Wagenknecht nennt Dinner von BSW und AfD in Magdeburg „völlig daneben“
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Die Zahl von 25 anwesenden Abgeordneten stammt vom Veranstalter Compact. BSW-Vizefraktionschefin Wittig räumt einen Fehler ein und will weiter nach Mehrheiten im Landtag suchen.
DeutschlandSahra Wagenknecht verurteilt ein gemeinsames Abendessen von BSW- und AfD-Abgeordneten in Magdeburg. „Gemeinsame Dinner sind völlig daneben“, sagte die BSW-Gründerin dem Spiegel (Bericht vom 11. Oktober 2026, 18.31 Uhr). Zur Eröffnung seines TV-Studios am 8. Oktober eingeladen hatte das Magazin Compact, das der Spiegel als rechtsextrem bezeichnet; nach Compacts Darstellung ging die Einladung an alle Landtagsabgeordneten von BSW und AfD.
Claudia Wittig, stellvertretende Vorsitzende der BSW-Landtagsfraktion, räumt nach dem Spiegel einen Fehler ein. Es sei unklug gewesen, nach der Studioeröffnung zum Essen zu bleiben; der Eindruck politischer Nähe, den die Fotos vermittelten, sei falsch. Sie werde aber weiter mit allen im Landtag vertretenen Parteien sprechen und „Mehrheiten für vernünftige Positionen suchen und nutzen“. Wagenknecht sagte dem Spiegel, mit allen im Landtag vertretenen Parteien zu reden sei richtig. Einen Tag zuvor hatte Wittig auf X geschrieben, Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten könnten zusammen essen und auch ein Glas Wein zusammen trinken.
Die Zahl 25 stammt von Compact selbst. Chefredakteur Jürgen Elsässer schrieb am 9. Oktober auf X, „25 Abgeordnete erwiesen uns die Ehre (alle fünf vom BSW, 20 von der AfD)“; die Fotogalerie des Magazins vom selben Tag wiederholt das. Das ist die Angabe eines Veranstalters, der nach eigener Ankündigung die Wochen bis zur Wahl Ulrich Siegmunds zum Ministerpräsidenten mit Reportagen begleiten will. Die AfD-Fraktion hat nach der Sitzverteilung der Landeswahlleiterin 39 Abgeordnete; 20 wären etwas mehr als die Hälfte. t-online (11. Oktober) nennt alle fünf BSW-Abgeordneten als Gäste und von der AfD Landtagspräsident Tobias Rausch und Fraktionschef Oliver Kirchner, ohne eine Quelle dafür anzugeben und ohne eine AfD-Zahl. Eine Äußerung der AfD-Fraktion oder der BSW-Fraktion zur Zahl nennen weder der Spiegel noch t-online.
BSW-Bundesvorsitzender Fabio De Masi schrieb am 9. Oktober auf X, es dürfe „nicht der Eindruck der Kumpanei oder einer privilegierten Partnerschaft entstehen“. Das Dinner nennt er in dem Beitrag nicht.
Warum die fünf Stimmen zählen, zeigt die Sitzverteilung. Die Landeswahlleiterin weist der AfD 39 der 83 Sitze zu, der CDU 15, SPD, Grünen und Linken je acht, dem BSW fünf. Die absolute Mehrheit liegt nach dem Landtag bei 42 Abgeordneten. Die AfD braucht also drei Stimmen mehr; die vier anderen Fraktionen ohne das BSW kommen zusammen auf 39. Beide Lager liegen ohne das BSW unter 42.
Für den Ministerpräsidenten gilt nach Artikel 65 Absatz 2 der Landesverfassung in den ersten beiden Wahlgängen die Mehrheit der Mitglieder. Scheitert auch der zweite, beschließt der Landtag binnen vierzehn Tagen über die vorzeitige Beendigung der Wahlperiode; findet sich dafür keine Mehrheit der Mitglieder, genügt im weiteren Wahlgang die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Das BSW plant nach t-online (10. Oktober) bei dieser Wahl Enthaltung. De Masi erwartet in seinem Beitrag, dass Siegmund „mit Überläufern der CDU zum Ministerpräsidenten gewählt wird“, und fordert das BSW auf, beim Haushalt in der Opposition zu stehen. Ob Wittig die Ministerpräsidentenwahl zu den Mehrheiten zählt, die sie nutzen will, sagt sie im Spiegel nicht.
Das BSW hatte schon die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten Rausch zugesagt; dazu der Bericht AfD stellt in Sachsen-Anhalt Landtagspräsident und Vizepräsident und die Vorschau AfD will in Magdeburg mit BSW-Stimmen den Landtagspräsidenten stellen.