Russland trifft Energieanlagen in sechs Regionen der Ukraine
https://www.aussenlage.de/artikel/russland-trifft-energieanlagen-in-sechs-regionen-der-ukraine
Mehr als 500.000 Menschen sind nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums ohne Strom, ein Wärmekraftwerk von DTEK steht still. Der Angriff folgt auf Putins Zusage zu neuen Gesprächen.
GeopolitikRussland hat in der Nacht zum Freitag und am Morgen Energieanlagen in den ukrainischen Gebieten Schytomyr, Wolhynien, Mykolajiw, Poltawa, Chmelnyzkyj und Riwne angegriffen. Mehr als 500.000 Menschen seien dadurch ohne Strom, teilte das ukrainische Energieministerium um 9.19 Uhr MESZ in einem Lagebericht des Ersten Vizeministers Artem Nekrassow auf Telegram mit. Wo die Sicherheitslage es zulasse, hätten Reparaturtrupps mit der Wiederherstellung begonnen. In Odessa und Ternopil würden noch Schäden früherer Angriffe beseitigt, in Donezk und Charkiw gebe es durch Beschuss und Kämpfe neue Ausfälle.
Der private Versorger DTEK meldete bereits um 6.22 Uhr MESZ auf Telegram, Russland habe eines seiner Wärmekraftwerke massiv beschossen. Die Anlage erzeuge keinen Strom mehr, die Ausrüstung sei erheblich beschädigt. Seit Beginn der Vollinvasion seien Wärmekraftwerke des Konzerns mehr als 230-mal angegriffen worden. Der Netzbetreiber Ukrenergo meldete um 9.29 Uhr MESZ neue Ausfälle in acht Gebieten: in den sechs vom Ministerium genannten sowie in Donezk und Charkiw, wo das Ministerium Beschuss und Kämpfe als Ursache nennt. Bis Mitternacht gelten demnach in Teilen des Landes stundenweise Abschaltungen für alle Verbraucher und Leistungsbeschränkungen für die Industrie. Der Verbrauch lag um 9.30 Uhr Ortszeit 3,6 Prozent unter dem Vortag.
Auch Kyjiw ist betroffen. Für die Hauptstadt und das Umland ordnete Ukrenergo am Vormittag Notabschaltungen an, bei denen die Abschaltpläne nicht gelten, teilte DTEK um 9.45 Uhr MESZ auf Telegram mit; um 12.47 Uhr MESZ kehrte das Umland zu den regulären Plänen zurück. Zwischen Donnerstagabend und Freitagmittag rief die Stadtverwaltung achtmal Drohnenalarm aus, zuletzt um 13.25 Uhr MESZ (Telegram). Seit Wochenbeginn hätten in Kyjiw mehr als 30-mal die Sirenen geheult, bei Angriffen seien in dieser Woche vier Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden, erklärte die Stadtverwaltung am Freitagmittag. Den Beschuss Kyjiws mit ballistischen Raketen in der Nacht zum Donnerstag beschreibt ein früherer Bericht.
Das russische Verteidigungsministerium gab an, die Luftabwehr habe in der Nacht 443 ukrainische Drohnen über zahlreichen russischen Regionen, dem Moskauer Gebiet, der Krim sowie über dem Schwarzen und dem Asowschen Meer abgefangen (Telegram). Zugleich behauptete das Ministerium, die eigenen Streitkräfte hätten in der Nacht mit Drohnen ein Waggondepot in Poltawa und Ziele im Hafen Wylkowe im Gebiet Odessa getroffen (Telegram).
Die Angriffe folgen unmittelbar auf Putins Ankündigung, die Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Ziel sei ein endgültiges Friedensabkommen und keine kurze Feuerpause, hatte der Kremlchef am Donnerstagabend erklärt. Die von US-Präsident Donald Trump am 11. Oktober verkündete Energie-Waffenruhe hat laut CNBC keine nennenswerte Wirkung gezeigt. Kyjiw hatte schon kurz nach der Ankündigung russische Angriffe auf Energieanlagen gemeldet. Am Freitag kehrten nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj 270 Ukrainer aus russischer Gefangenschaft zurück, darunter neun Zivilisten (Telegram). Das russische Verteidigungsministerium meldete im Gegenzug die Rückkehr von 270 eigenen Soldaten (Telegram).