Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Grossi fordert Zugang zu Irans hoch angereichertem Uran

Im UN-Sicherheitsrat werfen die USA Teheran Verstöße gegen seine Pflichten vor. Iran hält die Befassung des Rates für beendet.

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hat Iran vor dem UN-Sicherheitsrat aufgefordert, Inspektoren wieder Zugang zu seinem deklarierten Nuklearmaterial zu gewähren. Dazu gehören nach seiner Erklärung vom Dienstag 440 Kilogramm hoch angereichertes Uran, dessen Status die Behörde überprüfen will. Bis heute könne die IAEA nicht bestätigen, dass kein Nuklearmaterial abgezweigt worden sei, sagte Grossi.

Die IAEA hatte ihre Inspektoren nach Grossis Darstellung Ende Juni 2025 nach Beginn der Militärangriffe aus Sicherheitsgründen aus Iran abgezogen. Normale Inspektionen seien seither nicht wieder aufgenommen worden; einzige Ausnahme sei das Kernkraftwerk Buschehr, wo Inspektoren derzeit Überprüfungen vornähmen. Iran habe weder Informationen noch Zugang zu den angegriffenen und den nicht angegriffenen Anlagen gewährt, auch nicht zur Anreicherungsanlage in Isfahan, die Teheran unmittelbar vor den Angriffen deklariert habe. Seit Juni 2025 habe die Behörde keine Reparatur oder keinen Wiederaufbau der 2025 und 2026 beschädigten Anlagen festgestellt.

Grossi schlug vor, an das im September 2025 in Kairo mit Außenminister Abbas Araghtschi unterzeichnete Abkommen über praktische Schritte bei den Kontrollen anzuknüpfen. Er warb für schrittweise technische Maßnahmen, die eine Rückkehr der Inspektoren ermöglichen. Die technische Vorarbeit für eine diplomatische Einigung sei im Rahmen verschiedener Vermittlungsbemühungen vorangekommen; Oman, Pakistan, Katar und Ägypten hob er für ihre Bemühungen hervor, Iran wieder einzubinden.

Die Vertreterin der USA warf Iran nach der Zusammenfassung der UN fortgesetzte Verstöße gegen seine Verpflichtungen vor und erklärte, Washington und seine Partner würden Iran nie eine Atomwaffe erlangen lassen. Die USA wollten zudem mit anderen Ratsmitgliedern einen unabhängigen multilateralen Mechanismus voranbringen, der die Umsetzung der Sanktionen nach Resolution 1737 überwacht. Laut UN sprach sie auch von Angriffen auf zivile Ziele in anderen Ländern. Zur Abstimmung über die Tagesordnung hatte nach Angaben der US-Vertretung Botschafterin Jennifer Locetta für die USA gesprochen.

Großbritannien verwies laut UN darauf, dass Iran über 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran angehäuft habe, das seit mehr als einem Jahr nicht erfasst sei. Iran erklärte dagegen, die Befassung des Rates mit seinem Atomprogramm sei mit dem Auslaufen der Resolution 2231 im Oktober 2025 endgültig beendet; Russland sah ebenfalls keine Grundlage für die Sitzung. China machte den Rückzug der USA aus dem Atomabkommen und die Angriffe auf iranische Anlagen für die Lage verantwortlich. Teheran hatte zuletzt Bedingungen für Gespräche mit Washington gestellt.