CENTCOM: US-Kampfjet setzt Frachter im Golf von Oman außer Gefecht
Das US-Zentralkommando nennt das Schiff „Ocean Molica“ und sagt, die Besatzung sei unverletzt geblieben. Unabhängig bestätigt ist das nicht; vom Betreiber und aus Teheran liegt in den geprüften Quellen keine Stellungnahme vor.
Ein Kampfjet der US-Streitkräfte hat am 10. Oktober 2026 im Golf von Oman das Heck des unter panamaischer Flagge fahrenden Frachters „Ocean Molica“ mit Präzisionsmunition getroffen. Das teilt das US-Zentralkommando CENTCOM mit. Nach seiner Darstellung fiel der Antrieb vollständig aus, die Besatzung blieb unverletzt. Das Schiff, das nach CENTCOM-Angaben auch „Arika Sun“ heißt, habe zuvor einen iranischen Hafen verlassen und wiederholte Warnungen ignoriert, um die US-Seeblockade gegen Iran zu durchbrechen. Betroffen sind Besatzung und Eigner des Schiffes sowie die Reeder, die den Golf von Oman befahren.
Die Angaben beruhen allein auf CENTCOM. Die Mitteilung vom 10. Oktober nennt weder Uhrzeit noch Position des Treffers noch Ladung, Reederei oder Flaggenstaatsbehörde. Reuters schreibt, die Agentur habe den Betreiber des Massengutfrachters zunächst nicht erreichen können. Eine Stellungnahme Irans zu dem Vorfall fand die Redaktion in den geprüften Quellen nicht. Ein von Reuters verbreitetes Standbild aus einem CENTCOM-Video zeigt Rauch und Feuer über einem Handelsschiff; eine unabhängige Zuordnung des Bildes liegt nicht vor.
Die britische Meldestelle UKMTO erklärte am Sonntag laut Middle East Eye, sie kenne einen Vorfall mit einem Tanker und Militärkräften im Golf von Oman; die Untersuchungen liefen. Das Schiff, den Zeitpunkt und den Ort nennt die Meldung nicht. Ob sie sich auf den von CENTCOM beschriebenen Treffer bezieht, geht aus den geprüften Quellen nicht hervor: CENTCOM spricht von einem Frachter, UKMTO von einem Tanker. Al Jazeera zitiert die UKMTO-Meldung im Anschluss an die CENTCOM-Angaben, stellt aber keinen Zusammenhang fest.
Das Zentralkommando bilanziert die Blockade in derselben Mitteilung. Seit der Wiederaufnahme am 14. Juli seien vier Handelsschiffe außer Gefecht gesetzt und 135 Schiffe zur Umkehr gebracht worden; zudem hätten US-Kräfte in diesem Zeitraum zehn Tanker zerstört, die zum Schattennetzwerk der iranischen Revolutionsgarde gehörten. Am 5. Oktober hatte CENTCOM auf seiner Webseite 130 umgeleitete und drei außer Gefecht gesetzte Schiffe gemeldet. Damals sprach das Kommando von 13 zerstörten Handelsschiffen in zwölf Wochen, die gegen die Blockade verstoßen hätten oder zum Netzwerk der Garde zählten. Wie sich die 13 Schiffe vom 5. Oktober zu den zehn Tankern vom 10. Oktober verhalten, erklärt das Kommando nicht. Alle Zahlen sind Eigenangaben und unabhängig nicht geprüft.
Der demokratische Senator Chris Murphy kritisierte den Einsatz laut Al Jazeera auf X und stellte Zweck und Kosten infrage. Eine Antwort der Regierung darauf liegt in den geprüften Quellen nicht vor.
Der Vorfall fällt in eine Woche mit vielen Angriffen auf Schiffe. Nach Reuters sank die Zahl der Durchfahrten durch die Straße von Hormus auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten, nachdem die Angriffe auf Tanker in der Vorwoche den höchsten Wert seit Kriegsbeginn im Februar erreicht hatten. Vor dem Krieg lief durch die Meerenge ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs. Die Revolutionsgarde erklärte laut Al Jazeera, sie habe den Flüssiggastanker NV Sunshine auf einer „illegalen“ Route südlich der Meerenge getroffen; Teheran will eigene Durchfahrtsregeln durchsetzen. Diese Angabe ist eine Erklärung einer Kriegspartei. Die Angriffsserie im Oktober und die abweichenden Zählweisen von IMO und UKMTO beschreibt die Redaktion gesondert.
Politisch ist die Lage festgefahren. Präsident Donald Trump erklärte am 8. Oktober auf Truth Social, die Blockade bleibe uneingeschränkt in Kraft, vor den Zwischenwahlen am 3. November greife er Iran nicht an; das überliefert Al-Monitor nach AFP. Zuvor hatten The Atlantic und die New York Times über Pentagon-Optionen für Schläge vor der Wahl berichtet, wie Al-Monitor schreibt; früher berichtete die Redaktion über eine Weisung an CENTCOM, Kampfeinsätze vorzubereiten. Teheran koppelt die Öffnung der Meerenge an sieben Bedingungen. Stand dieses Textes ist Sonntagmorgen, der 11. Oktober 2026 (MESZ).