Montag, 5. Oktober 2026


Geopolitik

Jemens Führungsrat erklärt die Offensive gegen die Huthi

Raschad al-Alimi wies Armee und Sicherheitskräfte an, Huthi-Gebiet zurückzunehmen. Die Miliz hält nach der Küstenoffensive die Meerenge Bab al-Mandab und rückte bei Taiz vor.

Raschad al-Alimi, Vorsitzender des Präsidialen Führungsrats und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, hat am 4. Oktober 2026 den Beginn von Militäroperationen ausgerufen, um das restliche Territorium der Republik zurückzunehmen. Reuters und Al Jazeera datieren die Fernsehansprache auf Sonntag. Adressat sind die Verbände der international anerkannten Regierung. Betroffen sind die von den Huthi gehaltenen Gebiete und die Schifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab.

In der Ansprache an die jemenitische Bevölkerung sagte al-Alimi, er habe die Streitkräfte, die Sicherheitskräfte und alle militärischen Formationen angewiesen, ihre Aufträge nach gebilligten Plänen auszuführen, bis das Land aus dem Griff der Huthi befreit sei. Die Entscheidung stütze sich auf Beschlüsse des Nationalen Verteidigungsrats. Alle staatlichen Institutionen sollten in Alarmbereitschaft bleiben, bis der Auftrag erfüllt sei.

Reuters spricht von einer großangelegten Kampagne. Ein Militärsprecher forderte die Huthi später auf, die Waffen niederzulegen. Die Tagesschau gibt al-Alimi mit den Worten wieder: „Wir übernehmen nationale Verantwortung, um der terroristischen Huthi-Miliz entgegenzutreten.“ Das geschehe, nachdem alle Möglichkeiten für einen Waffenstillstand ausgeschöpft seien.

Al-Alimi betonte, es handle sich nicht um einen Krieg gegen die Bevölkerung von Sanaa, Saada, Hodeidah, Amran, Dhamar oder Ibb und nicht gegen eine Konfession oder einen Stamm. Bewohner in Huthi-Gebieten seien nicht das Ziel; sie sollten sich von militärischen Stellungen und Nachschubwegen fernhalten. Wer die Waffen niederlege, dem bleibe die angekündigte Amnestie offen. Die Regierung solle in zurückgenommenen Städten Gehälter nachzahlen und beschädigte Straßen, Strom- und Wassernetze reparieren.

Er dankte Saudi-Arabien für die Unterstützung und rief regionale Verbündete sowie internationale Partner auf, den Führungsrat zu stützen. Reuters berichtete unter Berufung auf Vertreter aus der Region und aus westlichen Regierungen, Riad und seine jemenitischen Verbündeten hätten eine Offensive vorbereitet, bei der saudische Kräfte den Luftkrieg führen und jemenitische Truppen am Boden kämpfen sollten. Die Darstellung bleibt der Bericht der Agentur.

Die Tagesschau schreibt, es habe saudische Luftangriffe auf Sanaa gegeben. Al Jazeera gibt die von Saudi-Arabien geführte Koalition mit 97 „präzisen Zieloperationen“ am Sonntag gegen Huthi-Verstärkungen an der Front Tor al-Baha und der Achse Taiz wieder, mit Kampfflugzeugen, Drohnen, Artillerie, Raketen und Scharfschützen.

Während der Ankündigung reklamierten die Huthi nach Reuters und Al Jazeera Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf Aramco-Standorte in Riad und in der Region Khurais. Eine Bestätigung aus Riad lag demnach zunächst nicht vor. Zum reklamierten Treffer südlich der saudischen Hauptstadt liegt ein eigener Bericht vor. Die Tagesschau zitiert einen Huthi-Sprecher: „Wir werden weiterhin die Stützpunkte des kriminellen saudischen Feindes sowie dessen Ölanlagen mit im Jemen hergestellten Raketen und Drohnen angreifen.“

Trotz der Gegenoffensive behielten die Huthi nach Reuters am Boden die Initiative. Im September hatten sie in einer Blitzoffensive die Meerenge Bab al-Mandab und nach der Agentur rund 150 Kilometer Rotmeerküste genommen. Al Jazeera nennt die Einnahme der Hafenstadt Mokka und strategischer Inseln Mitte September. Die Meerenge ist der südliche Ausgang des Roten Meeres. Deutschland beteiligt sich an der EU-Operation zum Schutz der Schifffahrt in diesem Seegebiet.

In den 48 Stunden vor der Ansprache gewannen die Huthi nach Militärkreisen gegenüber Reuters Gelände auf Anhöhen bei Taiz und rückten auf die letzte Straße zwischen der Stadt und Aden vor. Die BBC gibt AFP mit drei jemenitischen Militärquellen wieder, die Huthi kontrollierten die Versorgungsroute und hätten Taiz damit faktisch eingekesselt. Farea Al-Muslimi von Chatham House sagte AFP, sie hätten das militärische Ziel erreicht, Taiz von Aden zu isolieren, auch wenn sie die Stadt nicht vollständig eingenommen hätten. Al-Alimi stammt nach Reuters aus der Region.

Die vom Iran unterstützten Huthi halten Sanaa seit 2014; die Regierung sitzt in Aden. Die Kämpfe sind nach Al Jazeera im Juli wieder aufgeflammt, nachdem ein Waffenstillstand von 2022 geendet hatte. Regierungstruppen griffen nach der Tagesschau am 4. Oktober eigenen Angaben zufolge Ziele in Sanaa, in der nordwestlichen Provinz Saada und in Taiz an.

Oberst Majed Abdullah al-Nazili, Sprecher der Regierungstruppen, sagte nach Al Jazeera für den Samstag, die Streitkräfte hätten 257 gezielte Operationen ausgeführt; erste Schätzungen bezifferten die Toten auf mindestens 700 Huthi-Kämpfer. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahl steht in den geöffneten Berichten nicht.

Die Tagesschau nennt unter Berufung auf die Vereinten Nationen rund 150.000 Menschen auf der Flucht. Al Jazeera schreibt von Hunderttausenden Vertriebenen seit der Wiederaufnahme der Kämpfe. Reuters gibt das Welternährungsprogramm mit der Angabe wieder, drei von vier Familien in Teilen des Jemen hungerten infolge der Kämpfe.