Samstag, 24. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Selenskyj peilt Dreiergespräche in der ersten Novemberhälfte an

Vor dem Hudson Institute verlangt der ukrainische Präsident laut Kyiv Post zuerst eine Waffenruhe und mindestens zehn Jahre internationale Finanzierung für die Armee. Trump bringt Zölle von 200 Prozent gegen beide Kriegsparteien ins Spiel.

Die Ukraine, die USA und Russland wollen sich nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der ersten Novemberhälfte zu Dreiergesprächen auf Ebene der Verhandlungsteams treffen. Darauf gebe es eine Vereinbarung, ob das Treffen zustande komme, hänge aber von Russland ab, sagte Selenskyj am Freitag in einer Ansprache an das Hudson Institute in Washington, aus der er auf X zitierte. Zuvor hatte er mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über die Ergebnisse der Treffen in Oslo und St. Petersburg gesprochen.

Ein für Oktober erwartetes Dreiertreffen sei nicht zustande gekommen, weil Moskau einen weiteren Grund gefunden habe, nicht zu erscheinen, sagte Selenskyj. Ohne amerikanischen Druck auf Russland werde es solche Treffen wohl nicht geben; nach den Gesprächen auf technischer Ebene müssten sich die Staats- und Regierungschefs treffen, weil sich die Kernfragen nur dort klären ließen. Zugleich beklagte er, die Geschwindigkeitsbegrenzungen bei Starlink und Starshield gälten weiter und bereits vereinbarte Abfangraketen gegen russische ballistische Raketen kämen noch immer nicht an, wie er in einem weiteren Beitrag schrieb.

Für einen dauerhaften Frieden nannte Selenskyj nach dem Bericht der Kyiv Post vom Freitag eine Waffenruhe als ersten Punkt. Danach brauche die Ukraine eine große, starke Armee, die mindestens zehn Jahre lang international finanziert werde, weil die kriegsgeschädigte Wirtschaft sie allein nicht tragen könne. Hinzu kommen müssten feste Sicherheitszusagen der USA und Europas. Bis heute habe Kyjiw keine Antwort darauf, wer wie reagiere, wenn Russland erneut angreife. Als Ort der Dreiergespräche nannte Selenskyj laut Kyiv Post Abu Dhabi, als Zeitraum Anfang oder Mitte November. Vor einer Lockerung der Sanktionen oder einer Freigabe eingefrorener russischer Vermögen ohne Schutz vor neuer Aggression warnte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte am Freitag laut der Staatsagentur TASS ebenfalls Abu Dhabi und die erste Novemberhälfte; die Gespräche fänden im Dreierformat statt. Präsident Wladimir Putin will sie auf ein endgültiges Friedensabkommen ausrichten, nicht auf eine kurze Waffenruhe. Erst vor wenigen Tagen hatte sich Selenskyj offen für ein Einfrieren der Front gezeigt.

US-Präsident Donald Trump brachte unterdessen Strafzölle gegen beide Kriegsparteien ins Spiel. Auf einer Wahlkampfkundgebung in Florida sagte er laut der ukrainischen Staatsagentur Ukrinform, man sollte der Ukraine und Russland wohl sofort mit Zöllen von 200 Prozent drohen, wie er es nach eigener Darstellung in anderen Konflikten getan habe. Zugleich räumte er ein, die USA handelten zu wenig mit beiden Ländern, als dass das wirken würde.