Samstag, 24. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Putin will Friedensabkommen statt kurzer Waffenruhe

Der Kremlchef bestätigt in einem Interview für das Staatsfernsehen die Bereitschaft zu neuen Dreiergesprächen mit den USA und der Ukraine. Verhandelt werden soll über die Sicherheit beider Länder nach einem endgültigen Abkommen und über Europas Sicherheitsarchitektur.

Russlands Präsident Wladimir Putin will die neuen Gespräche mit den USA und der Ukraine auf ein endgültiges Friedensabkommen ausrichten, nicht auf eine kurze Waffenruhe. Ziel der Verhandlungen sei, über die Sicherheit der Ukraine und Russlands nach dem Abschluss von Friedensvereinbarungen in ihrer endgültigen Fassung zu sprechen, nicht nach einer Unterbrechung der Kampfhandlungen für kurze Zeit, sagte Putin in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview mit dem Staatsfernsehreporter Pawel Sarubin. Der Kreml stellte die Antworten auf kremlin.ru ein. Mit dem Vertreter der US-Regierung sei vereinbart worden, dass Russland zur Wiederaufnahme der Dreierkontakte bereit sei.

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff habe darauf hingewiesen, dass Gespräche über die künftige Sicherheit beider Länder auch die Architektur der europäischen Sicherheit insgesamt umfassen müssten, sagte Putin. Dem stimme er zu; man werde sehen, wie sich die Lage in den nächsten Tagen entwickle. Moskau hatte nach Putins Treffen mit Witkoff in St. Petersburg am Mittwoch erklärt, die von den USA vermittelten Gespräche im kommenden Monat wieder aufnehmen zu wollen, berichtet Reuters. Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft demnach auf Verhandlungen Anfang November. Die Ankündigung aus dem Kreml beschreibt ein früherer Bericht.

Ort und Zeitraum hat der Kreml inzwischen genannt. Die Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine sollen in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag laut TASS. Auf die Frage, ob auch Europäer teilnehmen könnten, sagte er laut RIA Nowosti, ausschließen lasse sich vorab nichts, diese Runde finde aber im Dreierformat statt. Über die europäische Sicherheitsarchitektur lasse sich ohne die Europäer nicht sprechen, die Diskussion beginne jedoch zu dritt. Ob ein Sondergesandter der EU einbezogen werde, hänge laut TASS davon ab, mit welcher Haltung sich die Europäer beteiligen wollten.

In der Gebietsfrage bleibt Putin bei seiner Linie. Auf Sarubins Frage nach Selenskyjs Äußerung, er sei bereit, den Verlust von Territorium hinzunehmen, sagte Putin, es handle sich nicht um ukrainisches Gebiet, sondern um Territorium des historischen Russlands. Die Bewohner hätten zunächst für die staatliche Unabhängigkeit und dann für die Vereinigung mit Russland gestimmt; von Gebietsverlusten zu sprechen, sei daher unangebracht. Welche Gebiete er meinte, sagte Putin nicht ausdrücklich. Russland verlangt laut Reuters, dass die Ukraine den gesamten Donbas abtritt; Kyjiw lehnt es ab, Land aufzugeben, das es derzeit hält. Russland bereite keinen Krieg mit Europa vor, sagte Putin, die Ziele der Militäroperation würden aber in jedem Fall erreicht.

Zurückhaltend äußerte sich Kremlberater Juri Uschakow zu den Vorschlägen, die Witkoff aus Oslo mitgebracht hatte. Die Amerikaner hätten dort einige neue Nuancen wahrgenommen und Moskau darüber unterrichtet, diese stellten Russland aber nicht vollständig zufrieden, sagte er laut Reuters. Ein hochrangiger russischer Beamter, der über die Ergebnisse unterrichtet wurde, beschrieb das Treffen Putins mit Witkoff gegenüber der Agentur als relativ kurz und wenig substanziell. Witkoff habe Putin in Oslo ausgearbeitete Vorschläge zur Prüfung übergeben.

Die Angriffe gehen unterdessen weiter. Russland feuerte nach ukrainischen Angaben in der Nacht mindestens 21 ballistische Raketen in drei Wellen ab, drei davon trugen nach Selenskyjs Worten Streumunition. Russland meldete 630 ukrainische Drohnen in Richtung Moskau. Beide Seiten tauschten zudem Gefallene aus: Russland übergab laut der belarussischen Staatsagentur Belta 252 Leichen, die Ukraine 25. Den Beschuss Kyjiws nach Witkoffs Besuch beschreibt ein weiterer Bericht.

Eine weitere kremlnahe Quelle behauptete gegenüber Reuters, die US-Vorschläge enthielten ein Szenario, in dem die Ukraine den gesamten Donbas an Russland abtritt und im Gegenzug eine Sicherheitsgarantie der Nato erhält. Die Angabe stammt allein von dieser anonymen Quelle und ist unbestätigt.