Sicherheitsrat verlängert Darfur-Sanktionen um nur zwei Monate
Ein Waffenembargo für ganz Sudan bleibt aus: Nach Angaben des Security Council Report lehnten neben Russland und China auch Pakistan und die drei afrikanischen Ratsmitglieder eine Ausweitung ab. Die Resolution lässt das Mandat unverändert, Washington hält an dem Ziel fest.
Der UN-Sicherheitsrat hat das Sanktionsregime für Darfur am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, nur um zwei Monate bis zum 11. Dezember verlängert. Waffenembargo, Reiseverbote und Vermögenssperren bleiben damit auf Darfur im Westen des Landes zugeschnitten. Ein von den USA angestrebtes Embargo für das ganze Land fand im Rat keine Einigung, obwohl Armee und paramilitärische RSF seit April 2023 in weiten Teilen Sudans Krieg führen und Drohnen dabei auch Hilfstransporte treffen.
Die Resolution 2830 nahm der Rat nach Angaben des UN-Pressedienstes einstimmig an. Sie verlängert das 2005 mit Resolution 1591 geschaffene Regime, das nach dem Bericht des Dienstes am 9. Oktober ausgelaufen wäre, um zwei Monate und soll Zeit für Verhandlungen über eine Verlängerung der Maßnahmen verschaffen. Al Jazeera berichtet, das Mandat des Expertengremiums, das die Maßnahmen überwacht, laufe bis zum 11. Januar 2027. Die UN bezeichneten den Text demnach als kurzfristige technische Verlängerung, wie schon im September: Damals hatte der Rat die Maßnahmen mit Resolution 2828 am 11. September um einen Monat verlängert.
Über den weitergehenden US-Entwurf stimmte der Rat nach den vorliegenden Berichten nicht ab. Wie der Security Council Report schreibt, bekam dieser Entwurf keinen Konsens; die USA, die das Sanktionsdossier im Rat federführend betreuen, legten stattdessen die zweite kurze Verlängerung vor. Von einem Veto berichtet keine der Quellen. Al Jazeera sagt, Russland und China hätten die Ausweitung abgelehnt. Nach dem Security Council Report standen aber auch Pakistan und die drei afrikanischen Ratsmitglieder (Demokratische Republik Kongo, Liberia, Somalia) gegen den Entwurf: Sie wollten eine schlichte Verlängerung um ein Jahr, beschränkt auf Darfur. The National nennt dieselben Staaten als Widerstand.
Was Washington wollte, beschreibt der Security Council Report in einem Bericht vom 10. September aus dem Verhandlungsstand, mit dem Zusatz „it appears“: Der erste US-Entwurf sah demnach vor, das Embargo auf das gesamte Staatsgebiet und auf alle Parteien auszudehnen und klarzustellen, dass Drohnen samt Dual-Use-Bauteilen darunterfallen. Zudem sollte der Generalsekretär gebeten werden, die Zahl der Experten im Überwachungsgremium zu erhöhen. Später seien Listungskriterien dazugekommen, etwa Angriffe auf Zivilisten oder die Behinderung humanitärer Hilfe. Den ersten Entwurf verteilten die USA laut dem Bericht am 13. August.
Die Fronten waren schon vor der Abstimmung am 8. Oktober sichtbar. Der amerikanische Botschafter Jeff Bartos sagte nach Al Jazeera im vergangenen Monat im Rat: “The current sanctions regime is over 20 years outdated, and is insufficient to address the realities of the war today.” Die stellvertretende russische UN-Botschafterin Anna Evstigneeva sagte nach derselben Quelle: “We will not allow even a hint of broadening the restrictions by the council on Sudan.” Der Security Council Report ordnet diese Worte Russlands der Erklärung zur Abstimmung vom 11. September zu und fasst die chinesische Linie so zusammen, dass zusätzliche Zwangsmaßnahmen die humanitäre Lage verschlechtern oder die Zersplitterung Sudans befördern könnten. Der sudanesische UN-Botschafter Al-Harith Mohamed hält ein Embargo für das ganze Land nach Al Jazeera für unvereinbar mit dem in der UN-Charta verbürgten Recht auf Selbstverteidigung.
Washington gibt den Plan nicht auf. Massad Boulos, Senior Adviser der US-Regierung für arabische und afrikanische Angelegenheiten, schrieb nach The National in einer Mitteilung in den sozialen Medien: “This extension is not a lapse in our resolve.” Die USA hätten der kurzen Verlängerung zugestimmt, um diplomatischen Bemühungen um Waffenruhe mehr Zeit zu geben. Rückhalt gibt es auch außerhalb des Rates: Nach dem Security Council Report sprachen sich die Afrikanische Union, die EU, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die USA am 30. September in einer gemeinsamen Erklärung für “reinforcing the sanctions regime and its application to all of Sudan” aus. Die UN-Untersuchungsmission zu Sudan hatte nach dem Monatsausblick des Security Council Report Anfang September einen Bericht über ausländische Unterstützungsnetzwerke vorgelegt, die die Schlagkraft beider Kriegsparteien stärken, und den Menschenrechtsrat aufgefordert, das Embargo auf ganz Sudan auszudehnen.
Warum der Streit mehr als Verfahren ist, zeigt die Lage vor Ort. Der Security Council Report schildert Drohnenangriffe auf Zivilisten und Hilfstransporte; sein Bericht vom 7. Oktober nennt einen Luftangriff am 3. Oktober auf zwei vom Welternährungsprogramm beauftragte Lastwagen in Südkordofan, bei dem ein Fahrer starb. Nach Angaben des WFP vom 14. September, die der Monatsausblick wiedergibt, leiden 20 Millionen Menschen in Sudan unter akutem Hunger. Das Embargo richtet sich gegen bewaffnete Akteure in Darfur. Ein US-Vertreter sagte bei der Sitzung am 11. September nach dem UN-Sitzungsprotokoll, ein solcher Angriff in Südkordofan habe in einem Landesteil stattgefunden, in dem der Rat keine Mittel zur Reaktion habe. Die Gegner einer Ausweitung betonen nach der Einschätzung des Security Council Report die Souveränität der von Armeechef Abdel Fattah al-Burhan geführten Regierung.
Zur Zahl der Toten kursieren sehr unterschiedliche Angaben, die nicht dasselbe messen. Al Jazeera nennt mindestens 59.000 Tote seit April 2023. Die Zahl stammt, wie AP in einer Übersicht vom April 2026 schreibt, vom Datenprojekt ACLED, und AP weist darauf hin, dass Hilfsorganisationen die tatsächliche Zahl für deutlich höher halten. ACLED zählt nach eigener Erläuterung nur Tote, die als unmittelbare Folge einzelner Gewaltereignisse gemeldet wurden, und versteht seine Zahl als vorsichtigen Mindestwert; Todesfälle durch Hunger oder fehlende medizinische Versorgung erfasst das Projekt nicht. Höhere Schätzungen beziehen solche indirekten Todesfälle ein: Das Center for Strategic and International Studies nennt in einer Auswertung vom April 2026 eine Spanne von 150.000 bis 400.000 Toten durch Gewalt, Hunger oder fehlende Versorgung. Eine Studie im Fachblatt The Lancet schätzte allein für den Bundesstaat Khartum von April 2023 bis Juni 2024 rund 61.202 Tote aller Ursachen, bei einem Konfidenzintervall von 22.286 bis 209.151. Eine gesicherte Gesamtzahl gibt es nicht; die Redaktion nennt deshalb keine.
Die nächste Entscheidung fällt am 11. Dezember, wenn das Regime ausläuft. Der Security Council Report hatte schon vor der Abstimmung geschrieben, die Positionen der Ratsmitglieder seien weitgehend unverändert geblieben und die zusätzliche Zeit habe nicht gereicht, die Gegensätze zu überbrücken. Als Möglichkeit nannte der Report vor dem Votum eine längere Verlängerung ohne inhaltliche Änderung oder einen Kompromiss mit begrenzter Ausweitung; ob bis Dezember einer zustande kommt, ist offen. Der Konflikt hat zudem eine regionale Seite: Äthiopien wirft Sudan vor, die Rebellenallianz in Tigray zu stützen, was Khartum bestreitet. Das ist ein eigenes Thema, über das Äthiopiens Vorstoß in Tigray und der Streit um den Zugang zum Roten Meer berichtet.