Europäer und Regionalmächte beraten in Istanbul über Seewege
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Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien treffen erstmals die Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan; es geht um Hormus, Bab al-Mandab und das Schwarze Meer. An einer Abschlusserklärung wird laut Italiens Außenminister gearbeitet.
GeopolitikDie Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens beraten am Freitag in Istanbul erstmals gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Türkei, Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien. Das Treffen findet auf Initiative Deutschlands und der Türkei statt, teilte das Auswärtige Amt mit. Im Mittelpunkt stehen die Sicherung der freien Schifffahrt sowie die Konflikte mit Iran und im Jemen. Gastgeber ist der türkische Außenminister Hakan Fidan.
Das Format geht nach Angaben des Ministeriums auf Außenminister Johann Wadephul und Fidan zurück, die Erweiterung um Italien auf Wadephul. Deutschland, Frankreich und Großbritannien arbeiten seit Jahren als E3 zusammen; die Türkei, Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien bilden die Gruppe R4. Das türkische Außenministerium hatte am Donnerstag ein Treffen der R4 und eine Runde der R4 mit den E3 angekündigt. Neben Fidan nehmen Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty, Pakistans Außenminister Muhammad Ishaq Dar und der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan Al Saud teil.
Wadephul stellt Iran und die Huthi-Miliz ins Zentrum. „Wir acht setzen gemeinsam ein Zeichen: Wir nehmen nicht hin, dass Iran und die Huthi-Milizen den Welthandel erpressen und die Versorgung der Welt mit Energie und Düngemitteln weiter im Würgegriff halten“, erklärte er vor seiner Abreise nach Istanbul. Die Angriffe auf die freie Schifffahrt und die Nachbarländer müssten enden. Durch die Straße von Hormus wird laut Auswärtigem Amt etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs transportiert, durch Bab al-Mandab am Roten Meer laufen rund zwölf Prozent des weltweiten Seehandels. Seit Juli haben die Huthi im Jemen nach Angaben des Ministeriums ihre Angriffe auf Schiffe und Ziele in Saudi-Arabien verstärkt und blockieren Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien an der Ein- und Ausfahrt des Roten Meers.
Auch das Schwarze Meer steht auf der Tagesordnung. Russische Angriffe auf zivile Schiffe und Häfen haben die ukrainischen Getreideexporte über diese Route seit Juli nach Darstellung des Auswärtigen Amts nahezu zum Erliegen gebracht; zuvor lief rund 30 Prozent des weltweiten Weizenhandels darüber. Mit Angriffen auf Getreidelieferungen nehme Russland eine Nahrungsmittelknappheit im globalen Süden wissentlich in Kauf, sagte Wadephul. Deutschland unterstützt nach Angaben des Ministeriums Bemühungen um einen Waffenstillstand für die zivile Schifffahrt.
Italiens Außenminister Antonio Tajani sagte am Freitag vor seiner Abreise der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, es werde an einer Abschlusserklärung gearbeitet, berichtet Türkiye Today. Vorrangiges Ziel müsse sein, eine Wiederaufnahme der Kämpfe am Persischen Golf zu verhindern; es gebe viele Anzeichen, dass der Krieg nach den US-Wahlen wieder aufflammen könnte. Durchfahrtsgebühren oder andere Beschränkungen in der Straße von Hormus seien inakzeptabel.
Die Spannungen treiben den Ölpreis. Die Nordseesorte Brent stieg am Freitag zeitweise auf 115 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit dem 4. Mai, berichtet Reuters. Um 13.38 Uhr MESZ kostete Brent 114,57 Dollar, 1,40 Dollar mehr als am Vortag. Auslöser waren laut der Agentur Angriffe der Huthi in Saudi-Arabien; der Ölkonzern Saudi Aramco hatte am Donnerstag seine Zentrale in Dhahran räumen lassen. In der Straße von Hormus wirft US-Präsident Donald Trump Teheran vor, Treffer auf Schiffe zu erfinden.