Samstag, 10. Oktober 2026


Außenlage

Sicherheitspolitik

Straße von Hormus: Im Oktober fast täglich Treffer auf Handelsschiffe

Die Schifffahrtsorganisation IMO zählt neun getroffene Schiffe in sechs Tagen, die britische Meldestelle UKMTO zwei weitere bis Freitag. Einen Urheber nennen die Meldungen nicht; die Revolutionsgarde reklamiert den Treffer auf einen Gastanker für sich.

Zwischen dem 1. und dem 6. Oktober 2026 sind in der Straße von Hormus und vor der Küste Omans neun Handelsschiffe getroffen worden, überwiegend Öltanker. Das listet die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO als bestätigte Vorfälle; USNI News berichtet zusätzlich von zwei weiteren Treffern am 7. und am 9. Oktober, die auf Meldungen der britischen Meldestelle UKMTO beruhen. Betroffen sind Reeder, Besatzungen und die Ölversorgung: Am 5. Oktober wurden auf dem Tanker On Peace nach Angaben des indischen Außenministeriums zwölf Seeleute verletzt.

Am 9. Oktober erklärte die iranische Revolutionsgarde, sie habe den Flüssiggastanker NV Sunshine auf einer „illegal route“ südlich der Meerenge getroffen. Das ist eine Angabe einer Kriegspartei; unabhängig bestätigt ist sie in den geprüften Quellen nicht. Bei den übrigen Treffern sprechen die Warnungen der UKMTO von unbekannten Geschossen und nennen keinen Urheber.

Die Zahl „elf“ stammt aus der Addition bei USNI: neun Schiffe nach IMO-Angaben bis Dienstag, dem 6. Oktober, plus zwei nach UKMTO-Meldungen. Die IMO selbst führt auf ihrer Seite mit Stand 9. Oktober für den Oktober nur die neun Fälle vom 1. bis 6. Oktober; es sind Kazimah III (1. Oktober), Uhud und Promise (2.), Ghana Prosperity (3.), Gas Vela, Cameroon Prosperity und Lipsi (4.), On Peace (5.) und ST1 (6.). Insgesamt weist die IMO bis zum 9. Oktober 100 bestätigte Vorfälle in der Meerenge und im Nahen Osten und 24 getötete Seeleute aus.

Die Zählweisen weichen voneinander ab. Die UKMTO verzeichnet in ihrem Wochenbericht vom 9. Oktober elf Angriffe vom 1. bis 7. Oktober, zehn davon in der Meerenge und einen im Persischen Golf; sie weist darauf hin, dass sie nur Vorfälle aufnimmt, die sich über Primärquellen belegen lassen. Lloyd’s List zählt laut USNI zwölf Angriffe zwischen dem 28. September und dem 7. Oktober, den höchsten Wochenwert seit Kriegsbeginn. Mögliche Gründe sind unterschiedliche Zeiträume, Prüfverfahren und Abgrenzungen; die Quellen erklären die Abweichung nicht.

Die beiden jüngsten Fälle liegen nach den Berichten innerhalb des Golfs, nicht in der Meerenge. Am 7. Oktober wurde 51 Seemeilen vor Katar ein Tanker getroffen; das Schiff, nach Angaben von Sicherheitsquellen gegenüber Reuters der Chemikalientanker Acers, wurde nach UKMTO-Angaben von mehreren Geschossen getroffen, eine Person wurde verletzt. Am 9. Oktober traf ein unbekanntes Geschoss nach einem Reuters-Bericht 13 Seemeilen westlich von Al Jazeera in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Schiff, das zwei Quellen als den Rohöl-Supertanker Gem No. 2 identifizierten; das Feuer an Bord wurde gelöscht. Niemand bekannte sich dazu. Die Agentur AFP schreibt, Schiffsverfolger hätten bei diesem Vorfall ein anderes Schiff genannt als die Revolutionsgarde. Ob ein Zusammenhang zur Erklärung der Garde besteht, belegen die Quellen nicht.

Die Revolutionsgarde machte in ihrer Mitteilung die US-Streitkräfte für die Zwischenfälle verantwortlich, so die Agentur Anadolu. Laut AFP sagte sie, die NV Sunshine gehöre der Firma NatWit; die iranische Agentur Mehr vermerkt, die Mitteilung nenne weder die Waffe noch weitere Einzelheiten. Nach der chinesischen Agentur Xinhua erklärte die Garde zudem, Schiffe auf nicht genehmigten Routen würden künftig überall in der Region verfolgt und bestraft. Eine UKMTO-Warnung zur NV Sunshine fand die Redaktion nicht; Angaben zu Schäden oder Besatzung liegen nicht vor.

Das von den USA geführte Informationszentrum JMIC stuft die Bedrohung in der Meerenge in seiner Lageeinschätzung vom 8. Oktober als „severe“ ein, die höchste Stufe unterhalb von „critical“. Es begründet das mit iranischen Angriffen und verweist auf Funkanrufe der Garde, mit denen Schiffe auf die nördliche, iranisch kontrollierte Route gelenkt werden sollen. Am 5. Oktober meldete ein Tanker, eine als Revolutionsgarde bezeichnete Stelle habe ihm per Funk befohlen umzukehren, sonst werde er angegriffen. Die einzelnen Angriffsmeldungen enthalten dagegen keine Urheberangabe. Die UKMTO betont, ihre Berichte stellten keine rechtliche Zuordnung von Verantwortung dar.

Nach UKMTO-Zahlen entfielen seit dem 6. Juli 41 von 59 Vorfällen gegen Handelsschiffe auf die südliche Route entlang der omanischen Küste. Reuters berichtet unter Berufung auf einen hochrangigen regionalen Vertreter und einen Diplomaten, beide ungenannt, Iran habe gewarnt, nicht genehmigte Routen zu blockieren; nach Darstellung des Diplomaten könnten dazu Raketen- und Drohnenangriffe oder Boote gehören, die Schiffe vertreiben. Der Branchenverband BIMCO sieht laut Reuters die Bereitschaft der Reeder gesunken, die Meerenge zu befahren.

Zugleich steigt der Verkehr, zumindest in einem Teil der Zählungen. Lloyd’s List registrierte nach USNI 143 Durchfahrten vom 28. September bis 7. Oktober, drei mehr als in der Vorwoche; der Analyst Richard Meade nannte das ausgelagerte „Shuttle“-System aus Durchfahrt und Umladung auf See in einer Online-Runde nicht tragfähig. Die UKMTO schätzt den Verkehr auf rund 75 Prozent unter Vorkriegsniveau und weist darauf hin, dass die Zahlen der US-Marinestelle NCAGS etwa fünfmal so hoch liegen wie die auf Schiffsortung (AIS) beruhenden; sie vermutet, dass viele Schiffe auf der Südroute kein AIS-Signal senden.

Auch die USA greifen Schiffe an. Das US-Zentralkommando CENTCOM teilte am 5. Oktober mit, seit der Wiederaufnahme der Blockade iranischer Häfen am 14. Juli 130 Handelsschiffe umgeleitet und drei Schiffe außer Gefecht gesetzt zu haben; in den vergangenen zwölf Wochen seien 13 Handelsschiffe zerstört worden, die die Blockade verletzten oder zum Schattennetzwerk der Revolutionsgarde gehörten. Welche Schiffe das waren, nennt CENTCOM nicht, und die IMO-Liste ordnet ihre Fälle keinem Akteur zu. Wie viele der gemeldeten Treffer auf US-Handeln zurückgehen, lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.

Diplomatisch hat sich nichts bewegt. Der Kreml sagte am 10. Oktober laut AFP, Präsident Putin habe US-Präsident Trump in einem Telefonat am Vortag Irans Sicht auf eine mögliche Lösung übermittelt; Inhalt und Reaktion nannte der Kreml nicht. Teheran koppelt die Öffnung der Meerenge an sieben Bedingungen; die G7 hatten zuletzt die Freigabe von Ölreserven beschlossen und die Wiederherstellung der Durchfahrtsrechte verlangt.