Israel greift laut NNA erneut Orte im Südlibanon an
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Die libanesische Nachrichtenagentur meldet Luftschläge und Artilleriefeuer am Sonntag, obwohl Israel und Libanon im Juni ein US-Rahmenabkommen unterzeichnet haben. Das libanesische Gesundheitsministerium zählt seit dem 2. März 4.386 Tote; eine Stellungnahme der israelischen Armee zu den Angriffen vom Sonntag liegt nicht vor.
GeopolitikIsraelische Kampfflugzeuge und Artillerie haben am Sonntag, dem 11. Oktober 2026, mehrere Orte im Süden des Libanon getroffen. Das berichtet die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA, wie die türkische Agentur Anadolu wiedergibt: Die Flugzeuge bombardierten Kfar Tebnit im Bezirk Nabatieh und Mansouri im Bezirk Tyrus, Artillerie traf Majdal Zoun, in der Nacht lag schweres Feuer auf dem Gebiet zwischen Mayfadoun und Zawtar al-Scharkijeh. Die getroffenen Dörfer liegen nach Angaben von L’Orient Today in oder am Rand der Zone, die Israel im Süden besetzt hält.
Nach Angaben der Zeitung L’Orient Today gab es am Sonntagvormittag vier Luftangriffe: zwei auf Mansouri, je einen auf Talloussa im Bezirk Marjayoun und auf Kfar Tebnit. Das Blatt berichtet außerdem von Sprengungen von Häusern in Byout al-Siyad und Haddatha sowie von neun beschossenen Ortschaften. Ein pensionierter Soldat sei bei Yater von Artilleriefeuer getötet worden, so die NNA laut L’Orient Today; Dorfbewohner machten israelisches Feuer verantwortlich. In Froun starb ein Mann durch die Explosion von Munition, die nach Darstellung des Gemeinderats der israelische Gegner zurückgelassen hatte. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben nicht.
Das libanesische Gesundheitsministerium nennt für die Zeit vom 2. März bis zum 10. Oktober 4.386 Tote und 12.424 Verletzte, bezogen auf die jüngste Eskalation. Seit dem 8. Oktober 2023 zählt es insgesamt 8.953 Tote und 30.660 Verletzte. So gibt es die libanesische Seite Lobnan Al-Yawm wieder; die Mitteilung des Ministeriums selbst konnte nicht abgerufen werden. Anadolu nannte dieselbe Todeszahl schon am 7. Oktober, bei den Verletzten weichen die Angaben der Agentur voneinander ab. Die BBC berichtete im Juli unter Berufung auf das Ministerium von mehr als 4.300 Toten und nannte nach Angaben israelischer Behörden 37 getötete israelische Soldaten und vier getötete Zivilisten.
Das Rahmenabkommen, auf das sich die Meldungen beziehen, unterzeichneten Israel und Libanon am 26. Juni 2026 in Washington; die USA vermittelten. Nach dem Text des US-Außenministeriums verpflichten sich beide Regierungen zu einem schrittweisen Prozess: Die libanesische Armee soll die Staatsgewalt im ganzen Land herstellen, sobald bewaffnete nichtstaatliche Gruppen nachprüfbar entwaffnet sind, und die israelische Armee soll sich dann schrittweise zurückziehen. Zunächst sollen Pilotzonen dienen; zwei erste Zonen seien vereinbart. Das Papier sieht eine gemeinsame Militärkoordinierungsgruppe mit US-Beteiligung vor und hält fest, dass beide Staaten ihr Recht auf Selbstverteidigung behalten. Israel erklärt darin, seine Militäreinsätze seien eine Folge der Angriffe und der Bedrohung durch Gruppen wie die Hisbollah.
Wie weit der Prozess gekommen ist, geht aus mehreren Quellen hervor. Nach der BBC begannen am 21. Juli Einsätze in den Pilotzonen Zawtar al-Gharbijeh, Froun und Srifa; die libanesische Armee rückte in Zawtar al-Gharbijeh ein. Ein israelischer Militärvertreter sagte laut BBC, die Armee bleibe in der Sicherheitszone, solange es nötig sei. Die Hisbollah lehnt das Abkommen nach der BBC ab, weil es den Rückzug an ihre Entwaffnung knüpft. L’Orient Today schreibt, das Projekt stocke seit dem Scheitern von Gesprächen in Rom im August; die Times of Israel nennt den Prozess weitgehend festgefahren, die Gewalt aber seit Juni geringer. Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem sagte nach L’Orient Today am 6. Oktober, seine Organisation sei zur Zusammenarbeit beim staatlichen Waffenmonopol bereit, aber ohne Vorgaben der USA; Zugeständnisse gegen einen Rückzug lehne er ab.
Aus dem Umfeld der Angriffe gibt es weitere Meldungen. Am 9. Oktober griff die israelische Armee nach Angaben der Times of Israel bei Hawsh al-Sayyed Ali im Bezirk Hermel an, nach eigener Darstellung einen aus Syrien stammenden Mann, der im Auftrag Irans Anschläge geplant habe; das libanesische Gesundheitsministerium nannte sechs Verletzte. Die UN-Truppe Unifil meldete am 7. Oktober Beschuss ihrer Stellung bei Kfar Shouba und nannte keinen Schützen, wie Anadolu berichtet; verletzt wurde niemand. Zu den Angriffen vom Sonntag haben sich in den ausgewerteten Berichten weder die israelische Armee noch die Hisbollah geäußert. Die israelische Armee untersucht zudem ein unidentifiziertes Flugobjekt, das am Samstagabend von Libanon aus nach Westgaliläa gelangte, laut Times of Israel ist unklar, was es war.
Parallel bereitet die EU eine Beratungsmission für die libanesischen Sicherheitskräfte vor; die Hintergründe und der Stand vor dem Ratsbeschluss stehen in einem eigenen Beitrag.