Freitag, 23. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Israels Armeechef sieht laut Channel 13 keinen Grund für Iran-Schlag vor der Wahl

Komme die Armee zu dem Schluss, dass ein Angriff nötig sei, werde sie ihn ausführen, wird Generalstabschef Zamir wiedergegeben. Netanjahu weist einen Bericht der Financial Times über einen von Trump gestoppten Angriff zurück.

Israels Generalstabschef Eyal Zamir sieht nach einem Bericht des Fernsehsenders Channel 13 derzeit keine operative Notwendigkeit, Iran vor der Knesset-Wahl am 27. Oktober anzugreifen. Zamir habe das kürzlich in einem nicht öffentlichen Treffen gesagt, meldete der Sender am Donnerstag nach Angaben der Times of Israel. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass ein Schlag vor der Wahl nötig sei, wird der Armeechef wiedergegeben. Komme die Armee zu dem Schluss, dass ein Angriff erforderlich sei, werde sie ihn ausführen.

Ähnlich äußerte sich öffentlich Gadi Eisenkot, Vorsitzender der Partei Jaschar und wichtigster Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Von Iran gehe keine direkte, unmittelbare Bedrohung aus, die einen Krieg vor der Wahl notwendig mache, sagte der frühere Generalstabschef am Donnerstag ebenfalls Channel 13, wie die Times of Israel berichtet. Kritiker werfen Netanjahu vor, auf eine Wiederaufnahme des Kriegs gegen Iran zu drängen, um die Wahl zu beeinflussen oder zu verschieben. Netanjahu weist das zurück.

Die Debatte folgt auf einen Bericht der New York Times, wonach die USA und Israel Pläne für neue Angriffe auf Iran nach den US-Zwischenwahlen am 3. November ausgearbeitet haben. Als mögliche Ziele nannte das Blatt Atomanlagen, Energieinfrastruktur sowie Raketen- und Drohnenarsenale. Einen anderen Bericht wies Netanjahu am Donnerstag zurück: Die Darstellung der Financial Times, US-Präsident Donald Trump habe einen für das Wochenende um den 10. Oktober vorbereiteten israelischen Großangriff auf Iran verhindert, sei inkorrekt, sagte er dem Sender Arutz Sheva. Auf den Inhalt seiner jüngsten Gespräche mit Trump über Iran wollte er laut Times of Israel nicht eingehen.

Zamir hatte nach einem früheren Bericht amerikanische Generäle gewarnt, ein Angriff in den kommenden Wochen könne eine Verschiebung der israelischen Wahl erzwingen, weil Iran voraussichtlich mit massivem Raketenbeschuss antworten würde. Trump hatte am 9. Oktober erklärt, die USA würden Iran vor der eigenen Wahl nicht angreifen.

Die Lage am Golf bleibt angespannt. Sieben Öltanker seien in der Nacht zum Donnerstag in der Straße von Hormus in Brand geraten oder beschädigt worden, nachdem sie von Iran getroffen worden oder auf Seeminen gelaufen seien, meldete das iranische Staatsfernsehen unter Berufung auf die Marine der Revolutionsgarden. Die Nachrichtenagentur AP konnte das nicht unabhängig bestätigen. Trump hatte Teheran zuvor vorgeworfen, solche Treffer zu erfinden. Die USA verlegen derweil einen dritten Flugzeugträger und Tausende Soldaten in die Region.