Weißes Haus meldet Waffenruhe für Oleschky ab 29. Oktober
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Russland und die Ukraine sollen in der Stadt am Dnipro laut Weißem Haus die Kämpfe einstellen, damit Hilfe hineinkommt und Bewohner fliehen können. Moskau dankt Melania Trump, Kyjiw kündigt humanitäre Korridore an.
GeopolitikRussland und die Ukraine haben nach Angaben des Weißen Hauses einer örtlich begrenzten Waffenruhe für die Stadt Oleschky im Gebiet Cherson zugestimmt. Beide Staaten wollen dort vorübergehend alle militärischen Handlungen einstellen, damit humanitäre Hilfe in die Stadt gelangt und eine Evakuierung von Zivilisten über einen festgelegten sicheren Korridor vorbereitet werden kann, heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses vom Freitag. Die Waffenruhe soll am 29. Oktober beginnen; ein Enddatum nennt die Erklärung nicht. Vermittelt hat sie demnach First Lady Melania Trump.
Oleschky liegt am linken Ufer des Dnipro gegenüber der Stadt Cherson. Vor dem Krieg lebten dort nach Angaben des Weißen Hauses rund 24.000 Menschen, heute sind es schätzungsweise 1.700 bis 2.000, überwiegend ältere Menschen, dazu etwa 50 Kinder. Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms stand rund 90 Prozent des Stadtgebiets unter Wasser. Die Stadt liegt seit Kriegsbeginn an der Front.
Melania Trump hat die Gespräche laut Erklärung selbst angestoßen und mit einem Beauftragten direkt mit der russischen und der ukrainischen Führung die Bedingungen ausgehandelt, von den Zielen über die technischen Abläufe bis zum Zeitplan. Das Weiße Haus beschreibt ihre Rolle als die einer exklusiven Vermittlerin. Genutzt habe sie den Kommunikationskanal, der bei sechs Zusammenführungen von insgesamt 34 Kindern mit ihren Familien entstanden sei. Auf die Lage in Oleschky sei sie bei einer Veranstaltung am Rand der UN-Generalversammlung in New York aufmerksam geworden. Die Bewohner bräuchten dringend medizinische Versorgung, Medikamente, Lebensmittel und sauberes Wasser, sie lebten mit wenig Strom zwischen verminten Straßen und unter regelmäßigem Beschuss, wird die First Lady zitiert.
Zivile Vertreter beider Länder sollen laut Erklärung die Bewohner zu Hause aufsuchen und ihren Hilfebedarf ermitteln. Wer die Stadt verlassen will, soll an einen Ort seiner Wahl gebracht werden; Melania Trump erwartet, dass einige nach Russland und andere in die Ukraine gehen wollen. Beide Staaten hätten Teams für die Abläufe einschließlich der Minenräumung abgestellt. Eine amerikanische Medienorganisation soll die Teams begleiten und den Ablauf dokumentieren.
Aus Kyjiw kündigte David Arachamija, Fraktionschef der Partei Diener des Volkes im Parlament, am Nachmittag auf Telegram eine baldige Operation zur Entblockung von Oleschky und Umgebung an. Ziel seien dauerhafte humanitäre Korridore für die Evakuierung und die Versorgung; dafür werde in Kürze eine Feuerpause gelten, wie die First Lady mitgeteilt habe. Arachamija dankte neben Melania Trump ausdrücklich dem Papst. Einzelheiten soll der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez mitteilen.
Moskau reagierte ebenfalls. Kremlchef Wladimir Putin bat den US-Sondergesandten Steve Witkoff, Melania Trump seinen Dank für ihre humanitären Bemühungen, insbesondere in Oleschky, zu übermitteln, sagte Putins Berater Juri Uschakow laut TASS. Kremlsprecher Dmitri Peskow begrüßte laut RIA Nowosti ihren wesentlichen Beitrag zur Abstimmung der humanitären Operation; wer Oleschky verlassen wolle, könne dies ungehindert tun, sagte er laut TASS. Ein Datum für den Beginn der Feuerpause nannten Arachamija, Uschakow und Peskow in diesen Äußerungen nicht.
Die Vereinbarung fällt in eine Phase neuer Verhandlungsbewegung. Putin hatte am Donnerstag ein endgültiges Friedensabkommen statt einer kurzen Waffenruhe als Ziel neuer Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine genannt. Diese sollen nach Angaben Peskows in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden; eine Beteiligung der Europäer schloss er laut RIA Nowosti vorab nicht aus, die Runde finde aber im Dreierformat statt. Am Freitag tauschten beide Seiten laut tagesschau jeweils 270 Kriegsgefangene aus. In der Nacht zuvor hatte Russland Energieanlagen in sechs ukrainischen Regionen angegriffen.