Freitag, 23. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Russland beschießt Kyjiw kurz nach Witkoffs Treffen mit Putin

Selenskyj zählt 21 Raketen in drei Wellen, zwei Tote und 34 Verletzte in Kyjiw und anderen Regionen. Die Luftwaffe meldet zudem 210 Kampfdrohnen.

Russland hat Kyjiw seit Mittwochabend in drei Wellen mit ballistischen Raketen angegriffen, insgesamt mit 21 Raketen. Das teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstagvormittag auf Telegram mit. In Kyjiw und anderen Regionen wurden nach seinen Angaben 34 Menschen verletzt, darunter fünf Kinder; zwei Menschen kamen ums Leben. Getroffen wurden demnach Wohnhäuser, Energieanlagen, Teile eines Bahnhofs und der Metro, Einkaufszentren, Betriebe und ein Kloster; insgesamt lagen zwölf Regionen unter Beschuss. Am Mittwoch hatte Präsident Wladimir Putin den US-Sondergesandten Steve Witkoff im Konstantinpalast bei St. Petersburg empfangen (kremlin.ru, Aussenlage); die erste Raketenwelle auf Kyjiw meldete Bürgermeister Vitali Klitschko am selben Abend gegen 21 Uhr MESZ auf Telegram.

Selenskyj wertet den Angriff, der praktisch unmittelbar nach den jüngsten Verhandlungen gekommen sei, als Antwort Moskaus auf die Gespräche: Russlands Haltung habe sich nicht wirklich verändert. Nötig seien echter Druck auf Russland, eine stärkere Luftverteidigung mit schneller Lieferung von Raketen, die Fähigkeit, Startrampen ballistischer Raketen zu zerstören, sowie Sanktionen.

Die ukrainische Luftwaffe meldet auf Telegram neben Raketen der Typen Iskander-M, S-400, Zirkon und Onyx 210 Kampfdrohnen, darunter 110 mit Strahlantrieb. Hauptziel war Kyjiw. Bis 9 Uhr Kyjiwer Zeit (8 Uhr MESZ) wurden nach vorläufigen Angaben 181 Drohnen abgeschossen oder elektronisch abgelenkt, zehn waren noch in der Luft. Treffer gab es an 32 Orten, an acht weiteren schlugen Trümmer ein. Wie viele der Raketen abgefangen wurden, nennt die Luftwaffe nicht.

Für die Hauptstadt meldete die Kyjiwer Stadtmilitärverwaltung mit Stand 9 Uhr Kyjiwer Zeit auf Telegram einen Toten und 24 Verletzte, von denen 16 im Krankenhaus behandelt wurden. Schäden gab es in sechs Bezirken; im Bezirk Petschersk wurden ein medizinisches Gebäude und Rettungswagen beschädigt, auf dem Gelände eines Klosters schlugen Trümmer ein. Klitschko hatte am frühen Morgen auf Telegram 15 Verletzte aus der Nacht gemeldet, darunter zwei 15-Jährige, nachdem bei der ersten Welle am Mittwochabend nach seinen Angaben sechs Menschen verletzt worden waren. Beschädigt wurde laut Klitschko auch Metro-Infrastruktur auf der Südbrücke; die grüne Linie fuhr am Vormittag nach Angaben der Stadtmilitärverwaltung nur abschnittsweise.

Serhij Beskrestnow, Berater des Präsidenten für technologische Fragen der Verteidigung (Erlass Nr. 621/2026), schrieb auf Telegram, Russland habe die historische Innenstadt mit einer Iskander-Rakete mit Streumunitionssprengkopf vom Typ K5 angegriffen, deren 45 Submunitionen in der Luft explodieren. Vier Menschen aus dem Swjato-Wwedenskyj-Kloster der Ukrainischen Orthodoxen Kirche seien verletzt worden. Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte Russland Kyjiw und das Gebiet Charkiw angegriffen (Aussenlage).