Verteidigungsministerium räumt Verzögerungen beim H145M ein
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Ein Sprecher bestätigt auch Probleme mit der Munition und sieht die Industrie in der Pflicht. Der Rechnungshof hält die Kampfhubschrauber laut Spiegel vorerst nicht für kampffähig.
SicherheitspolitikDas Verteidigungsministerium hat Probleme und Verzögerungen beim Leichten Kampfhubschrauber H145M eingeräumt. Ein Sprecher sagte am Montag in der Regierungspressekonferenz in Berlin, die Schwierigkeiten bei dem Projekt seien dem Ministerium bekannt. Man stehe mit dem Bundesrechnungshof in engem Austausch und stimme den Zeitplan für die Bereitstellung mit allen beteiligten Stellen ab, wie die Aufzeichnung der Regierungspressekonferenz ab Minute 58 zeigt. Den Bericht des Spiegel kommentierte er unter Verweis auf die Praxis des Hauses nicht.
Auf die Nachfrage, ob es um Munition gehe, sagte der Sprecher, das decke sich mit den Erkenntnissen des Ministeriums. Technische Einzelheiten nannte er nicht. Die Aussage des Rechnungshofs, die Maschinen könnten vorerst nicht kämpfen, griff er in seiner Antwort nicht eigens auf.
Entscheidend für die Beschaffung sei, dass man einen „signifikanten Fortschritt bei der Bereitstellung der Fähigkeiten“ sehe, sagte der Sprecher. Derzeit sehe das Ministerium „ganz klar“ die Industrie in der „Bringschuld“; Detailfragen solle man an die Industrie richten. Hersteller des H145M ist Airbus. Der Rechnungshof empfiehlt, weitere Bestellungen zurückzustellen. Dass das Ministerium dem folgt, hält der Spiegel nach der Wiedergabe durch n-tv für unwahrscheinlich.
Stand vom 2. November, nachmittags
Die neuen leichten Kampfhubschrauber H145M der Bundeswehr können laut Spiegel auf absehbare Zeit nicht schießen. Das Magazin beruft sich auf einen vertraulichen Bericht des Bundesrechnungshofs für den Bundestag (Spiegel). Nach der Wiedergabe durch WELT erhält die Bundeswehr die Maschinen laut den Prüfern zunächst in einer vorläufigen Konfiguration, mit der sie nur ausbilden, aber nicht kämpfen könne; die Einsatzbereitschaft verzögere sich gegenüber der ursprünglichen Planung erheblich. Der Haushaltsausschuss berät den Bericht laut seiner Tagesordnung am Mittwoch zusammen mit der Vorlage für Spike-Lenkflugkörper für den Hubschrauber (unser Bericht).
Nach dem Spiegel-Bericht, den WELT und n-tv wiedergeben, hat die Bundeswehr aus Sicht der Prüfer den Aufwand unterschätzt, einen zivilen Hubschrauber zu einem militärischen Kampfhubschrauber umzurüsten. Das Projekt befinde sich auf einem kritischen Pfad.
Munition nicht freigegeben, Schussversuche abgebrochen
Die vorgesehene Munition für die Bordkanone ist dem Bericht zufolge bislang nicht von der Bundeswehr getestet worden. Die verfügbare 20-Millimeter-Munition könne wegen „einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens“ nicht als sicher erklärt werden; wann der Hersteller das Problem behebe, sei unbekannt. Die Panzerabwehr-Lenkflugkörper sollen ab Ende 2027 geliefert und anschließend getestet werden. Das Verteidigungsministerium nennt diesen Zeitplan laut Spiegel selbst „sehr ambitioniert“.
Für 384 Millionen Euro will das Ministerium laut WELT eine Tranche der Lenkflugkörper beschaffen. Die Prüfer kritisieren, dass der Vertrag geschlossen werden soll, bevor die Systeme getestet werden konnten. Erste Schussversuche im Mai 2025 seien wegen technischer Probleme bei der Steuerung abgebrochen worden. Damit bestehe das Risiko, „dass der Lenkflugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht“.
Ministerium weist NATO-Sorge zurück
Die Verzögerungen könnten sich nach Einschätzung der Prüfer auf Zusagen an die NATO auswirken: Deutschland will dem Bündnis bis 2029 zunächst zwölf und ab 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhubschrauber stellen. Das Verteidigungsministerium wies laut Spiegel die Befürchtung zurück, diese Zusagen nicht einhalten zu können, und kündigte an, die Kritikpunkte zu prüfen.
Der Rechnungshof empfiehlt laut WELT, weitere Bestellungen bei Airbus vorerst zurückzustellen. Weitere Maschinen solle das Ministerium erst kaufen, „wenn sichergestellt ist, dass der Auftragnehmer die vertraglich geschuldete Leistung erbringt“. Die Option über 20 zusätzliche Hubschrauber aus dem Vertrag vom Dezember 2023 hat die Bundeswehr bereits im Dezember 2025 eingelöst; damit sind nach Angaben von Airbus insgesamt 82 Maschinen bestellt.