Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Europäischer Gaspreis steigt laut Euronews erstmals seit 2022 über 100 Euro

Der Iran-Krieg verknappt laut Euronews das Flüssiggas, die Speicher sind schwächer gefüllt als vor einem Jahr. Die EU-Energieminister beraten über Entlastungen, Brüssel schließt eine Rückkehr von Nord Stream aus.

Der europäische Referenzpreis für Erdgas ist laut Euronews erstmals seit Dezember 2022 über 100 Euro je Megawattstunde gestiegen. Der Frontmonatskontrakt am niederländischen Handelspunkt TTF notierte am Mittwoch um 16 Uhr MEZ bei 100,37 Euro, ein Plus von mehr als 4 Prozent gegenüber dem Vortag, wie der Sender berichtet. Vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar lag der Preis demnach bei rund 32 Euro, der Rekord vom August 2022 bei etwa 340 Euro.

Hintergrund ist nach dem Bericht die Störung der Flüssiggaslieferungen durch den Krieg, vor allem aus Katar. Über den Sommer erreichte die EU laut der Energieregulierungsagentur ACER fast kein katarisches LNG; die USA liefern inzwischen rund 30 Prozent des Gases. Die Gasspeicher in der EU waren am 21. Oktober zu 75 Prozent gefüllt, deutlich unter dem üblichen Ziel von 90 Prozent zum 1. November. Vor einem Jahr lag der Füllstand laut RTÉ bei 83 Prozent. Die Mehrkosten des Kriegs für Europas Gasimporte schätzt ACER auf 18 bis 33 Milliarden Euro.

Jørgensen warnt vor schwerem Winter

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sprach am Mittwoch in Brüssel nach einem Treffen mit Raffineriebetreibern von einer neuen Energiekrise und einem schwierigen Winter für Bürger und Wirtschaft. Die Lage sei sehr ernst, sagte er laut RTÉ; ein Versorgungsproblem zeichne sich zwar nicht ab, entscheidend sei aber auch die Bezahlbarkeit. Die Kommission erwartet nach Angaben von Euronews einen bis weit ins Jahr 2027 knappen Dieselmarkt und will die Produktion europäischer Raffinerien steigern, laut RTÉ unter anderem durch gelockerte technische Vorgaben. Schon Anfang Oktober hatten Analysten vor knappen Gasspeichern im Winter gewarnt.

Energieminister beraten über Strompreise

Die Energieminister der EU-Staaten wollen laut RTÉ über die Versorgungssicherheit vor dem Winter beraten. Auf der Tagesordnung steht auch ein Vorschlag der Kommission, Stromrechnungen über Reformen bei Steuern und Netzentgelten zu senken, etwa indem Strom niedriger besteuert wird als Erdgas.

Brüssel schließt Nord Stream aus

Eine Rückkehr russischen Gases über Nord Stream nach dem Ende des Ukraine-Kriegs lehnt die Kommission ab, wie Euronews berichtet. Chefsprecherin Paula Pinho verwies auf die Kosten der Abhängigkeit von Russland. Energiesprecherin Anna-Kaisa Itkonen sagte demnach, das geltende Gesetz zum Ausstieg aus russischem Gas und LNG sei weder an Sanktionen noch an geopolitische Ereignisse gebunden; die letzten Lieferungen sollten bis Ende 2027 auslaufen, Pipelinegasverträge bis September 2027. Damit stellt sich Brüssel laut Euronews gegen Pläne der USA und Russlands, die Gasflüsse nach Europa wiederzubeleben, unter anderem über Nord Stream mit einem US-Investor.