Selenskyj bietet erneut Raffinerie-Stopp gegen Ende russischer Energieangriffe an
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Der Schritt soll gegenseitig sein und mit Garantien verbunden werden; ein US-Beamter hält beide Angriffsarten laut Axios nicht für gleichwertig. Die Bundesregierung hatte nach Trumps Dieselabkommen bereits erklärt, an den Russland-Sanktionen festzuhalten.
GeopolitikDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Sonntag, dem 11. Oktober 2026, sein Angebot erneuert, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland seine Schläge gegen die ukrainische Energieversorgung beendet. Jeder Schritt zur Deeskalation müsse gegenseitig sein und durch echte Garantien abgesichert werden, schrieb er in seinem Telegram-Kanal. Ein Stopp der Angriffe auf die Energieversorgung sei schon heute möglich, doch Putin wolle ihn nicht; das ist die Darstellung Selenskyjs. Das Angebot trifft auf eine Forderung aus Washington, die Kiew nicht erfüllen will: einen Verzicht auf die Raffinerieschläge ohne Gegenleistung.
US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag vor dem Weißen Haus gesagt, Selenskyj müsse die Angriffe auf russische Raffinerien einstellen: „He better damn well stop“, zitiert ihn Reuters (über BOE Report). Zugleich legte er der Ukraine nahe, sich einen neuen Präsidenten zu suchen. Einen Tag zuvor hatte Trump ein Dieselabkommen mit Putin verkündet, dessen Folgen für Kiew der Bericht vom Samstag beschreibt.
Neu ist am Sonntag die Wiederholung samt Garantieforderung, nicht der Vorschlag selbst. Schon am 9. Oktober hatte Selenskyj in einem Telegram-Beitrag geschrieben, die Ukraine werde Russlands Ölverarbeitung nicht in Brand setzen, wenn Russland die ukrainische Energieversorgung nicht zerstöre; diese Vereinbarung schlage man den Vereinigten Staaten vor. Nach Axios hatte er das auch Trump und den Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner gesagt. Ein US-Beamter mit direkter Kenntnis, den die Zeitung nicht nennt, sagte Axios, Trump wolle einen einseitigen Stopp, weil die Angriffe zu den hohen Spritpreisen in den USA beitrügen, und halte sie nicht für gleichwertig mit den russischen Schlägen auf das ukrainische Stromnetz. Das ist die Darstellung dieses Beamten.
Die Kyiv Post berichtet unter Verweis auf die Financial Times, ein hoher ukrainischer Beamter habe am Samstag erklärt, die Ukraine werde die Raffinerien weiter angreifen; das ist der Bericht der Zeitung, keine bestätigte Tatsache. Die Schläge gegen russische Ölanlagen beschreibt der frühere Bericht. Nach der Kyiv Post trafen die ukrainischen Streitkräfte in der Nacht zum 10. Oktober die Station Samara bei Proswet erneut; die Zeitung zählt den Schlag als zweiten und rechnet dabei ab dem 7. Oktober, der Generalstab hatte aber schon für die Nacht zum 2. Oktober Schäden an der Station gemeldet. Die Angabe stammt von ukrainischer Seite und ist unabhängig nicht bestätigt.
Eine Antwort Moskaus auf das Angebot vom Sonntag fand sich in den geprüften Quellen bis 13 Uhr nicht. Eine russische Zustimmung zu einem solchen Tausch liegt in den geprüften Quellen nicht vor. Putin sagte am 1. Oktober beim Waldai-Forum, wie die Mitschrift auf kremlin.ru zeigt, ein Vorschlag, dass Kiew die Raffinerien verschone und Moskau dafür Schiffe nicht mehr angreife, ergebe für Russland keinen Sinn: Der Diesel gelange wegen der Sanktionen ohnehin nicht auf den Weltmarkt, und Russland solle dafür auf wirtschaftlich empfindliche Ziele verzichten. Gespräche seien möglich, aber nur auf der Grundlage eines Ausgleichs der Interessen. Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte Trumps Idee einer Energie-Waffenruhe am 15. September nach der Kyiv Post unter Berufung auf RBC eine gute Initiative, nannte aber den Export von Ölprodukten das Hauptproblem. Trump hatte damals auf Truth Social geschrieben, beide Seiten hätten zugestimmt; laut Kyiv Post bestätigte keine Seite eine Vereinbarung.
Die russische Regierung hob am 10. Oktober das Dieselexportverbot teilweise auf; nach ihrer Mitteilung, die TASS wiedergibt, dürfen zunächst 500.000 Tonnen auf den Weltmarkt. Vizepremier Alexander Nowak nannte demnach 300.000 Tonnen im Oktober, 500.000 Tonnen im November und eine Million Tonnen im Dezember. Der Marktbeobachter Kpler schätzt nach der Kyiv Post, dass die russischen Raffinerien derzeit mit etwa 60 Prozent ihrer installierten Kapazität arbeiten; das ist die Einschätzung des Unternehmens.
In Berlin hat Regierungssprecher Stefan Kornelius nach einer Meldung von dpa-AFX erklärt, die Bundesregierung habe die Entscheidung der USA zu russischen Diesellieferungen „zur Kenntnis genommen“. Sie halte an den Sanktionsbeschlüssen gegen Russland fest und arbeite mit den europäischen Partnern an weiteren Sanktionen; die Unterstützung der Ukraine bleibe ungebrochen, die diplomatische Arbeit an einer Friedenslösung werde fortgesetzt. Ein Paket oder einen Termin nannte er in dieser Meldung nicht. Der Newsblog der Süddeutschen Zeitung datiert die Äußerung auf Samstag und stellt fest, Kornelius habe direkte Kritik an Trump vermieden. Zum Angebot Selenskyjs, das erst am Sonntag kam, liegt von der Bundesregierung in den geprüften Quellen nichts vor.
Eine Sprecherin von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte laut dpa-AFX: „Deutschland steht uneingeschränkt zu den Sanktionspaketen.“ Russisches Öl und Ölprodukte seien seit 2023 durch die EU sanktioniert, Deutschland beziehe seitdem keine aus Russland: „Wir sind unabhängig von russischem Öl.“ Ähnlich wie Berlin äußerte sich laut Spiegel die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas: Das Aussetzen der Sanktionen verschaffe Moskau zusätzliche Einnahmen. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien schrieb laut Spiegel zu Trumps Forderung nach einem Machtwechsel in der Ukraine auf X: „Was für ein moralischer Bankrott“.
Aus London kam am Samstag nach der Mitteilung von Downing Street die Forderung, Russland solle einer sofortigen Energie-Waffenruhe zustimmen; Premierminister Andy Burnham und Selenskyj unterstrichen das im Telefonat. Offen bleibt, wer Garantien geben und deren Einhaltung prüfen würde, denn Selenskyjs Beitrag nennt dazu nichts. Ebenso offen ist, ob Washington das Angebot aufgreift: Eine öffentliche Antwort der US-Regierung auf den Sonntagsbeitrag fand sich nicht. Stand ist Sonntag, der 11. Oktober 2026, gegen 13 Uhr (MESZ).