Sonntag, 11. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Irans Sicherheitsratssekretär nennt US-Antwort zu Hormus unzureichend

Mohsen Rezaei sagt, Washington habe einige der sieben Bedingungen angenommen, andere ließen Fragen offen. Für einen neuen Krieg droht er Kabeln, Rechenzentren und KI-Anlagen in der Region; das Weiße Haus hat den Inhalt der Antwort nicht veröffentlicht.

Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, hat die Antwort der Vereinigten Staaten auf die sieben iranischen Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus als unzureichend bezeichnet. Das sagte er nach dem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim vom 11. Oktober 2026 in einem Interview mit dem staatlichen Sender Press TV. Washington habe einige Bedingungen akzeptiert, bei anderen bestünden Unklarheiten; die USA müssten sie ausräumen, bevor die nächsten Schritte beginnen könnten. Zugleich drohte Rezaei für den Fall eines neuen Krieges mit Angriffen auf Kabel, Rechenzentren und Anlagen für künstliche Intelligenz in der Region, wie Press TV selbst wiedergibt. Das sind Aussagen einer Konfliktpartei; eine Bestätigung aus Washington liegt nicht vor.

Rezaei, ehemaliger Oberbefehlshaber der Revolutionsgarde, führt den Rat seit August 2026. Nach einem Reuters-Bericht vom 10. August gab das Büro von Präsident Masoud Pezeshkian seine Ernennung bekannt; er löste Mohammad Baqer Zolqadr ab und ist zugleich Vertreter des Obersten Führers Mojtaba Khamenei im Rat. Der Rat koordiniert nach Reuters die Sicherheits- und Außenpolitik und steht formell unter dem Vorsitz des Präsidenten. Tasnim und Press TV nennen ihn am 11. Oktober ebenfalls Sekretär des Rates.

Was die USA geantwortet haben, ist öffentlich nicht bekannt. Weder das Weiße Haus noch das Außenministerium haben in den geprüften Quellen den Inhalt veröffentlicht. Reuters schreibt am 11. Oktober, die USA hätten über katarische Vermittler geantwortet; das Weiße Haus habe auf eine Anfrage zunächst nicht reagiert. Rezaei nennt nach Tasnim nicht, welche Bedingungen Washington angenommen hat und welche offen sind. Er sagt, Iran antworte den Amerikanern nicht mehr, sie hätten geantwortet. Unklar ist, ob er die Antwort meint, die Teheran nach Reuters Ende September erhielt, wenige Tage nachdem Präsident Donald Trump den Vorschlag abgelehnt hatte. Trump nannte ihn laut CNN, wiedergegeben von RNZ am 28. September, inakzeptabel; Iran verlange alles im Voraus, sagte demnach der UN-Botschafter Mike Waltz. Nach dem Tehran Times vom 5. Oktober, einer iranischen Zeitung, wollen die USA Erleichterungen erst nach konkreten Fortschritten im Atomstreit gewähren.

Die Drohung gegen die Infrastruktur formuliert Rezaei als Zurückhaltung. Iran habe diese Anlagen bisher nicht zu seinen Zielen gezählt; in einem neuen Krieg kämen viele Kabel, Rechenzentren und KI-Zentren in Reichweite. Ihren Wert beziffert er auf mehr als zwei Billionen Dollar und sagt, sie seien wegen ihres hohen Energiebedarfs aus den USA und Europa in die Region gebracht worden. Die Zahl ist seine Angabe und nicht belegt. Welche Kabel und welche Standorte er meint, sagt er nach Tasnim nicht, von Unterseekabeln ist dort nicht die Rede. Iran werde einem neuen Krieg mit einem breiteren Plan begegnen, sagt er; im Zwölf-Tage- und im Vierzig-Tage-Krieg habe es nur einen Teil seiner Mittel gezeigt.

Zur Meerenge sagt Rezaei, Iran halte an der eigenen Verwaltung der Straße von Hormus fest und werde davon nicht abrücken. Ohne die sieben erfüllten Bedingungen werde sie weder geöffnet noch verhandelt. Er behauptet außerdem, iranische Kräfte träfen seit zwei, drei Monaten jede Nacht fünf Schiffe von Schmugglern in omanischen Küstengewässern; belegt ist das nicht. Welche Treffer die britische Meldestelle UKMTO und die Seeschifffahrtsorganisation IMO verzeichnen, steht im Bericht über die Schiffsangriffe im Oktober.

Gegenüber dem Stand im Bericht über die sieben Bedingungen ist das die erste öffentliche iranische Bewertung der amerikanischen Antwort. Dort hatten Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf und Außenminister Abbas Araqchi am 4. Oktober die Bedingungen genannt, ohne sie einzeln aufzuzählen. Einen amtlichen Text der sieben Punkte hat Iran auch jetzt nicht veröffentlicht. Die Tehran Times rekonstruiert sie am 5. Oktober aus Äußerungen iranischer Amtsträger: Waffenruhe an allen Fronten einschließlich Libanon, Ende der amerikanischen Blockade, eine Ausnahme von den Ölsanktionen, Freigabe eingefrorener Gelder von mindestens zwölf Milliarden Dollar, Aufhebung der Sanktionen seit Juni, Ende der Angriffe und Annahme der iranisch-omanischen Schifffahrtsroute. Ob Rezaeis Aussage eine Verhärtung oder eine Verhandlungsposition ist, lässt sich aus den Quellen nicht ablesen. Das Gespräch führte Press TV laut eigener Darstellung am Samstag; Tasnim und die Nachrichtenagentur IRNA, die Iranian Diplomacy am 11. Oktober wiedergibt, berichteten am Sonntag darüber. Stand dieses Textes ist Sonntag, der 11. Oktober 2026, gegen 21.30 Uhr (MESZ).