Donnerstag, 22. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

USA und Israel planen laut New York Times neue Iran-Angriffe

Laut New York Times bereiten beide Armeen eine kurze, intensive Operation nach der Kongresswahl am 3. November vor. Wahrscheinliche Ziele wären Energie- und Atomanlagen sowie Raketen- und Drohnenarsenale. Trump hat neuen Angriffen bislang nicht zugestimmt.

Die Streitkräfte der USA und Israels haben laut New York Times konkrete Pläne für neue Angriffe auf Iran nach den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November ausgearbeitet. Ob Präsident Donald Trump neuen Angriffen zustimmt, ist nach dem Bericht offen. Die Zeitung beruft sich auf US-Beamte und weitere mit den Beratungen vertraute Personen, die anonym blieben, und veröffentlichte den Bericht am Mittwochabend Washingtoner Zeit. Geplant sei eine kurze, aber intensive Operation, heißt es in dem Bericht, den das Portal DNYUZ wiedergibt und die israelische Zeitung Haaretz zusammenfasst.

Als wahrscheinliche Ziele nennt das Blatt Irans Energieinfrastruktur, Atomanlagen sowie Raketen- und Drohnenarsenale. Raffinerien und Ölanlagen sollen nach Angaben einiger Beamter verschont bleiben, weil Trump noch höhere Benzinpreise vermeiden will. Beide Armeen arbeiten demnach an Plänen gegen das iranische Atomprogramm; dazu könnte ein Angriff auf die tief verbunkerte Anlage Pickaxe Mountain gehören. Die Übungen wurden verstärkt, Kampfflugzeuge trainieren Angriffsmanöver über dem Irak. Verteidigungsminister Pete Hegseth beriet nach Angaben von US-Beamten in dieser Woche mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Israel über neue Schläge.

Für den Termin nach der Wahl nennt die Zeitung mehrere Gründe. Der volle US-Verband mit drei Flugzeugträgern, Tausenden Marineinfanteristen, Kampfjets und Spezialkräften stehe erst Anfang November bereit; dann würden auch die Nächte über Iran länger, und das Militär greife bevorzugt im Dunkeln an. Trump hatte Anfang Oktober zugesagt, Iran vor den Zwischenwahlen nicht anzugreifen. Eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass er noch im Oktober losschlägt, sehen die Beamten der NYT zufolge dennoch. Einige US-Planer seien überzeugt, dass ein dreitägiger Feldzug genug wirtschaftlichen Schaden anrichten könne, um Teheran zum Einlenken zu bewegen.

Beschlossen ist nach dem Bericht nichts. Trump habe in diesem Jahr mehrfach Pläne für eine Rückkehr zu großen Kampfhandlungen gestoppt, zuletzt Anfang Oktober, als beide Armeen kurz vor dem Angriff standen; darüber hatte zuvor auch die Financial Times berichtet. Ein Beamter des Weißen Hauses sagte der NYT, die Regierung äußere sich nicht zu Militärplänen, die es geben könne oder auch nicht, und Trump halte alle Optionen offen, damit Iran keine Atomwaffen erlange. Die stellvertretende Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, hatte der Financial Times nach Angaben von Iran International vom 21. Oktober gesagt, die USA würden Iran vor den Zwischenwahlen nicht angreifen.

Trump selbst sagte am Mittwochabend auf einem Flugplatz vor Journalisten, die USA verhandelten nicht mit Iran, und es werde sehr bald auf die eine oder andere Weise etwas geschehen, berichtet Haaretz unter Berufung auf die Korrespondentin Libbey Dean vom Sender NewsNation. Die meisten erwarteten das nach den Wahlen, fügte er hinzu, ohne zu sagen, welche er meinte.

Erschwert werden könnten die Pläne durch die israelische Parlamentswahl am 27. Oktober. Verliert Netanjahu, führt er nur noch eine Übergangsregierung und könnte nach Einschätzung von Fachleuten, die die NYT zitiert, kaum einen Krieg beginnen. Am Mittwoch hatte er Armee und Mossad nach Angaben seines Büros angewiesen, das Regime in Teheran zu stürzen. Iranische Vertreter kündigen nach dem Bericht an, im Fall neuer Angriffe auch Rechenzentren und Unterseekabel ins Visier zu nehmen. Mahdi Mohammadi, ein Berater des iranischen Unterhändlers Mohammad Bagher Ghalibaf nannte die Vorstellung, die USA könnten eine weitere Angriffsrunde binnen 72 Stunden beenden, laut NYT eine Fantasie.