Taiwan meldet 19 chinesische Militärflugzeuge und Drohnen
Washington nannte Chinas Vorgehen östlich der Insel einen Tag zuvor hochgradig destabilisierend. Reuters berichtet von der ersten bekannten Sichtung eines chinesischen Milizboots vor Taiwans Ostküste; taiwanische Beamte deuten das Treiben dort als Übung für eine mögliche Blockade, Peking nennt seine Patrouillen rechtmäßig.
Taiwans Verteidigungsministerium hat am 9. Oktober 2026 nach eigenen Angaben 19 chinesische Militärflugzeuge und Drohnen erfasst, 13 davon über der Mittellinie der Taiwanstraße. Seit 8.52 Uhr habe man die Maschinen nach und nach erfasst; sie hätten gemeinsam mit chinesischen Kriegsschiffen unter dem Etikett einer gemeinsamen Gefechtsbereitschaftspatrouille Taiwans Luft- und Seeraum belästigt, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Betroffen ist zunächst Taiwan, dessen Armee nach eigenen Angaben Flugzeuge und Schiffe entsandte und Küstenraketen in Stellung brachte.
Einen Tag zuvor hatte Washington Chinas Vorgehen östlich der Insel deutlich kritisiert. Ein Sprecher des US-Außenministeriums nannte es auf Anfrage der taiwanischen Nachrichtenagentur CNA hochgradig destabilisierend, wie Focus Taiwan berichtet. Anlass war ein Bericht von Reuters über ein chinesisches Milizboot, das im August dort gesichtet wurde.
Alle Zahlen zur Patrouille stammen aus Mitteilungen des taiwanischen Verteidigungsministeriums. Es nennt keine Zahl der beteiligten Schiffe und führt als Flugzeugtypen J-16, J-11, Su-30, JH-7, KJ-500 und Y-8 auf, dazu Drohnen. Der Tagesbericht für die 24 Stunden bis 6 Uhr am 10. Oktober verzeichnet 21 Flugzeuge, davon 13 über der Mittellinie, sowie 7 Kriegsschiffe und 2 Behördenschiffe. Schon am 6. Oktober hatte das Ministerium in einer Mitteilung eine ähnliche Patrouille gemeldet, mit 14 Flugzeugen und Drohnen, von denen 9 die Mittellinie überquerten.
Das Milizboot ist ein Fund der taiwanischen Firma Apex Aviation. Nach dem Bericht von Reuters, abgedruckt bei der Straits Times, dokumentiert ein Überwachungsbericht der Firma das Fischerboot Minfudingyu 07902 gemeinsam mit einem Küstenwachschiff und einem Forschungsschiff mehr als 30 Seemeilen vor dem Landkreis Hualien. Das war an einem Tag Mitte August; das genaue Datum wollte die Firma aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Reuters nennt es die erste bekannte Sichtung eines solchen Schiffs in diesem Gebiet. Zwei hochrangige taiwanische Beamte bestätigten Reuters unter der Bedingung der Anonymität, dass die drei Schiffe damals in der Nähe Taiwans fuhren. Nach Reuters haben die Behörden das Fischerboot der Seemiliz der Volksbefreiungsarmee zugeordnet. Apex selbst konnte bei dieser Beobachtung nach Reuters weder die Aufgabe der drei Schiffe noch eine Abstimmung zwischen ihnen bestimmen. Taiwans Küstenwache erklärte nach Focus Taiwan, die Schiffe hätten sich außerhalb der Sperrgewässer bewegt.
Beamte in Taipeh vermuten laut Reuters, China übe dort für eine mögliche Seeblockade mit überlappenden militärischen, paramilitärischen und zivilen Mitteln. Taipeh betrachte die Gewässer vor der Ostküste als entscheidend für die Nachschubwege der Verbündeten im Kriegsfall. Das Verteidigungsministerium warf Peking gegenüber Reuters vor, Strafverfolgung und Forschung als Deckmantel zu nutzen, um den Anschein einer tatsächlichen Hoheit zu erzeugen.
Die Kritik aus Washington richtet sich nach dem Bericht von Focus Taiwan gegen Pekings Anspruch auf Hoheitsrechte in Gewässern, die Taiwan seit mehr als 70 Jahren friedlich verwalte. China verschärfe damit die Spannungen und untergrabe die friedliche Lösung, die es angeblich anstrebe. Der Sprecher äußerte sich auf Hintergrundbasis per E-Mail. Er forderte Peking auf, den Druck auf Taiwan zu beenden und mit der gewählten Regierung der Insel zu sprechen. Die Aussage bezieht sich auf die Aktivität östlich Taiwans, nicht auf die Luftpatrouille vom 9. Oktober. Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten des Staatsrats und das Verteidigungsministerium in Peking antworteten laut Reuters nicht auf Anfragen zur Sichtung.
Pekings Haltung zu den Patrouillen im Osten stammt aus dem Juni und Juli. China hatte damals Küstenwachschiffe zu einem besonderen Einsatz zur Durchsetzung des Seeverkehrsrechts östlich der Insel geschickt. Dabei seien 198 Schiffe überprüft und bei dreien Verstöße korrigiert worden, gab China laut Straits Times nach Reuters an. Zhang Han, Sprecherin des Taiwan-Büros, nannte die Patrouillen rechtmäßig und notwendig. Außenamtssprecher Guo Jiakun sprach nach der Straits Times von einer legitimen Ausübung von Hoheitsgewalt. Am 29. Juli bezeichnete Taiwan-Büro-Sprecher Chen Binhua eine Fischereiuntersuchung eines Forschungsschiffs der Chinesischen Akademie der Fischereiwissenschaften östlich der Insel vom 17. bis 23. Juli als völlig rechtmäßig; sie diene dem Überblick über die Fischbestände in Gewässern unter chinesischer Hoheit, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Taiwan bestreitet jeden chinesischen Anspruch auf Hoheit über diese Gewässer.
Im Juni äußerten sich Großbritannien, Frankreich, Deutschland und die USA besorgt über die chinesischen Aktivitäten dort, schreibt Reuters. Trump hat das neue Waffenpaket über 14 Milliarden Dollar für Taiwan nach demselben Bericht noch nicht genehmigt. Ein hoher Regierungsbeamter sagte Bloomberg zufolge anonym, Trump werde recht bald darüber entscheiden, wie die Taipei Times berichtet.