Höcke führt AfD-Aufzug in Fürstenwalde an
Am Tag der Deutschen Einheit riefen Teilnehmer in der ostbrandenburgischen Stadt gegen Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Polizei zählt rund 1.500 Menschen bei der AfD, eine Sprecherin der Landespartei 3.500.
Am 3. Oktober 2026 hat die AfD in Fürstenwalde/Spree mit dem thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke an der Spitze gegen die Politik der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz protestiert. Bei einem Aufzug durch die ostbrandenburgische Stadt riefen Menschen nach der dpa in der Süddeutschen Zeitung „Merz muss weg“; sie schwenkten Deutschlandfahnen, begleitet von Trommeln.
Die Polizei, die mit vielen Kräften im Einsatz war, sprach nach derselben Agentur und dem rbb von rund 1.500 Teilnehmern bei der AfD-Veranstaltung. Eine Sprecherin der Landespartei nannte 3.500. Bei der Gegenversammlung gegen Rechts und einem Fest für Vielfalt, nach dem rbb einige Hundert Meter entfernt, schätzte die Polizei rund 500 Menschen. Die Stadt hat rund 34.000 Einwohner.
Vor dem Aufzug sprach Höcke bei einer Kundgebung nach der dpa von einer „Wendestimmung“ nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. „Wir wollen endlich wieder ein normales Volk sein“, sagte der AfD-Landespolitiker, den die Agentur als Rechtsaußen seiner Partei bezeichnet. Er sprach von einer „verrückten Politik“ von Merz und Co.
Zur Debatte um ein AfD-Verbotsverfahren sagte Höcke laut dpa: „Das, was im Augenblick gegen die AfD aufgefahren wird, ist durchaus in die Kategorie Psychoterror einzuordnen.“
Der brandenburgische AfD-Landesvorsitzende René Springer gab für die Landtagswahl 2029 das Ziel von 50 Prozent der Stimmen aus. „44 Prozent reicht eben nicht. Lasst uns 2029 50 holen“, sagte er nach dpa und rbb bei der Kundgebung. Der rbb schreibt, die AfD-Landesspitze in Brandenburg habe am Tag der Einheit ihren Willen zur Übernahme der Regierung erklärt.
In Sachsen-Anhalt war die AfD nach der dpa bei der Landtagswahl am 6. September mit 43,8 Prozent mit Abstand stärkste Kraft geworden, hat aber die absolute Mehrheit verpasst. In Mecklenburg-Vorpommern gewann die Partei nach dem rbb am 20. September mit 38,2 Prozent, ebenfalls ohne absolute Mehrheit.
Am selben Feiertag warnte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Bremen vor einer Spaltung der Republik, ohne eine Partei zu nennen, so der Amtstext der Rede und die Tagesschau.
Hinter dem Banner „Entlastung jetzt“ zogen Höcke und Springer nach der dpa durch die Stadt. Anhänger trugen T-Shirts mit dem Konterfei Höckes und der Aufschrift „Remigration“. Eher vereinzelt waren am Straßenrand Buhrufe und Pfiffe zu hören. Die Polizei hielt Protestierende und AfD-Anhänger auseinander. Die Agentur schreibt, bei der Kundgebung sei unter anderem die rechtsextremistische Jugendgruppierung „Deutsche Patrioten voran“ zu sehen gewesen.
In der Stadt hingen Plakate mit der Aufschrift „Björn ist ein Nazi“. An der Gegenversammlung war nach dem rbb zu lesen „Unsere Heimat ist Bunter“. Pfarrer Kevin Jessa, Versammlungsleiter dort, sagte dem Sender, man habe sich mit Parteien und Vereinen zusammengetan, weil Fürstenwalde für Vielfalt und Offenheit stehen solle und nicht als Hochburg der AfD bekannt werden. Die Linke hatte in der Stadt nach dpa und rbb mit einem Plakat und der Aufschrift „Björn Höcke ist ein Nazi“ für Streit gesorgt; die Staatsanwaltschaft hält es danach nicht für strafbar.
Die Versammlungen blieben nach Angaben der Polizei, wiedergegeben von dpa und rbb, weitgehend störungsfrei. Bei der AfD-Veranstaltung wurden demnach zwei YouTuber angegriffen. Ein 23-Jähriger, der über das Geschehen berichtete, wurde körperlich attackiert und beleidigt, nachdem er einen Menschen gegen dessen Willen gefilmt haben soll. Wenig später wurde ein 24-jähriger YouTuber körperlich attackiert. Die Polizei nahm in beiden Fällen mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz auf.
Ein Sprecher der Polizei schilderte am Sonntag, so der rbb, der 23-jährige YouTuber sei mit Bezug zu den Verbrechen der Nationalsozialisten beleidigt worden. Deshalb werde gegen eine 38 Jahre alte Frau ermittelt. Ihr Begleiter solle den YouTuber geschlagen haben; Zivilkräfte der Polizei gingen dazwischen. Der 23-Jährige erhielt nach dieser Darstellung zum eigenen Schutz und um weiteren Straftaten vorzubeugen die Auflage, den Platz der AfD-Versammlung nicht mehr zu betreten. Der mutmaßliche Angreifer durfte zurück, weil kein „konfrontatives Potenzial“ zu erwarten gewesen sei. Der YouTuber nannte das dem rbb zufolge nicht nachvollziehbar.
Nach der dpa bei n-tv vom 4. Oktober stellte ein Blogger gegen Rechtsextremismus Videoaufnahmen von einem Angriff gegen ihn am Samstag ins Netz. „Das Video ist Gegenstand des Ermittlungsverfahrens, das gucken wir uns an“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Ost. „Wenn Kritik an der polizeilichen Arbeit geäußert wird, wird das zu einer internen Prüfung führen.“ Bei Instagram hieß es nach n-tv: „Der Mann der uns angegriffen hat, darf weiter auf der Veranstaltung sein. Keine Worte dafür!“ Beim zweiten Vorfall während des Aufzugs erstattete der Beschuldigte nach derselben Agentur eine Gegenanzeige wegen Körperverletzung gegen den YouTuber.
Die Süddeutsche Zeitung und der rbb schreiben, sowohl die AfD in Brandenburg als auch die thüringische Landespartei mit Höcke an der Spitze würden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Höcke war nach der dpa wegen des Verwendens einer verbotenen SA-Parole zweimal vom Landgericht Halle verurteilt worden; die Pressestelle des Gerichts teilte am 11. September 2025 mit, die Urteile seien rechtskräftig.