Ersatzteillager der Bundeswehr liefert laut WiWo kaum noch aus
https://www.aussenlage.de/artikel/ersatzteillager-der-bundeswehr-liefert-laut-wiwo-kaum-noch-aus
Laut WiWo bremsen Fehler in einer neuen Lagersoftware in Wolfhagen die Instandsetzung von Panzern und Militärfahrzeugen. Einem Instandsetzer droht Kurzarbeit.
SicherheitspolitikDie Zentrale Ersatzteillogistik der Bundeswehr (ZEBEL) kann die Truppe laut einem Bericht der WiWo vom Freitag seit mehreren Wochen kaum noch mit Ersatzteilen versorgen. Mehrere Beteiligte bestätigten der WirtschaftsWoche Schwierigkeiten und Verzögerungen am im Juni neu bezogenen Standort in Wolfhagen bei Kassel; sie machen Fehler in einer neu eingeführten Lagersoftware verantwortlich. Das Lager ist nach dem Bericht die wichtigste Verbindungsstelle zwischen Heer und Industrie für Material zur Instandsetzung von Panzern und Militärfahrzeugen.
Nach Angaben eines Beteiligten fielen früher rund 100 Fehlermeldungen im Jahr an, inzwischen bis zu 1.000 am Tag. Die Belieferung mit Ersatzteilen für Panzer und Fahrzeuge sei nach diesen Angaben effektiv unterbrochen; was noch geliefert werden kann, wird laut WiWo streng nach Empfängern priorisiert. Betrieben wird ZEBEL seit der Jahrtausendwende von der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, die Hensoldt 2024 übernommen hat; im Juni zog das Zentrallager von Kassel in ein neues, von Hensoldt gemietetes Logistikzentrum in Wolfhagen.
Der ZEBEL-Betreiber Hensoldt verweist laut WiWo auf den Umzug: Man ziehe erst seit Juni in den neuen Standort ein. „In dieser Phase priorisieren wir Übungsvorhaben, eng abgestimmt mit dem öffentlichen Auftraggeber“, heißt es in einer Stellungnahme, die das Blatt zitiert. Auf die Frage nach technischen Problemen ging das Unternehmen demnach nicht ein. Das Verteidigungsministerium hat auf eine Anfrage der WirtschaftsWoche bislang nicht geantwortet.
Hensoldt beziffert die Erfüllungsquote seit Programmbeginn auf 98 Prozent, wie der Merkur unter Berufung auf die WirtschaftsWoche berichtet. Beteiligte halten dem demnach entgegen, dass bei einem Systemausfall auch priorisierte Aufträge nicht abgearbeitet werden könnten. Die Quote steht bereits in Hensoldts Mitteilung zur Eröffnung des Standorts vom 25. Juni; dort bezieht sie sich auf die gesamte Laufzeit von ZEBEL seit dem Pilotprojekt 1999. Der Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, Generalmajor Jochen Deuer, hob sie nach der Mitteilung als einzigartige Zahl hervor. Nach dieser Mitteilung ist Hensoldt Mieter des Logistikzentrums und übernimmt dort die Lagerung ausgewählter Ersatz- und Austauschteile für die Bundeswehr. Den Betriebsbeginn in Wolfhagen hatte das Unternehmen für Anfang September angekündigt.
Bei Instandsetzern wie der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) leeren sich nach dem Bericht die Bestände. Normalerweise kommen angeforderte Teile in höchstens zwei Tagen an; läuft der Zufluss nicht binnen zwei Wochen wieder an, droht laut Unternehmenskreisen rund 150 Beschäftigten am Standort Kurzarbeit. Branchenweit könnten schätzungsweise rund 500 Arbeitsplätze bei Instandsetzungsdienstleistern betroffen sein. Teile bis zu einem Wert von 1.000 Euro dürfen die Betriebe selbst beschaffen, spezialisierte militärische Komponenten sind auf dem freien Markt aber kaum kurzfristig zu bekommen.
Unter hochrangigen Soldaten des Heeres ist laut WiWo von einer „totalen Katastrophe mit negativen Auswirkungen für die Einsatzbereitschaft“ die Rede. Mindestens bis Jahresende könne nahezu kein Fahrzeug mehr instandgesetzt werden, sofern nicht andere Systeme als Teilespender ausgeschlachtet würden. „Wir werden im November eine mehr als kritische Abbruchkante für unser Material erleben, mit täglichen Ausfällen von Fahrzeugen“, heißt es in Gesprächen mit dem Blatt. Die Störungen seien zudem erst nach mehreren Wochen nach oben eskaliert worden.