Regierung nimmt Spähwarnungen für iPhones von Abgeordneten ernst
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Regierungssprecher Kornelius hält kompromittierte Geräte für möglich. Warnungen erhielten laut SPIEGEL auch Teilnehmer der Asienreise des Kanzlers.
SicherheitspolitikMehrere Bundestagsabgeordnete und weitere Personen des öffentlichen Lebens haben seit dem 29. Oktober auf Apple-Geräten eine Warnung vor einem Angriff mit kommerzieller Spähsoftware erhalten. Das teilt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in einem Hinweis mit. Ob die Benachrichtigungen tatsächliche Kompromittierungen bedeuten oder nur auf Angriffsversuche hinweisen, ist dem Amt nach eigenen Angaben nicht bekannt. Das BSI hatte die Abgeordneten mit einem Schreiben vom 30. Oktober informiert.
Die Bundesregierung nimmt den Vorfall und die Warnung sehr ernst, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag in der Regierungspressekonferenz. Die Empfehlungen des BSI seien früh öffentlich gemacht worden, weil davon auszugehen sei, dass Geräte kompromittiert sein können. Die Behörden ermittelten mit Hochdruck die Hintergründe und unterstützten die Betroffenen. Welche Regierungsmitglieder oder ob der Kanzler betroffen seien, könne er wegen des Ermittlungsstands derzeit öffentlich nicht sagen, erklärte Kornelius.
Ein Ministeriumssprecher ergänzte in der Pressekonferenz, Ausmaß und Hintergründe seien Gegenstand laufender Untersuchungen. Eine Apple-Warnung sage allein noch nichts darüber, ob ein Gerät tatsächlich kompromittiert sei oder ein Verdachtsfall vorliege.
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte ZDFheute: „Das ist etwas, was wir natürlich mit Sorge zur Kenntnis nehmen. Und das ist etwas, was leider schon mal vorkommt.“ Der Vorgang sei noch in Prüfung.
Warnungen auch für Teilnehmer der Asienreise
Apple schickte die Warnungen laut SPIEGEL auch an Teilnehmer der jüngsten Asienreise von Bundeskanzler Friedrich Merz, wie die türkische Agentur Anadolu unter Berufung auf das Magazin berichtet. Betroffen seien mehrere Begleiter des Kanzlers bei den Besuchen in Singapur, Japan und Südkorea, außerdem Mitarbeiter von Bundesministerien und Journalisten.
Das BSI empfiehlt Betroffenen, sofort das Betriebssystem zu aktualisieren, sofern keine forensische Analyse geplant ist, und den Blockierungsmodus zu aktivieren. Der Blockierungsmodus erschwere neue Angriffe, beseitige aber keine bestehende Infektion. Laut ZDFheute rät die Behörde zudem zu einem neuen Gerät mit neuer Rufnummer, ohne das vollständige Backup aufzuspielen.
Stand vom 1. November
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Bundestagsabgeordnete und Mitglieder der Bundesregierung laut ARD vor einem möglichen Angriff mit Spähsoftware auf ihre iPhones gewarnt. Nach einem Schreiben des BSI, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, erhielten iPhones seit dem 29. Oktober eine Bedrohungsbenachrichtigung von Apple, wonach ein Angriff mit sogenannter Söldner-Spyware erkannt worden sei (tagesschau). Welche Politiker die Hinweise erhielten, ist laut ARD nicht öffentlich bekannt; eine Zahl betroffener Geräte nennt der Bericht nicht.
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) bestätigte im ARD-Bericht aus Berlin, dass es eine Meldung von Apple gebe, wonach bestimmte Geräte möglicherweise mit Spyware kompromittiert worden seien. Das BSI habe schnell reagiert und alle Betroffenen schriftlich informiert. Weitere Angaben machte er nicht.
Ob ein Angriff gelang, ist offen
Aus der Apple-Benachrichtigung geht laut ARD-Bericht nicht hervor, ob ein Angriff erfolgreich war. „Über den konkreten Anlass und die Hintergründe der Benachrichtigungen liegen uns derzeit keine näheren Informationen vor“, schreibt das Amt laut tagesschau. Es empfiehlt Betroffenen, „vorsorglich davon auszugehen, dass das Gerät kompromittiert sein kann“. Angreifer könnten mit solcher Software auf Nachrichten einschließlich verschlüsselter Messenger, auf Anrufe, Kontakte, Kalender und Standort zugreifen sowie Mikrofon und Kamera einschalten.
Wildberger sagte laut dpa, es sei „rein spekulativ, um was es sich hier konkret handelt, das muss man jetzt abwarten“ (Tagesspiegel). Einen KI-Angriff halte er nicht unbedingt für die Ursache, da es Spyware auf Telefonen schon länger gebe. „Das ist trotzdem etwas, was natürlich uns sehr besorgt.“
Apple nennt keine Angreifer
Apple bezeichnet seine Bedrohungsbenachrichtigungen auf seiner Support-Seite als sehr zuverlässige Warnungen, dass ein Nutzer persönlich Ziel eines Angriffs mit Söldner-Spyware ist. Den Grund einer Benachrichtigung nennt der Konzern nicht, weil Angreifer sonst ihr Vorgehen anpassen könnten, und er ordnet Angriffe keinen bestimmten Angreifern oder Regionen zu. Solche individuell ausgerichteten Angriffe werden laut Apple historisch mit staatlichen Akteuren in Verbindung gebracht, einschließlich privater Anbieter wie der NSO Group mit ihrer Software Pegasus. Seit 2021 hat Apple nach eigenen Angaben Nutzer in mehr als 150 Ländern benachrichtigt; Betroffenen empfiehlt das Unternehmen unter anderem den Blockierungsmodus.