Lawrow hält in Teheran an Iran-Projekten fest
https://www.aussenlage.de/artikel/lawrow-haelt-in-teheran-an-iran-projekten-fest
Russlands Außenminister meldet die schrittweise Rückkehr russischer Fachleute ins Atomkraftwerk Bushehr und verlangt am Golf Garantien gegen neue Angriffe. Einem Kontakt Irans zum Mekka-Pakt will Moskau nicht im Weg stehen.
GeopolitikRussland will seine Wirtschaftsprojekte in Iran trotz des Krieges fortführen. Russische Fachleute kehrten schrittweise in das Atomkraftwerk Bushehr zurück, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag nach Gesprächen mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi in Teheran. Das geht aus dem Stenogramm der Pressekonferenz hervor, das das russische Außenministerium um 18.04 Uhr MESZ veröffentlichte. Ein russischer Auftragnehmer setze die Vermessung der Trasse für die Bahnstrecke Rascht–Astara fort und beginne mit dem Bau, sobald Iran die nötigen Unterlagen fertiggestellt habe. Auf die Umsetzung der wirtschaftlichen Vereinbarungen wolle Moskau nicht verzichten.
Für den Golf verlangte Lawrow eine Rückkehr zur Lage vor der Krise. Im Persischen Golf und in der Straße von Hormus müssten die freie Schifffahrt wiederhergestellt und Garantien gegen eine Wiederholung der Aggression gegeben werden. Russland sei bereit, bei der Suche nach Verhandlungslösungen zu helfen, und schätze die Arbeit internationaler Vermittler. Der bilaterale Handel wuchs nach seinen Angaben 2025 um 21 Prozent und in den ersten acht Monaten dieses Jahres um mehr als zehn Prozent.
Gefragt, ob der Mekka-Pakt von Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei Vorbild für das russische Konzept kollektiver Sicherheit am Golf sein könne, sprach Lawrow von einer anderen Konstellation. Moskau habe die Gründung begrüßt, auch andere Staaten der Region zeigten Interesse. Komme die iranische Führung zu dem Schluss, dass Kontakte zu dem Bündnis dem Frieden dienten, werde Russland diese Entscheidung respektieren. Das russische Konzept umfasse dagegen alle Anrainer, also die sechs arabischen Golfstaaten und Iran. Für dieses Konzept hatte Lawrow schon tags zuvor beim Dialog mit dem Golfkooperationsrat in Manama geworben; das Bündnis hatte im Oktober seinen Beistand ausgelöst.
Araghtschi schrieb in der Nacht auf X, man habe von Europa bis Westasien alles besprochen, darunter Libanon, Palästina, die Ukraine und Jemen, und über einen Ausbau der wirtschaftlichen und nuklearen Zusammenarbeit gesprochen. Nie zuvor hätten Iran und Russland so eng zusammengearbeitet; das Außenministerium in Teheran teilte den Post. Nach Darstellung der iranischen Regierung führte Araghtschi die Unsicherheit in Hormus direkt auf die amerikanisch-israelische Aggression zurück. Präsident Massud Peseschkian dankte Lawrow laut Regierung für die Unterstützung Putins im zurückliegenden Krieg.
Lawrow traf in Teheran nach Angaben seines Ministeriums auch den Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, der zuletzt die US-Antwort zu Hormus als unzureichend bezeichnet hatte. Moskau rechnet laut Stenogramm damit, dass Peseschkian Ende Oktober zum Gipfel des Forums Gas exportierender Länder nach Moskau kommt. Putin hatte Iran schon Anfang Oktober Hilfe bei der Beilegung des Krieges zugesagt.