Freitag, 9. Oktober 2026


Außenlage

Sicherheitspolitik

Burnham bietet Deutschland Beteiligung am Kampfjetprogramm GCAP an

Beim Antrittsbesuch im Kanzleramt setzten der britische Premier und Bundeskanzler Merz den Kensington-Vertrag in Kraft. Das deutsch-französische Kampfjetprojekt war im Sommer gescheitert.

Der britische Premierminister Andy Burnham hat Deutschland am 8. Oktober 2026 die Beteiligung am Global Combat Air Programme angeboten. Er unterbreitete das Angebot Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Antrittsbesuch im Kanzleramt. Getroffen wird die deutsche Luftwaffe: Nach dem Aus des deutsch-französischen Kampfjetprojekts FCAS im Juni sucht Berlin einen Nachfolger für die Zeit nach dem Eurofighter.

Burnham sagte vor der Presse, er habe dem Kanzler vor dem Austausch der Ratifikationsurkunden die britische Offenheit für einen deutschen Einstieg signalisiert. „Das ist etwas, das wir in der kommenden Zeit vorantreiben möchten“, erklärte er laut der Tagesschau. Die dpa gibt den englischen Wortlaut wieder: Er wolle das in der kommenden Zeit mit den Partnern Italien und Japan voranbringen.

GCAP ist das gemeinsame Kampfflugzeugprogramm Großbritanniens, Italiens und Japans. Die Deutsche Welle schreibt, das Muster solle langfristig die japanischen F-2 sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen. Das japanische Verteidigungsministerium vermerkt, die drei Gründerstaaten hätten im Juli Kanada als Beobachter aufgenommen.

Das deutsch-französische Future Combat Air System beendeten Merz und Präsident Emmanuel Macron im Juni. Die Tagesschau berichtete damals aus Regierungskreisen, Dassault und Airbus hätten sich nicht geeinigt; Merz habe Macron nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht weiterzuverfolgen.

In der vom Kanzleramt veröffentlichten Mitschrift spricht Merz vom Kensington-Vertrag, von Visaerleichterungen für Schüler und Studenten und von einem historischen Tag. Das GCAP-Angebot kommt in dieser Mitschrift nicht vor. Die gemeinsame Erklärung von Bundesregierung und Downing Street listet die Ratifikation, eine Partnerschaft gegen hybride Bedrohungen, Weltraum, Quantentechnologie und einen industriellen Tech-Korridor, nicht aber GCAP.

Die Regierungschefs tauschten im Kanzleramt die Ratifikationsurkunden des Vertrags über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit aus. Nach Artikel 30 des am 17. Juli 2025 in London unterzeichneten Vertragstexts tritt der Vertrag mit diesem Austausch in Kraft. Unterzeichnet hatten ihn Merz und Burnhams Vorgänger Keir Starmer. Merz sagte laut Kanzleramt: „Dieser Vertrag eröffnet Großbritannien und Deutschland neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit.“ „Nachdem Großbritannien die Europäische Union leider verlassen hat, machen wir jetzt wenigstens bilateral einen Vertrag.“

Burnham nannte Deutschland laut Tagesschau einen der engsten Partner. In herausfordernden Zeiten brauche man Zusammenarbeit von höchster Güte. Die BBC gibt ihn mit dem Satz wieder, der Vertrag werde die Sicherheit in Europa verbessern, die Wirtschaft wachsen lassen und den Lebensstandard heben. Der Besuch war seine erste Reise als Premier in ein EU-Land; zuvor war er in der Ukraine und in den Vereinigten Staaten.

Beide Seiten vereinbarten laut der gemeinsamen Erklärung, hybride Bedrohungen gemeinsam zu beobachten, abzuschwächen und zu bekämpfen, darunter Angriffe auf kritische Infrastruktur. Die britische Regierung hatte vor dem Termin mitgeteilt, die hybride Bedrohung durch Gegner, „insbesondere Russland“, erstrecke sich über Europa; das gibt die Tagesschau wieder. Burnham sagte, beide Länder seien regelmäßig damit konfrontiert, „und es ist sinnvoll, diesen Bedrohungen gemeinsam zu begegnen“.

Die FAZ stellt den Besuch in eine Reihe mit dem Drohnenanschlag in Leipzig, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht, und dem Terrorverdacht am britischen Stützpunkt RAF Fairford, von dem aus amerikanische Bomber geflogen waren.

Die Luftwaffe rüstet derzeit F-35A und Eurofighter weiter auf. Der Haushaltsausschuss billigte im September weitere Lenkflugkörper für beide Muster. GCAP zielt auf die Generation danach.