Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

KSK-Kommandeur richtet Spezialkräfte auf Russland aus

General Andreas Kühne bereitet das Kommando auf lange Einsätze an der Nato-Ostflanke vor. Die Truppe ist nach seinen Angaben nur zu 70 bis 80 Prozent besetzt.

Das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr stellt sich nach den Worten seines Kommandeurs gezielt auf einen möglichen Krieg mit Russland ein. Die Einheit richte sich sehr konkret auf den Gegner Russland aus, sagte Kommandeur Andreas Kühne der BILD, die das KSK in der Zeppelin-Kaserne im baden-württembergischen Calw besuchte und den Bericht am Montag um 13.32 Uhr MEZ veröffentlichte. Das Kommando ist seit 1996 für Geiselbefreiung, Terrorbekämpfung, Evakuierungen und Aufklärung tief im gegnerischen Gebiet zuständig und kämpfte unter anderem in Afghanistan.

Besetzt ist das KSK nach Kühnes Angaben derzeit zu 70 bis 80 Prozent. Von den knapp 1500 Mitarbeitern sind laut BILD nur ein Drittel Kommandosoldaten, die übrigen arbeiten in der Verwaltung. Die Auswahl besteht demnach nur gut 15 Prozent der Bewerber.

Längere Einsätze, höhere Bereitschaft

Früher seien Operationen auf etwa drei Tage angelegt gewesen, danach seien die Soldaten ins Lager zurückgekehrt, schilderte Kühne. In einem Krieg mit Russland werde das anders sein: „Da werden wir viel länger im Felde ausharren müssen.“ Die Kommandos trainieren nach dem Bericht wieder gegen einen Gegner mit Panzern, Artillerie, Drohnen und elektronischer Kampfführung und üben Einsätze bei extremer Kälte.

Die Spezialkräfte sollen im Ernstfall vor den regulären Verbänden handeln. „Wenn die Panzerbrigade 45 in Litauen im Ernstfall ihre Motoren startet, wollen wir unseren Job schon gemacht haben“, sagte Kühne. Innerhalb von vier Stunden säßen die Soldaten in Stuttgart im Flugzeug.

Bei Übungen im Baltikum hat Deutschland nach Darstellung von BILD gezeigt, wozu seine Spezialkräfte fähig sind. „Putin kennt unsere Schlagkraft“, sagte der Kommandeur. Er sprach von einem Preisschild, das so hoch sein müsse, dass Russland einen Angriff zweimal überlege.

Wehrpflicht als Hoffnung

Um die Personallücke zu schließen, setzt Kühne auf eine neue Wehrpflicht. „Je mehr Leute ins System laufen, desto mehr Leute könnten auch für uns dabei sein“, sagte er.

Das KSK stand vor wenigen Jahren nach rechtsextremen Vorfällen und verschwundener Munition selbst infrage; 2020 wurde eine Kommandokompanie aufgelöst. Fälle aus dem Bereich der Inneren Führung seien inzwischen extrem gering, aber nicht null, sagte Kühne. „Im Zweifel gibt es kein Pardon.“