Sonntag, 11. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Selenskyj knüpft Wahlen an 60 Tage totale Waffenruhe

Kurz nach dem Interview meldet Trump auf Truth Social eine Energie-Waffenruhe, der beide Seiten zugestimmt hätten. Kiew kennt sie laut Axios nicht, aus Moskau liegt in den geprüften Quellen keine Bestätigung vor.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Sonntag, dem 11. Oktober 2026, im Interview mit ABC News angeboten, Wahlen zu organisieren, wenn Russland eine totale Waffenruhe von 60 Tagen einhält. Nach dem Bericht des Kyiv Independent sagte er, er habe Trumps Team gebeten: „please tell Putin, give us two months, 60 days off. Total ceasefire, 60 days, and we will organize elections.“ Wer das Land führe, entscheide allein die ukrainische Gesellschaft; dieselbe Zeitung zitiert ihn mit den Worten „With all respect to President Trump, it’s up to our society, up to our people to choose one or another leader.“ Das Angebot trifft die Debatte, die US-Präsident Donald Trump am Samstag mit seiner Forderung nach einem neuen ukrainischen Präsidenten ausgelöst hatte; in der Ukraine verbietet das Kriegsrecht Wahlen, wie der Kyiv Independent festhält.

Kurz darauf schrieb Trump auf seinem Netzwerk Truth Social: „Effective immediately, there is an ENERGY CEASEFIRE in the War between Russia and Ukraine. Both parties have agreed. Do not break it!“ So geben es Axios, NBC News und die Kyiv Post wieder, die den Beitrag als Bildschirmfoto zeigt; die TASS-Meldung zitiert ihn ebenfalls. Weitere Angaben, etwa zu Beginn, Reichweite oder Überwachung, machte Trump nach diesen Berichten nicht. Das Original auf Truth Social ließ sich ohne Anmeldung nicht öffnen; der Wortlaut stützt sich auf die genannten Medien, die in ihm übereinstimmen.

Selenskyj sagte Axios in einem kurzen Interview nach Trumps Beitrag, die Ankündigung „was news for me“. Weiter zitiert ihn Axios: „If President Trump negotiated it with Putin, please tell us when the ceasefire begins. We are ready, and we will accept it.“ Ein hoher ukrainischer Beamter erklärte dem Kyiv Independent, Kiew habe keine Informationen über eine solche Waffenruhe; er bezweifle, dass Russland unterrichtet worden sei. Das ist die Aussage eines ungenannten Beamten, nicht Kiews offizielle Haltung. Nach Axios ist unklar, ob Russland tatsächlich zugestimmt hat; die BBC schrieb in ihrer ersten Meldung, weder Kiew noch Moskau hätten sich bislang geäußert.

Belegt ist damit, dass Trump die Waffenruhe verkündet hat und Selenskyj sie bei Annahme durch Moskau mittragen will. Eine Zustimmung Russlands ist dagegen nicht belegt. Auf kremlin.ru fand sich bei der Prüfung am Sonntagnachmittag keine Erklärung dazu, und die TASS-Meldung enthält keinen Kommentar des Kreml. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte nach TASS dem Reporter Pawel Sarubin vom Sender Westi, Selenskyj befinde sich in einem Zustand der Hysterie und könne kaum überlegt handeln; wäre er dazu fähig, zeige er Bereitschaft zu Friedensgesprächen. Ob die Äußerung auf das ABC-Interview oder auf Trumps Beitrag zielte, sagt die Meldung nicht, und sie erwähnt weder das Wahlangebot noch eine Energie-Waffenruhe.

Im Interview verteidigte Selenskyj zudem die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien. Er habe Trump und dessen Team mehrfach gesagt, die Ukraine wolle Frieden und sei zu Deeskalation bereit, sagte er laut ABC News. Wenn Russland wolle, dass die Ukraine Diesel und Raffinerien nicht angreife, solle Trump Moskau das Signal geben, die ukrainische Energieversorgung nicht anzugreifen: „Don’t attack us. Don’t kill our children. We will stop attack[ing] your diesel. And I think it’s fair, fair deal.“ Die gestiegenen Spritpreise führte er auf den Krieg im Nahen Osten zurück: „Everybody in the world understands the prices are rising because of the war in the Middle East, because of the blocking of Hormuz“, zitiert ihn der Kyiv Independent. Das Angebot, die Raffinerien zu verschonen, hatte er schon zuvor erneuert, die Reaktion der Verbündeten steht im Bericht zur Miami-Runde.

Dass Trump eine Einigung verkündet, die niemand bestätigt, hat Vorläufer. Am 14. September schrieb er nach der Kyiv Post auf Truth Social: „Ukraine has agreed not to hit Russian Energy targets. Russia has agreed to do so, likewise.“ Die Zeitung hielt fest, weder Moskau noch Kiew hätten eine Vereinbarung formell bestätigt. Peskow nannte den Vorschlag am Tag darauf laut RBC eine gute Initiative, ohne Termin oder Kontrollmechanismus zu nennen. Axios schreibt, beide Seiten hätten danach weiter Energieanlagen angegriffen.

Offen bleibt, ob Moskau die Waffenruhe bestätigt und von wann an sie gelten soll, und wer sie überwachen würde. Offen ist auch, ob Washington auf Selenskyjs Wahlangebot eingeht: Eine Antwort Trumps oder des Weißen Hauses darauf fand sich in den geprüften Quellen nicht. Den Stand der Dreiergespräche beschreibt der frühere Bericht. Stand ist Sonntag, der 11. Oktober 2026, gegen 17.30 Uhr (MESZ).