tatort lag nahe den Firmenzentralen von Rohde & Schwarz und des Drohnenherstellers Helsing; ob eine der Firmen das Ziel war, sei nicht geklärt. Die Sicherheitsbehörden prüften dem Spiegel zufolge, ob die beiden im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes handelten.
Schon im Juli hatte das Bundesamt in einem Sicherheitshinweis für die Wirtschaft geschrieben: „Abhängig vom weiteren Kriegsverlauf sind selbst gezielte Angriffe gegen Einzelne (insbesondere Beschäftigte auf der Leitungsebene) nicht auszuschließen.“ Das Papier nennt außerdem eine im April 2026 kursierende Liste des russischen Verteidigungsministeriums mit 21 europäischen Drohnenlieferanten, darunter drei Firmen mit Sitz in Deutschland, und erwähnt die Festnahme zweier Verdächtiger, die in Deutschland eine Person ausgespäht haben sollen, deren Firma Drohnen und Bauteile in die Ukraine liefert. Dort handelt es sich um Vorwürfe der Bundesanwaltschaft.
Unbestätigt bleibt, was die „Welt am Sonntag“ zum Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle berichtet hat. Nach einer Wiedergabe von t-online sei das eigentliche Ziel das Drohnenunternehmen Helsing gewesen. Die Zeitung ist bezahlpflichtig und wurde nicht eingesehen, eine Bestätigung von Behörden liegt nicht vor. Selen selbst sagte zu Leipzig, die Spuren führten „sehr klar nach Russland“.
Der Kreml hatte 2024 einen Bericht über einen Mordplan gegen Rheinmetall-Chef Armin Papperger zurückgewiesen. Sprecher Dmitri Peskow nannte ihn laut Deutschlandfunk „im Stil von Fake-News aufgezogen“. Papperger steht nach der FT-Wiedergabe heute unter Schutz privater Kräfte und der Polizei. Offen ist, welche Fälle die fünf Dienste meinen, aus welchen Ländern sie stammen und welche Pläne tatsächlich vereitelt wurden. Die Ukrainska Pravda nennt als Hintergrund unter anderem einen Fall aus Schweden: Im August nahm die Polizei ein russisches Paar in Gewahrsam, das nahe einem Grundstück gezeltet hatte, bei dem laut SVT Wachleute des Saab-Chefs Micael Johansson eingriffen. Das Paar kam frei; nach Angaben seines Anwalts, wiedergegeben von DN, besteht gegen es kein Verdacht mehr. Als Beleg für einen Anschlagsplan taugt der Fall nach diesen Angaben nicht.