Donnerstag, 22. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Bundeswehr übertrifft erstmals ihr gesetzliches Aufwuchsziel

Wer den Wehrdienst-Fragebogen ignoriert, muss nun mit bis zu 250 Euro Bußgeld rechnen. Anträge auf Kriegsdienstverweigerung erreichen laut Funke-Zeitungen schon fast das Vierfache des Vorjahres.

Die Bundeswehr hat Anfang Oktober mehr als 190.000 Soldatinnen und Soldaten gezählt und damit erstmals den gesetzlich vorgegebenen Aufwuchskorridor von 186.000 bis 190.000 überschritten. Das teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit. Zum Jahresende erwartet das Ministerium eine Stärke weit oben im Korridor oder darüber. Zum Stichtag 30. September dienten rund 186.200 aktive Soldaten, etwa 4.500 mehr als ein Jahr zuvor; die Bewerbungen stiegen auf 58.700, ein Plus von 29 Prozent, die Einstellungen um 15 Prozent auf 18.700.

Seit Oktober leitet die Bundeswehr Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Männer ein, die den Fragebogen zur Wehrerfassung auch nach Erinnerungsschreiben und Nachfrist nicht beantwortet haben. Das Bußgeld kann nach Angaben des Ministeriums bis zu 250 Euro betragen, die Pflicht zur Antwort bleibt bestehen. Von rund 253.000 angeschriebenen Männern antworteten etwa 96 Prozent fristgerecht. Rechnerisch könnten damit rund vier Prozent oder etwa 10.000 Männer von Verfahren betroffen sein, schreibt die Welt am Mittwoch.

Zugleich steigt die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung deutlich. Beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben gingen von Januar bis Ende September 14.977 Anträge ein, fast viermal so viele wie im gesamten Jahr 2025 mit 3.879 Anträgen, wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Samstag unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde berichteten (epd). Die Welt nennt am Mittwoch dieselbe Zahl unter Berufung auf die Süddeutsche Zeitung; demnach widerriefen zugleich 611 Menschen eine frühere Verweigerung. Über die Entwicklung im Sommer berichtete Aussenlage hier.