Sonntag, 11. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Kiew meldet russische Angriffe auf Energieanlagen nach Trumps Waffenruhe

Selenskyj nennt das Heizkraftwerk Nr. 5 in Charkiw, der Kreml hat sich nach den geprüften Quellen bis 21 Uhr nicht geäußert, zwei Duma-Abgeordnete kennen keine Vereinbarung. Die Financial Times berichtet laut Guardian, Washington drohe Kiew bei den Waffenlieferungen.

Russland hat am Sonntag, dem 11. Oktober 2026, nach ukrainischer Darstellung Energieanlagen in der Region Charkiw angegriffen, kurz nachdem US-Präsident Donald Trump auf Truth Social eine „ENERGY CEASEFIRE“ verkündet hatte. Beide Seiten hätten zugestimmt, schrieb er um 16.16 Uhr MESZ und fügte hinzu: „Do not break it!“ Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb am Abend in seinem Telegram-Kanal, es habe Schläge auf Energieobjekte in der Region Charkiw gegeben, und zwar nach der Erklärung des US-Präsidenten.

Welches Objekt getroffen wurde, sagte Selenskyj nach dem Kyiv Independent vom 11. Oktober gegen 20 Uhr Ortszeit: Soeben sei das Heizkraftwerk Nr. 5 in Charkiw getroffen worden, die Energieinfrastruktur der Stadt. Das Präsidialamt bestätigte der Zeitung zufolge, der Angriff sei nach Trumps Ankündigung erfolgt. Ein örtlicher Vertreter sagte ABC News am selben Tag, das Werk sei mindestens zweimal getroffen worden, es habe gebrannt. Eine unabhängige Bestätigung, auch über das Ausmaß der Schäden, liegt in den geprüften Quellen nicht vor.

Selenskyj nannte dazu die Bilanz der Woche: mehr als 200 Angriffe auf Anlagen der Stromerzeugung und der Stromübertragung und 17 auf Gas- und Ölanlagen, wie der Kyiv Independent und der Guardian am 11. Oktober berichten. Der Netzbetreiber Ukrenerho kündigte in seinem Telegram-Kanal für Montag, den 12. Oktober, von 6 bis 23.59 Uhr in einem Teil der Regionen stundenweise Abschaltungen für alle Verbrauchergruppen und Leistungsgrenzen für Industrie und Gewerbe an; Grund seien die Folgen russischer Raketen- und Drohnenangriffe auf Energieobjekte. Dieser Beitrag erschien um 18.10 Uhr MESZ und nennt Trumps Ankündigung nicht.

Im Vorort von Charkiw traf am Abend ein Raketenschlag ein Lebensmittelgeschäft, kein Energieobjekt. Nach dem letzten Bericht von Gouverneur Oleh Syniehubov von 20.47 Uhr MESZ starben dort ein 16-jähriger Junge, eine 19-jährige Frau und eine 51-jährige Frau, 22 Menschen wurden verletzt.

Kiew hat die Ankündigung angenommen. Selenskyj schrieb in einem Telegram-Beitrag, sein Land sei bereit, auf Schläge gegen russische Energieanlagen zu verzichten und erwarte von Russland dieselbe Bereitschaft; die Streitkräfte hätten „all the appropriate orders“ erhalten. Dem Portal Axios hatte er zuvor gesagt, die Nachricht sei neu für ihn, nach dem Guardian vom selben Tag. Wie Trumps Beitrag und die Reaktion aus Kiew zusammenhängen, steht im früheren Bericht; das Angebot, die Raffinerien zu verschonen, behandelt der Bericht zum Raffinerie-Stopp.

Aus Moskau kam bis zum Abend keine Bestätigung. Auf der Nachrichtenseite des Kreml stand gegen 21 Uhr MESZ keine Erklärung zu einer Energie-Waffenruhe; ABC News schrieb um 19.55 Uhr MESZ, Russland habe sich noch nicht geäußert. Zwei Duma-Abgeordnete äußerten sich laut dem Kyiv Independent vom 11. Oktober: Igor Ananskich, erster stellvertretender Vorsitzender des Energieausschusses, sagte dem russischen Portal Ostorozhno Novosti, er habe keine Informationen; Trump sage oft Dinge, damit die Ölpreise nicht stiegen, und er wisse nicht, wie nah das der Wirklichkeit komme. Dmitri Nowikow, erster stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, sagte, er habe nicht an Verhandlungen teilgenommen, und verwies auf Trumps Presseabteilung. Beide sprechen für sich, nicht für die Regierung.

Der Druck aus Washington richtet sich auf Kiew. Die Financial Times berichtete am Sonntag unter Berufung auf Beamte in Europa, die USA drohten damit, das System zu stoppen, über das die Ukraine Waffen beschafft, um Kiew von seinen Schlägen gegen russische Energieanlagen abzubringen; so gibt es der Guardian wieder. Das Original der Zeitung ließ sich nicht öffnen, eine Reaktion der US-Regierung auf den Bericht fand sich nicht. Downing Street hatte schon am Samstag nach ihrer Mitteilung zum Telefonat von Premierminister Andy Burnham mit Selenskyj gefordert, Russland solle einer sofortigen Energie-Waffenruhe zustimmen; das war einen Tag vor Trumps Beitrag und ist im Bericht zur Miami-Runde beschrieben.

Offen bleibt, ob Moskau der Waffenruhe zustimmt, von wann an sie gelten soll und wer sie überwacht; Trump nannte dazu nichts. Stand ist Sonntag, der 11. Oktober 2026, gegen 21 Uhr (MESZ).