Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Syrien schließt Grenzübergang Nassib nach jordanischen Luftangriffen

Amman meldet mehr als 20 getötete IS-Kämpfer, Damaskus sieben Tote. Beide Regierungen wollen einen gemeinsamen Ausschuss bilden.

Syrien hat den Grenzübergang Nassib zu Jordanien am Dienstag geschlossen. Die Generalbehörde für Grenzübergänge und Zoll begründete den Schritt auf X mit der aktuellen Lage und den Entwicklungen vor Ort in der Provinz Daraa; Reise- und Handelsverkehr sind vollständig ausgesetzt. Vorausgegangen waren jordanische Luftangriffe auf Ziele im Süden Syriens am Montagabend. Nassib ist nach Angaben von Al Jazeera der einzige Übergang für Reisende und Waren zwischen beiden Ländern.

Zu den Opfern machen beide Seiten unterschiedliche Angaben. Jordaniens Regierungssprecher und Kommunikationsminister Mohammad al-Momani bezifferte die Verluste der Terrormiliz Islamischer Staat nach Angaben der Staatsagentur Petra auf geschätzt mehr als 20 Kämpfer; zudem sei ein großes Waffenlager zerstört worden. Der Gesundheitsdirektor der Provinz Daraa meldete laut der syrischen Staatsagentur SANA sieben Tote, darunter drei Kinder und eine Frau, sowie drei Verletzte.

Jordanien habe keine Orte angegriffen, an denen nach seinen Informationen Zivilisten waren, und bedauere zivile Opfer, sagte Momani laut Petra. Beide Staaten bildeten einen gemeinsamen Ausschuss, der die Folgen verfolgen und die Zusammenarbeit gegen den IS ausbauen solle.

Das syrische Außenministerium wies die Angriffe in Daraa nach Angaben von SANA scharf zurück: Sie hätten den syrischen Luftraum ohne vorherige Abstimmung verletzt und Todesopfer gefordert. Zugleich werde in direkter Abstimmung mit Amman ein gemeinsamer Ausschuss für Lage vor Ort und Sicherheit gebildet, um solche Übergriffe zu beenden, hieß es in einem weiteren Teil der Erklärung. Die jordanischen Streitkräfte hatten nach Angaben von Al Jazeera erklärt, die Angriffe seien in Abstimmung mit der syrischen Regierung erfolgt. Momani sprach laut Petra von einer seit Jahren laufenden Zusammenarbeit beider Länder gegen Terror sowie Waffen- und Drogenschmuggel.

Auch auf syrischer Seite variieren die Zahlen. Der Zivilschutz barg laut Al Jazeera an vier Orten in den Provinzen Daraa und Suwaida sieben Leichen; fünf der Toten, darunter drei Kinder, gehörten zu einer Familie, deren Zelt im Dorf al-Tai getroffen wurde. Die Agentur Anadolu zitiert die Gesundheitsdirektion von Daraa dagegen mit sechs Toten und vier Verletzten.

Jordanien begründete die Angriffe mit dem Anschlag auf eine Kirche im Gouvernement Karak im Süden des Landes. Bewaffnete hatten dort am Freitag nach Angaben von Al Jazeera und Anadolu neun Trauergäste einer Beerdigung getötet. Das syrische Außenministerium verurteilte den Anschlag laut SANA erneut.