Audi verteidigt Döllners Auftritt mit Trump gegen Kritik aus der Politik
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SPD-Generalsekretär Klüssendorf spricht laut tagesschau von einem Skandal, auch der CDU-Arbeitnehmerflügel und Niedersachsens Ministerpräsident Lies gehen auf Distanz. Der Autobauer verweist auf sein geplantes Werk in Georgia.
DeutschlandAudi verteidigt den Auftritt seines Vorstandschefs Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump. Eine Delegation des Unternehmens sei in Georgia gewesen, um die Verhandlungen über das geplante Werk voranzubringen, und dabei gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten öffentlich vorzustellen, erklärte der Autobauer in einer Stellungnahme auf seiner Website. Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, sei ausschließlich im Interesse des Unternehmens gefallen. Zugleich räumt Audi ein, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen worden sei; das nehme man sehr ernst.
Döllner war nach einem Bericht der tagesschau am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner mit Trump aufgetreten. Die VW-Tochter will nach eigenen Angaben in Georgia rund 4 Milliarden Dollar in ihr erstes Werk in den USA investieren und etwa 4.500 Arbeitsplätze schaffen; Baubeginn soll 2027 sein, die Produktion Anfang der 2030er Jahre anlaufen. In der Stellungnahme begründet Audi den Schritt damit, dass das eigene Geschäft im zweitgrößten Premiummarkt der Welt derzeit nicht profitabel sei und eine Fertigung vor Ort Handels- und Währungsrisiken verringere. Ein stärkeres US-Geschäft sei keine Entscheidung gegen Deutschland.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach laut tagesschau im Onlinedienst Instagram von einem „Skandal“. Döllner belohne „die Zollpolitik von Donald Trump noch mit Wahlkampfhilfe und Werksneubau“, während der VW-Konzern in Deutschland Stellen abbauen wolle. „Das muss innerhalb des VW-Konzerns Konsequenzen haben.“ Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, sagte dem Handelsblatt, Trump schade mit seiner Politik „massiv der deutschen Industrie, auch der Automobilindustrie“. Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen müssten sich nun klar positionieren, wenn ihre Ethik- und Compliance-Regeln mehr sein sollten als „eine Mischung aus Management-Kalenderblattsprüchen und Wandtattoos“.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hält die Entscheidung für ein Werk in den USA laut tagesschau für möglicherweise „strategisch richtig“, eine Wahlkampfveranstaltung sei aber „nicht der richtige Ort“, eine solche Investition zu verkünden. Das Land hält 20 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Zuvor hatten VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner Döllner vorgeworfen, gegen die eigenen Unternehmensregeln verstoßen zu haben, die nach Cavallos Darstellung öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Parteien und Politikern untersagen. Linken-Chef Luigi Pantisano forderte laut dem Bericht im Portal t-online Döllners Rücktritt, Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) verlangte Auskunft über die Zukunft des Audi-Werks Neckarsulm.
Özdemir verband seine Kritik nach einer Meldung der dpa, wie sie die Badische Zeitung verbreitet, mit einer Forderung an den Standort Deutschland. „Guter Stil sieht anders aus“, sagte er über Döllners Auftritt. „Gleichzeitig müssen wir uns in Deutschland fragen, warum Milliardeninvestitionen in den USA attraktiver sind als bei uns.“ Trump wolle mit seiner Zollpolitik Arbeitsplätze und Investitionen aus Europa in die USA ziehen. Das Audi-Werk in Neckarsulm mit mehr als 15.000 Beschäftigten steht laut dpa wegen der VW-Krise und der Sparpläne auf der Kippe; bis Ende Juni 2027 soll der Standort ein neues Konzept vorlegen.