Sonntag, 11. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Schiffe vor Ras al-Chaima sollen per Funk ihren Ankerplatz verlassen

Die britische Meldestelle UKMTO nennt keinen Absender. Die Sicherheitsfirma Ambrey führt den Funkspruch nach CNN auf die iranische Revolutionsgarde zurück; eine Äußerung der Garde oder der Emirate dazu liegt in den geprüften Quellen nicht vor.

Mehrere Kapitäne vor Ras al-Chaima in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben der britischen Meldestelle UKMTO berichtet, sie seien per UKW-Funk angewiesen worden, ihre Ankerplätze zu verlassen. Die Advisory 161-26 der UKMTO nennt als Zeitpunkt den 10. Oktober 2026, 18.50 Uhr UTC (20.50 Uhr MESZ), und stuft den Vorgang als verdächtige Aktivität ein. Absender, Zahl der Schiffe und Namen stehen nicht in der Meldung, ebenso wenig ein Angriff; die Behörden untersuchten weiter. Betroffen sind die Schiffe, die vor Ras al-Chaima ankern, ihre Besatzungen und Reeder.

Den Funkspruch ordnet die Sicherheitsfirma Ambrey der Marine der iranischen Revolutionsgarde zu, wie CNN am 11. Oktober berichtet. Danach galt die Aufforderung sechs Schiffen, die rund 16 Meilen (25 Kilometer) vor dem Hafen von Ras al-Chaima lagen: Sie sollten den Anker lichten, das Gebiet sofort verlassen und zum Ankerplatz von Dubai fahren. Das ist die Zuschreibung eines privaten Dienstleisters, die die UKMTO nicht bestätigt. Ob die Schiffe der Aufforderung folgten, ist in den geprüften Quellen nicht belegt. Anadolu schreibt am 10. Oktober, die UKMTO habe in diesem Zusammenhang keine Angriffe oder Schäden gemeldet.

Einen Tag zuvor hatte die Marine der Revolutionsgarde in einer Mitteilung, die die ihr nahestehende Agentur Tasnim am 9. Oktober wiedergab, den Treffer auf den Flüssiggastanker NV Sunshine auf einer nicht genehmigten Route südlich der Meerenge erklärt. Sie machte die US-Streitkräfte für solche Zwischenfälle verantwortlich und kündigte an, das Vorgehen gegen Schiffe auf nicht genehmigten Wegen bleibe nicht auf die Meerenge beschränkt: Solche Schiffe würden in der ganzen Region verfolgt, die Strafe sei sicher. Das ist die Darstellung einer Kriegspartei. Ras al-Chaima und die Emirate nennt die Mitteilung nicht; ob der Funkspruch damit zusammenhängt, belegt keine der geöffneten Quellen.

CNN schreibt, Iran habe die Emirate zuletzt gemieden. Am 9. Oktober meldete die UKMTO allerdings den Treffer eines unbekannten Geschosses auf einem Schiff 13 Seemeilen westlich des Ortes Al Jazeera in den Emiraten; das Feuer an Bord war gelöscht, über Besatzung und Schäden lag zunächst nichts vor. Sicherheitsquellen nannten das Schiff nach gCaptain den unter panamaischer Flagge fahrenden Rohöltanker Gem No. 2. Die Nationalgarde der Emirate teilte am 10. Oktober nach der Agentur WAM, wiedergegeben vom Aletihad News Center, mit, ihre Küstenwache habe 22 asiatische Seeleute von einem brennenden Öltanker im Golf gerettet; Schiff, Ursache und Ort nennt sie nicht. Einen Zusammenhang zwischen diesen Fällen und dem Funkspruch stellt keine Quelle her.

In der Meerenge selbst meldete die UKMTO am Samstag um 19.20 Uhr UTC mit der Warnung 162-26, ein ausfahrender Tanker sei auf der Backbordseite von einem unbekannten Geschoss getroffen worden, es sei Feuer an Bord ausgebrochen; die Besatzung sei in Sicherheit. Die Warnung 164-26 vom Sonntag, 12.00 Uhr UTC, beschreibt einen weiteren ausfahrenden Tanker, der nach Angaben seines Sicherheitsbeauftragten auf der Backbordseite getroffen und beschädigt wurde; auch hier blieb die Besatzung unverletzt, ein Umweltschaden wurde zunächst nicht gemeldet. Weder Warnung nennt Schiff oder Urheber. Die Angriffsserie im Oktober ist gesondert beschrieben.

Politisch bewegt sich nichts. Die vermittelten Gespräche zur Beendigung des Krieges stocken nach Al Jazeera vom 11. Oktober weiter; Iran verlangt die Rückkehr zu der im Juni vereinbarten, inzwischen gescheiterten Absichtserklärung und die Unterstützung Washingtons für eine bereits abgeschlossene Vereinbarung mit Oman über zeitweise abgestimmte Ein- und Ausfahrtsrouten. Nach Al Jazeera ist vor der US-Zwischenwahl am 3. November und der israelischen Wahl am 27. Oktober kein Durchbruch zu erwarten. Der Generalstabschef der iranischen Armee, Habibollah Sayyari, sagte nach demselben Bericht im Staatsfernsehen, die Streitkräfte seien auf Verteidigung und Angriff vorbereitet und würden erneut zuschlagen, falls Iran angegriffen werde. Teheran koppelt die Öffnung der Meerenge an sieben Bedingungen.

Offen sind der Absender des Funkspruchs, die Zahl der betroffenen Schiffe, ihre Reaktion und eine Stellungnahme der Revolutionsgarde oder der Emirate. Der Stand dieses Textes ist Sonntag, der 11. Oktober 2026, 21 Uhr.